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Reportage

Russlanddeutsche verlassen Deutschland – wegen der Asylanten

Von Thomas Breithaupt · · 5 Min. Lesezeit

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Ende Januar 2016 gingen in vielen Städten wie hier in Kaiserslautern Russlanddeutsche auf die Straße. Auf Plakaten fragten sie: "Warum sollen eurpäische Soldaten in Syrien den IS bekämpfen, während Hunderttausende junge Syrr in Deutschland Kaffe tringen und Sozialhilfe beziehen von unseren Steuern!" Und: "Wir haben Angst um unsere Kinder", "Unsere Kinder sind die Zukunft und nicht die Asylanten" (Foto: Youtube)
Ende Januar 2016 gingen in vielen Städten wie hier in Kaiserslautern Russlanddeutsche auf die Straße. Auf Plakaten fragten sie: "Warum sollen eurpäische Soldaten in Syrien den IS bekämpfen, während Hunderttausende junge Syrr in Deutschland Kaffe tringen und Sozialhilfe beziehen von unseren Steuern!" Und: "Wir haben Angst um unsere Kinder", "Unsere Kinder sind die Zukunft und nicht die Asylanten" (Foto: Youtube)
Ende Januar 2016 gingen in vielen Städten wie hier in Kaiserslautern Russlanddeutsche auf die Straße. Auf Plakaten fragten sie: "Warum sollen eurpäische Soldaten in Syrien den IS bekämpfen, während Hunderttausende junge Syrr in Deutschland Kaffe tringen und Sozialhilfe beziehen von unseren Steuern!" Und: "Wir haben Angst um unsere Kinder", "Unsere Kinder sind die Zukunft und nicht die Asylanten" (Foto: Youtube)
Ende Januar 2016 gingen in vielen Städten wie hier in Kaiserslautern Russlanddeutsche auf die Straße. Auf Plakaten fragten sie: „Warum sollen europäische Soldaten in Syrien den IS bekämpfen, während Hunderttausende junge Syrer in Deutschland Kaffee tringen und Sozialhilfe beziehen von unseren Steuern!“ Und: „Wir haben Angst um unsere Kinder“, „Unsere Kinder sind die Zukunft und nicht die Asylanten“ (Foto: Youtube)

1.500 Anfragen von Russlanddeutschen liegen bei der Russischdeutschen Gemeinde auf der von Russland annektierten Krim vor. Russlanddeutsche verlassen Deutschland – wegen der vielen Einwanderer.

Russlanddeutsche schätzen Russlands Kurs, aber nicht den deutschen Kurs, so der Chef der russischdeutschen Gemeinde auf der Krim, Jurij Hempel, gegenüber dem ZDF Auslandsjournal.

„Manche sind nicht zufrieden mit der Lage, mit den Füchtlingen vor allem. Viele akzeptieren nicht, dass die christlichen und Familienwerte zerstört werden.“ So Jurij Hempel.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der deutschrussischen Ausliedlerpartei Die Einheit, Dmitri Rempel, unterstützt Hempel mit seinem Krim-Zentrum der deutschen Sprache und Kultur die Wiedergeburt deutscher Siedlungen in Russland. Die Partei gilt als Putin-freundlich. Rempel organisiert Reisen von Deutschland auf die Krim, weil sich die ausreisewilligen Russlanddeutschen mit eigenen Augen davon überzeugen wollen, was sie auf der Krim unter der russlandtreuen Regierung erwartet. Sie glauben den Medien nicht.

Die Krim ist nun zurückgekehrt ins russische Imperium. So sehen es viele Russlanddeutsche.

Auf der Krim sind die Russlanddeutschen aus Deutschland willkommen. Es wird ihnen ein Video des russlandfreundlichen Fernseh-Sender NTS gezeigt. Nein zu Europa, ja zu Russland, sagt da ein Demoplakat. Und dann Impressionen der schönen Zukunft der Krim unter russischer Herrschaft.

Viele Russlanddeutsche stehen der Annexion der Krim durch Russland positiv gegenüber, denn sie sehen sich als Teil des russischen Imperiums.

Koltschugino, früher Kronental, wurde von deutschen Einwanderern zu Zarenzeiten 1911 gegründet. Stalin ließ alle Deutschen von der Krim deportieren. Es blieben nur ein Friedhof mit deutschen Grabsteinen und die Kirche übrig. Sie wird gerade renoviert. Vorbote der Rückkehr der Russlanddeutschen? Kein Problem, meinen so manche. Eine Frau namens Soya sagte dem Auslandsjournal: „Sollen sie doch. Ich bin auch hierher zurückgekehrt. Wie so viele von uns Krimtataren. Und wir leben prima.“ Stalin hatte auch die türkischesprachige sunnitische muslimische Minderheit nach Asien deportieren lassen. Bis heute sind 280.000 Krimtataren, das sind 12 Prozent der 2,5 Millionen Krimeinwohner, zurückgekehrt. Seit dem Anschluss der Krim an die Russländische Föderation im Frühjahr 2014 leben die Krimtataren wieder unter russischer Herrschaft.

