Reportage
„Terroranschläge haben etwas mit dem Islam zu tun“
Nach Ansicht der Berliner Moscheegründerin Seyran Ates haben Terroranschläge wie der in Barcelona durchaus etwas mit dem Islam zu tun. Denn viele der Täter beteten fünfmal täglich und gingen zur Moschee.

Mitte Juni hatte die aus der Türkei stammende Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates in Berlin-Moabit die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee eröffnet. Frauen müssen dort kein Kopftuch tragen und können sogar als Imam tätig sein. Die Räume stellt die evangelische Johanniskirche zur Verfügung.
Allerdings ist die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee nach Ansicht von Religionsbehörden in der Türkei und Ägypten keine richtige Moschee, sondern ein „Angriff auf den Islam“. Und weil die Moschee-Gründerin Seyran Ates zahlreiche Morddrohungen erhalten hat, müssen mehrere Personenschützer sie rund um die Uhr bewachen.
Zudem kommen derzeit weniger Besucher in die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, sagte Seyran Ates bei der Konferenz Sicherheit und Migration des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) und des hessischen Justizministeriums.
Viele hätten Angst vor Bedrohungen über die sozialen Medien, zitiert die WELT die Rechtsanwältin am Freitag in Wiesbaden. Die Vorwürfe gegen Besucher der liberalen Moschee lauteten etwa „Ihr seid keine Muslime“. Zudem gebe es zum Beispiel Fotos von Pistolen mit der Bemerkung „bald“.
Laut Seyran Ates macht es die Kritiker ihrer Moschee „fuchsteufelswild“, dass Frauen und Männer dort gemeinsam beten dürften und dass Frauen auch ohne Kopftuch zugelassen sind. Sie habe schon vor der Gründung gewusst, „dass gewisse Masken fallen werden“, sagte die Rechtsanwältin.
Zu dem Terroranschlag in Barcelona am Donnerstag sagt sie, solche Anschläge hätten durchaus mit dem Islam zu tun. Viele Täter beteten fünfmal täglich und gehörten Moscheegemeinden an. Daher bekämpfe sie einen politisch-ideologischen Islam, auch zusammen mit Konservativen, Orthodoxen, und Fundamentalisten – „so lange sie nicht gewalttätig sind“.


