Reportage
Deutsche Kirchen verzeichnen 350.000 Austritte
Die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche melden für das letzte Jahr mehr als 350.000 Kirchenaustritte. Zudem sind erneut deutlich mehr Kirchenmitglieder weggestorben, als neue nachgewachsen sind.

Im letzten Jahr verzeichneten die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland erneut einen deutlichen Mitgliederschwund. Laut Bischofskonferenz traten 162.093 Katholiken aus der Katholischen Kirche aus. Die Evangelische Kirche (EKD) meldete rund 190.000 Austritte.
Doch gleichzeitig nahmen die großen Kirchen so viel an Kirchensteuern ein wie nie zuvor. Die Katholische Kirche erhielt 6,146 Milliarden Euro (+0,9 Prozent) und die evangelische 5,454 Milliarden Euro (+1,6 Prozent). Hauptgrund für den Anstieg sind die höheren Einkommen.
Bundesweit gab es 2016 rund 23,6 Millionen Katholiken. Das ist ein Rückgang zum Vorjahr um 0,5 Prozent. Die Zahl der Mitglieder der Evangelischen Kirche sank im letzten Jahr auf 21,9 Millionen. Das ist ein Rückgang zum Vorjahr um etwa 1,5 Prozent.
Die Gottesdienste werden jedoch nur von 2,4 Millionen Katholiken regelmäßig besucht, und die Zahl der kirchlichen Trauungen ist im letzten Jahr um 1,5 Prozent auf nur noch 43.610 zurückgegangen.
So erklären die Kirchen die Kirchenaustritte
Insgesamt gehören heute nur noch 55 Prozent der Menschen in Deutschland einer der beiden großen Kirchen an. Laut dem Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, ist die Abkehr von der Kirche „eine Form der Distanzierung“.
Warum sich so viele Menschen von der Kirche abkehren, weiß der Mann aber offenbar nicht. Denn in der WELT sagt er, es sei nötig, erst die Beweggründe zu verstehen und das Handeln der Kirche „danach kritisch zu überprüfen, um es da wo notwendig auch neu auszurichten“.
Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Hans Langendörfer, sagte: „Wir werden weniger, verlieren aber nicht unsere Aufgabe und unsere Anliegen.“ Immerhin meldet seine Kirche neben den 162.093 Austritten auch 171.500 Taufen und 2.574 Eintritte.
Auch die Evangelische Kirche hebt die positiven Entwicklungen hervor. So ist laut EKD die Verbundenheit der Mitglieder mit ihrer Kirche in den vergangenen Jahren gestiegen. Das kirchliche Leben sei „weitgehend stabil“.
Ursache der schrumpfenden Mitgliederzahlen seien weniger die 190.000 Kirchenaustritte, als vielmehr der demografische Wandel. So starben im letzten Jahr rund 340.000 Protestanten. Das sind deutlich mehr, als durch die 180.000 Taufen und 25.000 Aufnahmen hinzukamen.


