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Reportage

Verteilungskampf an den Tafeln zwischen Hartz IV-Empfängern und Flüchtlingen

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Die gemeinnützigen Berliner Tafeln, hier die Ausgabestelle Tempelhof, sind am Rande ihrer Hilfsmöglichkeiten und fordern Hilfe von der Bundesregierung. (Pressefoto Tafel.de/Dagmar Schwelle)
Die gemeinnützigen Berliner Tafeln, hier die Ausgabestelle Tempelhof, sind am Rande ihrer Hilfsmöglichkeiten und fordern Hilfe von der Bundesregierung. (Pressefoto Tafel.de/Dagmar Schwelle)
Die gemeinnützigen Berliner Tafeln, hier die Ausgabestelle Tempelhof, sind am Rande ihrer Hilfsmöglichkeiten und fordern Hilfe von der Bundesregierung. (Pressefoto Tafel.de/Dagmar Schwelle)

Der Bundesverband Deutsche Tafeln e.V. mit Sitz in der Dudenstraße 10 in Kreuzberg zählt an den bundesweit 900 Tafeln (die erste wurde 1993 in Berlin gegründet) mittlerweile mehr als 200.000 Menschen aus Notunterkünften und Asylheimen.

In Berlin sind zu den 48.000 Hartz IV-Empfängern, Kinder- und Jugendlichen und Rentnern, die an den Tafelausgabestellen nach gespendeten Lebensmitteln und Kleidung für einen symbolischen Preis von 1 Euro Schlange stehen, noch einmal 4.000 Armutsflüchtlinge dazugekommen.

Es kommt an den bundesweit 3.000 Ausgabestellen und Läden zum Verdrängungskampf. Aus Dannenberg in Niedersachsen berichtete ein Anwohner dem Berlin Journal, dass ein Tafel-Ausgabeleiter von Aslybewerbern als Rassist beschimpft und verprügelt wurde, als er versuchte, die Asylbewerber wieder in das Zentrale Aufnahmelager Dannenberg zurückzuschicken, weil sie dort ausreichend versorgt werden. Es sind Asylanten, die auch nach Berlin weitergeschickt werden.

In Berlin kommt es vor allem an den Ausgabestellen, die sich in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft befinden, zu Engpässen: In der Badstraße im Wedding, in der Friesickestraße in Weißensee, in der Weißenburger Straße in Spandau-Wilhelmstadt.

In Berlin streiken an manchen Ausgabestellen die ersten Ausgabehelfer, berichtet der Tagesspiegel. Andere Stellen haben einen Aufnahmestopp verhängt, generell, nicht nur für Flüchtlinge, betont die Sprecherin und Ehrenvorsitzende Sabine Werth. „Es ist noch einigermaßen entspannt“, sagt sie. „Aber die Stimmung kippt so langsam.“

In einem offen Brief fordert der Bundesverband Deutsche Tafeln e.V. von der Bundesregierung Hilfe:

Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Flüchtlingsbeauftragten zu berufen. Damit wäre eine Stelle geschaffen, die die Arbeit der Zivilgesellschaft koordiniert und die zugleich als Schnittstelle zur Bundesregierung dient. Erfahrungen und Anregungen aus der Ehrenamtsarbeit sollen durch den Flüchtlingsbeauftragten in die Bundesregierung getragen werden und damit die dringend notwendige enge Koordination der unterschiedlichen Akteure der Flüchtlingshilfe gewährleistet werden.

Wir fordern die Bundesregierung auf, den Tafeln projektbezogen Finanzierungshilfe zu gewährleisten, um Dolmetscher, Flüchtlingsbetreuer, Koordinatoren zur lokalen Vernetzung mit den Kommunen oder Integrationshelfer beschäftigen zu können.

Wir fordern die Bundesregierung auf, Ehrenamtliche durch Schulungen auf die Herausforderungen durch Flüchtlinge vorzubereiten. Es ist notwendig, das Ehrenamt zu entlasten, sonst wird die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement langfristig sinken. Und zu guter Letzt möchten wir eine Einladung an Frau Merkel aussprechen.

Besuchen Sie einmal eine Tafel, schauen Sie sich die Lage vor Ort an, sprechen Sie mit den Menschen, die zum Teil zwölf Stunden täglich im Dienst der Menschlichkeit unterwegs sind und mittlerweile am Rande ihrer Kräfte sind. 

Die deutschen Tafeln unterstützen regelmäßig zirka 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon

  • 30 Prozent Kinder und Jugendliche,
  • 53 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (vor allem  ALG-II- beziehungsweise Sozialgeld-Empfänger, Spätaussiedler und Migranten)
  • 17 Prozent Rentner.

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Thomas Breithaupt

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