Reportage
Duisburg Nord: jetzt Hoheitsgebiet dreier Großfamilien (einst Flüchtlinge)

Drei libanesiche Großfamilien teilen sich die Stadtteile Marxloh und Laar in Duisburg Nord auf. Es handelt sich um zwei von sieben Stadtteilen der Ruhrpott-Metropole (rund 488.000 Einwohner).
Das geht aus einem 21seitigen internen Lagebericht der Polizei Duisburg vor, der der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) vorliegt.
Ein achtköpfiger Einsatztrupp Nord hat die kriminellen Strukturen, das öffentliche Auftreten und die Geschäfte der Clans im Duisburger Norden über zwei Jahre ausgewertet.
Zwei Libanesen-Clans beherrschen Marxloh und erkennen keine staatliche Autorität an
Der Ausländeranteil im alten Stahlindustrieviertel Marxloh beträgt fast 50 Prozent (von 19.818 Bewohnern sind 9.847 Ausländer). Nirgendwo sei die Bandenkultur derartig ausgeprägt wie in Marxloh, wo nach den Aufzeichnungen der Polizei zwei Familien den Ton angeben, die staatliche Autorität nicht anerkennen: die Clans Y./S. und Ali K./A. Dazu kämen kleinere Gruppen, die mit Rauschgift handelten und „Personenkreise mit mehr oder weniger persönlichen Beziehungen zum Kreis Hells Angels“. Ein Clan führte im Herbst 2015 „Friedensverhandlungen“ mit einer Gruppe von Duisburger „Hells Angels“.
Je nach Lage und Sachverhalt agierten die Familien gegen- oder miteinander. Teile der Gruppen seien immer auf der Straße anzutreffen. Sie halten sich in der Weseler Straße und den umliegenden Nebenstraßen auf. Auch Am Kirchplatz nahe der Mittelstraße treffen sich die Clans – sie bemühen sich laut BILD angeblich sogar um Kontakt zum örtlichen Pfarrer.
Beide Großfamilien sind laut Polizei-Bericht in der Lage, „durch einen Telefonanruf, kurzfristig, mehrere hundert Personen zu mobilisieren“. Das erkläre auch die großen Menschenansammlungen und Schlägereien. Die Liste der Delikte: registrierte Fälle von Schutzgelderpressung, Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigungen, Diebstahl, Belästigungen von Geschäftsleuten. Mehr als 30 Mitglieder des größeren Clans haben Haftstrafen verbüßt. Wie das ZDF berichtete, sei Marxloh eine No-Go Area, also eine Gefahrenzone. Polizisten hätten Angst, dort Verkehrkontrollen durchzuführen, weil sie sofort von einem wütenden Mob umstellt würden.
Ein dritter Clan betrachtet Teile von Laar als Hoheitsgebiet
Eine dritte Großfamilie betrachtet laut Polizei-Bericht eine Straße in Duisburg-Laar als Eigengebiet. „Vorherrschend treten hier Mitglieder der libanesischen Großfamilie N. und T. in Erscheinung.“ Die Gegend um die Laar-Kirche wird „faktisch als eigenes Hoheitsgebiet angesehen“. Außenstehende werden verprügelt und ausgeraubt. „Straftaten gehören zur ‚Freizeitbeschäftigung‘.“ Die Gruppe sei „in der Nachtzeit immer anzutreffen“.
Zu diesem Clan gehörte auch Mazlum O. (17). Er ist mit seinem Bruder Süphan O. (25) seit dem Sommer letzten Jahres auf der Flucht. Sie sollen ihrer eigenen Mutter Sükran A. (43) in den Bauch geschossen und deren Geliebten Tevrat Y. (29) getötet haben. Ihr Motiv: Ihre Mutter war zu ihrem Geliebten Tevrat Y. (29) gezogen. Die Vermutung der Mordkommission: Die jungen Kurden sahen die Familienehre beschmutzt. Laut BILD vermuten die Fahnder, dass sie sich in die Türkei abgesetzt haben. Dort lebt ihr Vater, er soll vor vielen Jahren als Anhänger der kurdischen PKK abgeschoben worden sein.
NRW-Innenminister schickte eine Einsatzhundertschaft
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger reagierte und kommandierte eine Einsatzhundertschaft zur Verstärkung nach Duisburg ab, die Streifen machten Druck im Viertel. „Eine deutliche Wirkung war erkennbar“, heißt es dazu im Bericht des ET Nord: „Die Personen zogen sich immer stärker zurück und änderten ihre Aufenthaltsorte und Verhaltensweisen teilweise deutlich.“ Doch der Effekt „scheint sich aktuell wieder zu relativieren“, warnen die Polizisten.
In einem internen Polizeibericht vom 13. Juli 2015 der Projektgruppe Triangel heißt es laut ZDF: „Die Rechtspflicht des Staates zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ist in solchen Stadtbezirken langfristig nicht gesichert beziehungsweise akut gefährdet.“
Die Libanesen kamen als Flüchtlinge
WAZ-Redakteur Frank Preuß erinnert daran, wie die Großfamilien nach Deutschland kamen: „Bei den ‚Libanesen‘ handelt es sich oft um ‚Mhallamiye-Kurden‘. Sie lebten als kleine Minderheit in der Türkei und wanderten in den 40er-Jahren in den Libanon aus. Nach Beginn des Bürgerkriegs kamen sie als Flüchtlinge in den 80er-Jahren zu uns.
8.000 Mhallamiy-Kurden in Berlin
In Berlin lebt mit etwa 8.000 Menschen die größte Gemeinde der Mhallamiye-Kurden in Europa. Dazu kommt die Gemeinde in Bremen und Umgebung, zu der etwa 2.600 Menschen zählen, und die in Essen, zu der etwa 2.000 Menschen gehören.“
Arabische Paralleljustiz
Wie Berlin Journal berichtete, verbreiteten arabischsprachige Großfamilien und Clans in einigen Teilen der Hauptstadt wie Neukölln, Wedding, Moabit und Kreuzberg ein „Klima der Angst“ unter den Einwohnern. Die deutsche Justiz hat keinerlei Kontrolle über diese Parallelgesellschaften, die oft die Grenzen zur Organisierten Kriminalität überschreiten.
Zu diesem Schluss kam die Studie „Parallejustiz“ des Islamwissenschaftlers Professor Dr. Mathias Rohe von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, die vom Berliner Senat in Auftrag gegeben worden war und im Dezember vom Berliner Justizsenator Thomas Heilmann vorgestellt wurde.
Am dringendsten, so Heilmann, sei zu verhindern, dass sich aufgrund der vielen Flüchtlinge, die zurzeit nach Berlin kommen, weitere Parallelstrukturen bilden.
Polizei könne nicht gewinnen, „weil wir zu viele sind“
Bei einem Geheimtreffen von Funktionären des libanesichen Vereins „Familien-Union“ (Anlass waren laut Aachener Nachrichten etliche Gewaltexzessen bei Zusammenrottungen libanesischer Clans) teilten die libanesischen Vereinschefs dem Leiter der Gelsenkirchener Polizeiwache Süd, Ralf Feldmann, am 28. Juli 2015 mit: „Die Polizei werde „einen Krieg mit den Libanesen nicht gewinnen, weil wir zu viele sind.“
Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert, hatte letztes Jahr vor zunehmenden „No-go-Areas“ im Ruhrgebiet gewarnt. Ganze Viertel im Revier drohten abzurutschen. Die Politik dürfe diese Probleme nicht weiter verdrängen.


