Reportage
Lehrerin darf kein Kreuz zur Schule tragen
Eine staatliche Schule in Berlin-Wedding hat offenbar eine Lehrerin per Dienstanweisung aufgefordert, ihre Halskette mit dem Kruzifix während der Arbeit abzulegen. Denn damit verstoße sie gegen das Neutralitätsgesetz.

Einer Lehrerin an einer staatlichen Schule in Berlin-Wedding ist untersagt worden, ein christliches Kreuz an einer Halskette zu tragen. So berichtet es ein Pankower Pfarrer, der den Fall nun vor die jüngste Landessynode brachte.
„Die Frau hat mir in einem seelsorgerischen Gespräch auch die schriftliche Dienstanweisung des Schulleiters gezeigt“, sagte Pfarrer Karsten Minkner der Berliner Zeitung. Da es sich um ein seelsorgerisches Gespräch handelte, will er den Namen der Lehrerin und der Schule nicht nennen.
In der Dienstanweisung sei die Lehrerin aufgefordert worden, die Halskette mit dem Kruzifix abzulegen. Begründet habe man dies mit dem Berliner Neutralitätsgesetz, das es Lehrern, Polizisten und Justizbediensteten seit 2005 verbietet, religiöse Symbole im Dienst zu tragen.
Betroffen sind neben dem christlichen Kreuz auch das muslimische Kopftuch und die jüdische Kippa. Allerdings sind Religions-, Privat- und Berufsschullehrer von dem Verbot im Berliner Neutralitätsgesetz ausgenommen.
Vor einem Jahr war eine muslimische einer Lehrerin mit ihrer Klage gegen das Kopftuchverbot gescheitert. Das Arbeitsgericht entschied, dass das Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Berlins allgemeinbildenden Schulen rechtens ist.
In einer persönlichen Erklärung sprach die Muslimin von einem faktischen Berufsverbot. Sie berief sich auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das ein pauschales Kopftuchverbot an Schulen in Nordrhein-Westfalen gekippt hatte.
Doch nicht nur Muslime, sondern auch Christen sind gegen das Berliner Neutralitätsgesetz. Die evangelische Kirche hält die Regelung für verfassungswidrig, sagt Jörg Antoine, Präsident des Evangelischen Konsistoriums.
Auch der Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, setzt sich für die Freiheit ein, das Kreuz zu tragen. Die Spitze der Landeskirche sucht nun den Kontakt zu der betroffenen Lehrerin, um die Vorwürfe zu prüfen.


