Reportage
Flüchtlinge besser behandelt als Obdachlose – warum?

Warum werden Flüchtlinge besser behandelt als die Menschen auf den Straßen der Stadt? Das fragte sich der syrische Autor BILAL AL DUMANI (33), der vor zwei Jahren als Flüchtling von Damaskus nach Berlin kam, im Tagesspiegel.
Al Dumani: „Eine der täglichen Szenen in Berlin, die ich oft sehe: Obdachlose schlafen überall unter harten Bedingungen, draußen, in der Kälte. Als Flüchtling tut mir dies in der Seele weh. Denn Berlin bietet mir ein stabiles Leben – aber für diese Menschen, die doch angestammte Berliner sind, bedeutet Obdachlosigkeit nichts als Instabilität.
Ich habe mich immer gefragt, warum Flüchtlingen offenbar eine bessere Versorgung zukommt als Obdachlosen: Essen, Kleidung, Betten – warum bekommen das diese Leute nicht? Es gibt zwar viele Obdachlosenheime in Berlin mit viel Personal. Auf mich wirkt es trotzdem so, als lasse Berlin die Leute auf der Straße im Stich. Ist denn die Zahl dieser Menschen größer als die Zahl der Geflüchteten? Oder liegt ihr Problem woanders? Warum finden Flüchtlinge Wärme, und diese Menschen schlafen in der Kälte?“
Ende Oktober 2015 berichtete zuerst der rbb und dann Berlin Journal, dass die Berliner Kältehilfe bei Betreibern kaum noch Räume in der Kälte für die 3.000 Obdachlosen auf Berliner Straße findet, weil Berlin für Obdachlose 15 Euro, aber für Flüchtlinge 50 Euro zahlt.
Auch bekommen Flüchtlinge in Heimen drei Mal am Tag ein Catering-Essen im Wert von rund 16 Euro am Tag (in Wünsdorf, wo neuerdings Berliner Flüchtlinge hinverlegt werden, gibt es mittags drei Wahlessen: Fisch, Truthahn oder Gemüsebratlinge), während ein hilfebedürftiger Hartz-IV-Emfpänger mit einem Tagessatz von 4,72 Euro für sein Essen und Trinken auskommen muss, wie Berlin Journal berichtete. Zusätzlich rangeln sich Flüchtlinge an Berliner und auch bundesweiten Tafeln um die gespendeten Lebensmittel und Waschmittel mit den deutschen AlG-2-Empfängern, Sozialhilfeempfängern, Rentnern und Obdachlosen.
„In Berlin schläft kein Hund auf der Straße, aber dafür viele Menschen“
Al Dumani wundert sich über Deutschland: „In Syrien hatten wir keine Obdachlosen, sondern nur Arme. Aber auf jeden Fall schlafen sie nicht auf der Straße. Sie haben Familie oder sie sind Bettler, die manchmal mehr Geld besitzen als du selbst. Obdachlose zu sehen, ist ganz neu für uns hier.
In den zwei Jahren in Berlin habe ich gesehen, dass kein Hund alleine auf der Straße schläft, aber dafür viele Menschen. Ich denke, dass Berlin ohne diesen traurig machenden Anblick der bedürftigen Obdachlosen besser aussehen würde.“


