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Reportage

Volker Beck: Deutsche in Migrantenvierteln sollen Arabisch lernen

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Wenn Deutsche in Migrantenvierteln nicht verstehen, was gesprochen wird, können sie ja Arabisch lernen, riet der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck gegenüber n-tv (Foto: youtube/vorum1.de)
Wenn Deutsche in Migrantenvierteln nicht verstehen, was gesprochen wird, können sie ja Arabisch lernen, riet der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck gegenüber n-tv (Foto: youtube/vorum1.de)
Wenn Deutsche in Migrantenvierteln nicht verstehen, was gesprochen wird, können sie ja Arabisch lernen, riet der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck gegenüber n-tv (Foto: youtube/vorum1.de)
Wenn Deutsche in Migrantenvierteln nicht verstehen, was gesprochen wird, können sie ja Arabisch lernen, riet der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck gegenüber n-tv (Foto: youtube/vorum1.de)

Bereits am 19. November 2015 strahlte der rbb eine Spezialausgabe der Abendschau auf Arabisch aus. Und am 16. September 2016 gab es zur Berlin-Wahl am 18. September 2016 einen rbb Sonderbeitrag auf Arabisch.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck rät zu mehr Entspannung, wenn in einem Stadtteil eine Sprache der Zuwanderer vorherrscht. Notfalls müssten die dort lebenden Deutschen diese Sprache lernen, sagte er am vergangenen Freitag (14. Oktober 2016) im Gespräch mit n-tv Moderator Constantin Schreiber.

Constantin Schreiber: „Wie kann man für Migranten Integrationszugänge schaffen, wenn in manchen Stadtteilen inzwischen häufig kein Deutsch gesprochen wird?“

Volker Beck: „Andere Länder gehen damit entspannter um, dass in manchen Vierteln auch mal eine andere Sprache von einer Migrationscommunity gesprochen wird. Also da rate ich doch mal zu einer Fahrt in die Vereinigten Staaten von Amerika. Da finden Sie ihr Chinatown, da finden Sie die Gegenden, wo die Mexikaner wohnen, oder je nachdem, welche Community in der Stadt gerade stark ist. (…) Das ist ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit. Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen. (…) Da, wo es Probleme mit Islamismus und Gewalt gibt, muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben.“

Beck: Arabische Predigten sind ein Stück Heimat

Schreiber: „Wäre es nicht gut, wenn es keine Predigten auf Arabisch oder Türkisch in deutschen Moscheen gibt, sondern auf Deutsch?“

Beck: „Das geht nicht. Wir haben Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland gehabt, seit der Gastarbeitereinwanderung, auf Kroatisch, auf Italienisch, auf Ukrainisch. Selbstverständlich gehört das zur Religionsfreiheit dazu, und es ist auch ein bisschen Heimat, dass man ein Gottesdienstangebot bekommt in der eigenen Sprache!“

Nach einem Sturm der Entrüstung im Netz hat der Grünen-Politiker seine Aussagen auf seiner Facebookseite relativiert und nochmals betont: Deutsche sollten in Migrantenvierteln die vorherrschende Fremdsprache lernen. Also nicht generell. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er von Klicks-orientierten „Verdrehungen im Netz“ und betonte, daß wer in Deutschland leben wolle, Deutsch lernen, verstehen und sprechen müsse: „Niemand muß in Deutschland eine andere Sprache lernen, um Zuwanderer und Flüchtlinge zu verstehen, sondern diese müssen Deutsch lernen.“

Etwas anderes sei es bei Polizei und Sozialarbeitern: „Hier brauchen wir mehr interkulturelle Kompetenz und auch ausreichend Personal mit einschlägigen Sprachkenntnissen.“

Dennoch bleibt sein Satz: „Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen.“

Unterstützung für Becks Arabisch-Lern-Rat bekommt Beck von der Wissenschaft

Angelika Redder ist seit 2003 Professorin für Germanistische Linguistik und Allgemeine Sprachwissenschaft an der UHH Hamburg. Der Zustrom von Flüchtlingen sollte die Deutschen nach Ansicht der Sprachwissenschaftlerin zum Sprachenlernen ermuntern. Das betrifft die Schulen, das Gesundheitswesen und Behörden. Sie sagte im Mai 2016 gegenüber der Welt: „Ich möchte Ihnen drei Felder nennen, in denen Mehrsprachigkeit angeboten werden sollte. Natürlich spielen die Bildungsinstitutionen eine zentrale Rolle, denn die Sprachen der neuen Schüler und Schülerinnen, Studenten und Studentinnen sollten besonders berücksichtigt werden, und zwar auch, um alle Beteiligten ‚denkflexibler‘ zu machen.

Ein anderer Bereich ist die Medizin, das Gesundheitswesen – und dies mit Blick auf das Pflegepersonal und auch die Ärztinnen und Ärzte. Das geschieht übrigens auch schon verstärkt. Der dritte Bereich sind die Behörden, die auch durch ihre Einstellungspolitik dafür sorgen könnten, dass Mehrsprachigkeit zunimmt. In den großen Unternehmen und in den Verkehrsbetrieben wird das schon aus ökonomischen Interessenslagen heraus passieren.“

Die Welt: „Wer sein Unternehmen nicht auf Mehrsprachigkeit ausrichtet, wird langfristig Schwierigkeiten bekommen?“

Professorin Redder: „Das wird für viele Branchen sicherlich ein Erfolgsfaktor sein. Nicht alle Mitarbeiter müssen viele Sprachen können, aber wer sich gar nicht auf diesem Feld bewegt, kann wichtige Geschäftspartner oder Kunden schnell an hier besser vorbereitete Wettbewerber verlieren. Oft hilft auch schon die sogenannte rezeptive Mehrsprachigkeit, das heißt, dass man den anderen zumindest passiv versteht.“

Alle deutschen Schüler sollen Arabisch lernen, forderte auch der Hamburger Informatikprofessor Thomas Strothotte

Seiner Ansicht nach sollten Deutsch und Arabisch für alle Schüler bis zum Abitur verpflichtend sein, wie Berlin Journal im Februar 2016 berichtete. Die Einführung von Arabisch als verpflichtende Schulsprache in Deutschland würde einen Zugang zur arabischen Welt ermöglichen. „Wir würden damit anerkennen, ein Einwanderungsland und eine mehrsprachige Gesellschaft zu sein“, schrieb der Präsident der Hamburger Kühne Logistics University in der Wochenzeitung Die Zeit. Immerhin kann man ja seit kurzem bereits den deutschen Führerschein auf Arabisch machen, wie Berlin Journal berichtete.

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Thomas Breithaupt

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