In der russlandtreuen Krimregierung hält man die Rückkehr der Russlanddeutschen für nützlich.

Igor Sagrebelnij, Mitglied der Lokalregierung Krasnoperekopsk: „Das bedeutet, das Eis ist gebrochen. Die internationale Gemeinschaft versteht langsam, dass das, was gesagt wurde, dass die Annexion der Krim durch Russland widerrechtlich sei, so nicht ist.“

Die Russlanddeutschen sind der Krimregierung sehr willkommen. Deshalb strahlt der Russlanddeutsche Willi Sdor, als er von ersten Gesprächen kommt.

Willi Sdor will übersiedeln. Wenn die Kinder groß sind, so erzählt er. Und so wollen es Dutzende seiner Bekannten, deren Briefe er der Krimregierung übergab. Aus einem zitiert er: „Wir sehen in Deutschland keine Zukunft. Sind hier wie Geiseln. Alles geht verloren. Unsere Jugend, die Familienwerte. Die Arbeitslosigkeit. Rauschgift. Wir sind ohne soziale Absicherung. Alles bekommen die Deutschen. Arbeit, bezahlten Urlaub, Rentekuchen. Wir nichts.“

Und zuletzt auch noch die Flüchtlinge

Neid kommt auf. Willi Sdor: „Das erste Thema in Deutschland, das ist Flüchtlinge. Und der Staat hat kein Geld.“

Die Reise auf die Krim bedeutet für Willi Sdor Hoffnung auf Neuanfang. Vor über 10 Jahren kam er aus Sibirien nach Ingolstadt in Oberbayern. Aber die Sprache, die Mentalität wurden nie seine. Deutschland ist seine zweite Heimat. Die erste ist Russland, wo er geboren wurde. Sdor: „In Deutschland bekomme ich keine gut bezahlte Arbeit. Ich bin dort ein Bürger zweiter Klasse.“

Auf der Krim kann sich Viktoria Karizki, die in Essen im Ruhrgebiet gelebt hat und vor  vor acht Monaten mit ihrer Teenager-Tochter und ihrem kleinen Sohn als erste Familie aus Deutschland auf die Krim übersiedelte, einen höheren Lebensstandard als in Deutschland leisten. Deutsches Auto, neues Haus. Alles allerdings nur, weil ihr Mann einen Job in Deutschland hat. Aber Deutschland ist keine Heimat für sie. Ob die Krim es wird, weiß sie nicht. Viktoria Karizki. „Die Kinder fühlen sich wohl. Das Wetter ist toll. Ich kann noch nicht 100 Prozent sagen, ob der Schritt gut war. Es braucht Zeit, um alles zu verstehen, und damit die  rosa Brille verschwindet.“ Die Hoffnung auf einen Neuanfang, gepaart mit alten Gewissheiten wie Macht und Schutz durch Putin. Das macht die Krim zum neuen Sehnsuchtsort für manche Russlanddeutsche.

Die dort lebende Ukrainerin Olga Minich, die mit der aus Deutschland hergezogenen Angelina Karizki befreundet ist, sagt lachend: „Darf man das sagen, ohne festgenommen zu werden? Die Krim ist toll. Aber das mit Russland nicht. Alles ist sehr teuer geworden. Und man kann nicht mehr sagen, was man will.“

Angelina Karizki: „Ich bin noch nicht lange auf der Krim hier. Aber ich bin jetzt eher positiv von der Krim überrascht.“

Am russischen Paradies Krim wird noch gebaut. Die Brücke nach Russland wird erst 2019 fertig. Die Landbrücke über die Ukraine ist verschlossen.

In Deutschland herrscht bei vielen Russlanddeutschen wegen der Flüchtlingskrise nur noch Wut.

Der politische Korrespondent der  FAZ Rüdiger Soldt aus Lahr im Schwarzwald (Baden-Württemberg), in der 11.000 russlanddeutsche Spätaussiedler leben, schrieb: „Viele Spätaussiedler fühlen sich von den neu in Deutschland ankommenden Flüchtlingen bedroht und von den deutschen Medien betrogen. Nach 20 Jahren erfolgreicher Integration droht die Entfremdung.“

Vor dem Rathaus in Lahr versammelten sich im Januar 2016 etwa 350 russlanddeutsche Männer und Frauen zu einer spontanen, nicht angemeldeten Demo. Auch in Villingen-Schwenningen, Berlin, Rastatt und Augsburg gab es Demonstrationen, allein in Baden-Württemberg gingen 3.000 Russlanddeutsche gegen Ausländergewalt auf die Straße. Auslöser waren Nachrichten über die Ereignisse in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und über eine mutmassliche Vergewaltigung der 13jährigen Deutsch-Russin Lisa aus Berlin Marzahn durch drei Ausländer, wie Berlin Journal berichtete.

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Thomas Breithaupt

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