Berlin Journal

Magazin · Wirtschaft

Reportage

Unions-Politiker fordern die Rente mit 70

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

Teilen: X · E-Mail

Unions-Politiker fordern die Rente mit 70
Die Mathematik ist klar: Wenn das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren bleibt, dann kommen in Zukunft 1,5 Einzahler ins Rentensystem auf einen Rentner. (Foto: Shutterstock)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (73, CDU) und der Chef der Jungen Union Paul Ziemiak (30) fordern eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Die Rente mit 70 ist sicher.

Unions-Politiker fordern die Rente mit 70
Die Mathematik ist klar: Wenn das Renteneintrittsalter bei 67 Jahren bleibt, dann kommen in Zukunft 1,5 Einzahler ins Rentensystem auf einen Rentner. (Foto: Shutterstock)

Am Mittwoch beschloss die Bundesregierung die höchste Rentenerhöhung seit 23 Jahren. Im Westen steigen die Renten ab 1. Juli um 4,25 Prozent, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Die Kosten der Rentenerhöhung für den Steuerzahler liegen bei 12,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland können sich freuen. Doch wie lange kann diese Freude anhalten? Wie lange kann der Staat seine erneut wachsenden Rentenversprechungen noch erfüllen? Denn die Deutschen werden älter und bekommen zudem weniger Kinder, die in die Rentenkasse einzahlen. Die Mathematik ist eindeutig:

Heute müssen 2,7 Einzahler einen Rentner finanzieren. In Zukunft sind es 1,5 Einzahler pro Rentner, berichtet FerryHouse. Bei einem umlagefinanzierten Rentensystem kann das nur heißen, man muss die Rente halbieren oder die Rentenbeiträge verdoppeln oder eine Zwischenlösung finden.

Deutschland gibt einen wachsenden Anteil seiner Steuereinnahmen für Zuschüsse ins Rentensystem aus. Schon heute sind es rund 86 Milliarden Euro pro Jahr, also rund 3 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts (BIP). Ein möglicher Ausweg aus der Kostenexplosion wäre eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters, etwa die Rente mit 70.

Die Rente mit 70 ist unausweichlich

„Um das Rentenniveau künftig nicht so weit absenken zu müssen, dass immer weniger Menschen davon leben können, sollten wir das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln“, zitiert die B.Z. den Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak (30).

Aktuell können Arbeitnehmer mit 65 Jahren und 5 Monaten abschlagsfrei in die Rente gehen. Bis zum Jahr 2029 wird das Eintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Doch das ist nicht genug, um die Folgen des demografischen Wandels abzufedern.

Am Mittwoch sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), man müsse die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung „in einen fast automatischen Zusammenhang“ bringen – auch in der Rentenformel. Mit anderen Worten, wenn die Lebenserwartung steigt, dann muss auch das Renteneintrittsalter steigen.

Erst im Februar haben die Beamten des Bundesfinanzministeriums auf 70 Seiten vorgerechnet, welche Folgen die Alterung der Gesellschaft haben wird. Demnach könnte in einem ungünstigen Szenario der Schuldenstand des deutschen Staates wegen der Rentenzuschüsse bis zum Jahr 2060 „kontinuierlich auf rund 220 Prozent“ des BIP ansteigen.

Die junge Generation ignoriert die Probleme

Indes scheinen die jungen Leute die Realität zu ignorieren. Nicht nur wählen sie Parteien, die ihnen stabile Beiträge, stabile Renten und ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren versprechen – was mathematisch unmöglich ist. Sondern die Generation der zwischen 1980 und 1999 Geborenen investiert auch weniger in die Altersvorsorge.

Laut einer aktuellen Infratest-Studie sparen nur 35 Prozent der jungen Leute regelmäßig fürs Alter. Das sind 3 Prozentpunkte weniger als vor sechs Jahren. Bei den jungen Frauen sank die Sparbereitschaft sogar um 8 Prozentpunkte auf 49 Prozent. In der Studie heißt es:

„Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt. Die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung.“

Beim Sparen interessiere sich die junge Generation mehr für die Gegenwart, sagt Studienleiter Klaus Hurrelmann, etwa für den kommenden Urlaub, die Ausbildung oder das Studium. Mit diesem kurzfristigen Denken riskieren die jungen Leute ihre Zukunft – nicht nur im Hinblick auf die Altersvorsorge.

Comments

comments

Wirtschaft · Altersvorsorge · CDU · Demografischer Wandel · Junge Union · Lebensarbeitszeit · Lebenserwartung · Paul Ziemiak · Rente · Rente mit 70 · Renteneintrittsalter · Rentenerhöhung · Rentenkasse · Rentenreform · Rentner · Wolfgang Schäuble

Weiterlesen

Alle Beiträge →

Newsletter

Berlin und die Wirtschaft in einem Brief

Die wichtigsten Geschichten aus Berlin, Deutschland und der Wirtschaftswelt — kompakt im Postfach.

Jederzeit abbestellbar. Kein Spam.