Brandschützer Micha Langreder: „Ans Portemonnaie des Bauherrn denken“

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    Brandschützer Micha Langreder (32) aus Nienburg gehört zu einer neuen Generation von Brandschutz-Ingenieuren, die frischen Wind mit alten Familientraditionen verbindet.

    Er berät Kunden in ganz Norddeutschland und Berlin. Seit dem Flughafen BER, über dessen Bauverzögerung durch Brandschutzmängel wir 2017 berichteten, liegt den Berlinern und Brandenburgern der Brandschutz ganz besonders am Herzen.

    Dem Berlin-Journal gewährte der Feuer-Profi berufliche wie private Einblicke. Dazu gehört auch seine Leidenschaft für den Fußball.

    Denn den Kopf bekommt der Ingenieur zwei Mal in der Woche sowie am Wochenende als Spielemacher beim Fußballverein SV Vorwärts Hülsen frei.

    Brandschützer Micha Langreder: „Unser Beruf lebt vom Austausch mit Menschen“

    Zum frischen Wind, den der Niedersachse als Juniorchef in sein über 50 Jahre altes Ingenieur-Büro NIG Nienburger Ingenieur GmbH mitbringt, gehört seine Lust, sich mit Menschen auszutauschen.

    Micha Langreder erläuterte am Autotelefon bei einer Fahrt zur nächsten Projektbesprechung: „Viele glauben, Ingenieure seien vor allem zahlen- und papiergetrieben. Tatsächlich lebt unser Beruf vom Austausch mit Menschen und davon, Lösungen zu finden, die im echten Leben funktionieren.“

    Der Ingenieursname Langreder hat bei Bauherren von Hochbauten und Industrieanlagen in Deutschland und über die Grenzen hinaus schon seit vielen Jahren einen guten Klang. Das liegt an der Familientradition, die ihm sein Vater Klaus Langreder (78) mit auf den Weg gegeben hat.

    Immer an das Portemonnaie des Bauherrn denken.“

    Brandschützer Micha Langreder (32) an einem Messestand seines Familienbetriebes NIG – Nienburger Ingenieur GmbH – Langreder & Partner im niedersächsischen Nienburg © NIG
    Brandschützer Micha Langreder (32) an einem Messestand seines Familienbetriebes NIG – Nienburger Ingenieur GmbH – Langreder & Partner im niedersächsischen Nienburg © NIG

    Micha Langreder erzählt: „2021 habe ich den Betrieb von meinem Vater übernommen. Mein Vater hat mir immer gesagt, ich soll an das Portemonnaie des Bauherrn denken. Natürlich ohne die Schutzziele zu vernachlässigen.“

    Berlin-Jorunal: Haben Sie dafür mal ein Beispiel aus Ihrer Praxis?

    Micha Langreder: „Das war auf jeden Fall ein Pflegeheim in Niedersachsen, was ein Bestandsgebäude war und saniert werden sollte. Bei dem auch schon vorher ein anderer Brandschutzsachverständiger beraten hat, der auf Kosten keine Rücksicht nahm. Da wurde ich dann mit ins Boot geholt. Natürlich habe ich ein qualitativ gleiches Konzept mit dem gleichen Schutzzielniveau erstellt und dabei dem Bauherrn hohe Zusatzkosten erspart“

    Wie haben Sie bei gleichem Schutz die Kosten gedrückt?

    Micha Langreder: „Sachen, die da überwiegend baulich kompensiert worden sind, habe ich anlagentechnisch kompensiert. Man hatte zum Beispiel einen Lichthof, wo der vorherige Sachverständige gefordert hat, dass dieser Lichthof komplett in Brandschutzverglasung vom Erd- bis zum Obergeschoß hoch geführt wird. Diesen Lichthof habe ich sozusagen meiner Nutzungseinheit zugeschlagen und dann ohne Anforderungen belassen und mit einer Brandmeldeanlage kompensiert, die ohnehin schon da war.“

    Micha Langreder erläuterte: „Dadurch habe ich darauf verzichten können, dass man die Lichthofverglasung als Brandschutzverglasung ausführt. Die vorhandene Verglasung konnte weiterverwendet werden. Ich habe mich auf den Bestandsschutz bezogen und habe in Abstimmung mit dem Prüfer beschrieben, dass die Brandmeldeanlage die Bestandssituation voll und ganz verbessert.“

    Auch Zwischendecken können wirtschaftlich vor Brand geschützt werden

    Micha Langreder: „Für Büro- und Verwaltungsgebäude sowie Tiefgaragen und Modehäuser konstruieren wir als äußerst wirtschaftliche Lösung die Stahlbetondecken als Flachdecken ohne Unterzüge (Finite Berechnungen) mit BAMTEC-Bewehrungen. Das sind maßgeschneiderte Betonstahlplatten, die man nur noch ausrollt. Das bringt bei gleicher Sicherheit bis zu 25 Prozent Materialersparnis und verringert die Verlegezeit um 70 bis 90 Prozent.“

    Heute ist alles sicherer“

    Berlin-Journal: Wie hat sich der vorbeugende Brandschutz in Deutschland entwickelt?

    Micha Langreder: „Zum Guten. Es gibt zwar immer mehr Vorschriften im Vergleich zu den 1990er Jahren. Damals gab es weniger Bürokratie. Es war alles einfacher. Aber dafür muss man sagen, dass heute alles sicherer ist, weil es eben mehr Vorschriften gibt. Ich würde sagen, dass es gut ist, wie es heute ist.“

    Berlin-Journal: Wie könnte man dennoch Bürokratie vereinfachen?

    Micha Langreder: „Planung verständlicher, schneller und transparenter machen. Dazu gehört für mich auch eine stärker digitale Zusammenarbeit mit Behörden mit klaren Prozessen und guten Schnittstellen.“

    Berlin-Journal: Welche drei Dinge würden Sie in der Bau- und Ingenieurwelt sofort verändern?

    Micha Langreder: „Klarere und digitalere Prozesse, damit gute Ideen nicht an Bürokratie scheitern. Mehr Vertrauen in fachliche Kompetenz statt starrer Abläufe und generell eine stärkere Wertschätzung für Qualität und Verantwortung.“

    Das Meiste ist Mundpropaganda“

    Berlin-Journal: Woher kommen neue Aufträge?

    Micha Langreder: „Ich denke mal, das Meiste ist Mundpropaganda.“

    Berlin-Journal: Was war bislang Ihr schönstes Kompliment von einem Bauherrn?

    Micha Langreder: „Das schönste Lob war bei dem Projekt, über das ich gerade berichtet habe. Dass ich da dem Bauherrn so viel Geld einsparen konnte. Er hat mir gegenüber seine Dankbarkeit geäußert und mir zu verstehen gegeben, dass er mich immer berücksichtigen wird bei weiteren Projekten.“

    Berühmt als Torwand-Schütze im ZDF Sportstudio

    Berlin-Journal: Sie hatten einen Auftritt im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Da haben Sie den neunmaligen deutschen Nationalspieler und damaligen RB Leipzig-Abwehrspieler Marcel Halstenberg im Torwand-Schießen besiegt. War er ein würdiger Gegner?

    Micha Langreder: „Das war auf jeden Fall ein würdiger Gegner. Der hat auch beim Proben alle Bälle reingeschossen. Da hat er mir schon Angst gemacht. Als es aber richtig um die Wurst ging, konnte er keinen Schuss verwandeln. Ich habe gleich meine ersten Bälle reingeschossen und 2:0 gewonnen.“

    Berlin-Journal: Wie verlief Ihre Fußball-Karriere?

    Micha Langreder ist heute Mittelfeld-Spieler mit der Nr. 10 in der Bezirksligamannschaft des SV Vorwärts Hülsen © SV Vorwärts Hülsen
    Micha Langreder ist heute Mittelfeld-Spieler mit der Nr. 10 in der Bezirksligamannschaft des SV Vorwärts Hülsen © SV Vorwärts Hülsen

    Micha Langreder: „Früher wollte ich Fußballprofi werden. Ich bin bei meinem Heimatverein, der Sportvereinigung Erichshagen entdeckt worden, wo ich drei Jahre spielte. Nach einem Probetraining beim SV Werder Bremen wechselte ich zu dem Bundesligisten und spielte in der A-Jugend. Anschließend versuchte ich es in der A-Jugend des VFL Osnabrück, bin dann nach Meppen gewechselt und habe dort in der vierten Liga gespielt. Irgendwann erkannte ich, dass es für ganz oben nicht reichen wird. Acht Jahre trug ich sodann das Trikot als defensiver Mittelfeldspieler beim Landesligisten TSV Etelsen, bevor ich 2023 zum SV Vorwärts Hülsen wechselte.“

    Beim Fußball vergesse ich halt alles.“

    Berlin-Journal: Wie wichtig ist Ihnen der Fußball?

    Micha Langreder: „Mein Arbeitstag beim Brandschutz ist voll. Aber dann brauche ich den Fußball als Ausgleich. Ich habe ja nur zwei Mal die Woche Training und spiele am Wochenende. Das gibt mir den Ausgleich, den ich nach meiner Arbeit brauche. Beim Fußball vergesse ich halt alles.“

    Berlin-Journal: Haben Sie neben dem Fußball noch andere Hobbys?

    Micha Langreder: „Abschalten heißt für mich Abwechslung. In meiner Freizeit schalte ich am besten beim Fußballspielen oder Gucken ab. Ich verbringe aber auch viel Zeit mit Freunden, der Familie und bin generell sehr offen für Neues. Ob Comedy-Shows, Veranstaltungen oder kreative Projekte. Hauptsache, es bringt mich zum Lachen, inspiriert mich oder verbindet mich mit Menschen. Zwischendurch sorgen mein Hund und kleine Auszeiten wie Saunabesuche dafür, dass ich den Kopf frei bekomme.“

    Berlin-Journal: Worauf achten Sie automatisch, wenn Sie ein Gebäude betreten?

    Micha Langreder: „Wenn ich mich länger in einem Gebäude aufhalte, schaue ich vorher, ob die Rettungswege sichergestellt sind. Das ist natürlich das Wichtigste. Ich gucke, ob zwei bauliche Rettungswege wirklich vorhanden sind und ob die Türen immer zugänglich sind. Ich habe auch schon mal erlebt, dass die Tür zu einem Treppenraum abgeschlossen war. S0 wie jetzt wohl auch die Servicetür beim Neujahrsbrand im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen. Das hätte nicht passieren dürfen.“

    Berlin-Journal: Herr Langreder, wir danken für das Interview.

    Beruflicher Werdegang von Brandschützer Micha Langreder

    Micha Langreder studierte zunächst vier Jahre an der Hochschule Bremen und erwarb dort 2019 seinen Bachelor of Science im Bauingenieurwesen, arbeitete ab September 2019 in Vollzeit bei der NIG, qualifizierte sich anschließend bis 2020 an der EIPOS der TU Dresden zum Fachplaner und Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz und hat dann im Oktober 2021 bei der NIG den Staffelstab als Chef von seinem Vater, dem Brandschützer Diplom-Ingenieur Jürgen Langreder aus Nienburg, übernommen, der den Familienbetrieb mit aufgebaut hat.

    Brandschutz-Ingenieur Micha Langreder führt die Geschäfte seitdem gemeinsam mit seinem Cousin, dem Statiker Diplom-Ingenieur Steffen Langreder (44), der ebenfalls in Nienburg lebt und dessen Vater Diplom-Ingenieur Klaus Langreder (81) das Unternehmen ebenfalls mitgegründet hat.

    Zu den Referenzen der NIG gehören neben Alten- und Pflegeheimen in Deutschland auch internationale Industriebauten wie Produktionsanlagen für Volvo in Schweden, Hyundai und Ford in Indien, Saab in Finnland und eine Fischfabrik in Sibirien.

    Weiterführende Links:

    Warum moderner Brandschutz nicht teuer sein muss, erzählte Brandschützer Micha Langreder Ende Januar 2029 im Interview mit Business-Leaders.net.

    Mehr über die NIG Nienburger Ingenieur GmbH – Langreder + Partner lesen Sie in einem Faktencheck vom 4. Januar 2026 auf Scoredex.com.

    AUTOR: Frank Maiwald

    Wie verbindet Micha Langreder Brandschutz mit Wirtschaftlichkeit?

    Er setzt auf gleichwertige Sicherheitsniveaus bei geringeren Kosten. Statt teurer baulicher Maßnahmen nutzt er häufig anlagentechnische Lösungen wie Brandmeldeanlagen, bezieht Bestandsschutz ein und stimmt Konzepte eng mit Prüfern ab. So bleiben die Schutzziele erhalten, während Bauherren spürbar entlastet werden.

    Welche konkreten Einsparpotenziale bietet moderner Brandschutz?

    Durch intelligente Kompensation lassen sich hohe Zusatzkosten vermeiden. Bestehende Bauteile können oft weiter genutzt werden, wenn sie durch Technik sinnvoll ergänzt werden. Zusätzlich ermöglichen optimierte Deckenkonstruktionen Materialeinsparungen von bis zu 25 % und deutlich kürzere Bauzeiten – bei gleicher Sicherheit.

    Wie sieht Micha Langreder die Entwicklung des vorbeugenden Brandschutzes in Deutschland?

    Er bewertet die Entwicklung positiv: Mehr Vorschriften bedeuten zwar mehr Bürokratie, sorgen aber für ein höheres Sicherheitsniveau. Sein Ansatz für die Zukunft: verständlichere Planung, digitale Prozesse und eine engere, effizientere Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Behörden.

     

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