Reportage
Schläfer in Atomkraftwerken bereit zum Anschlag

Nach den muslimischen Terroranschlägen am Dienstag in Brüssel wurden in Belgien wegen möglicher terroristischer Schläfer zwei Atomkraftwerke teilweise evakuiert. Denn die Terroristen hatten den Leiter des belgischen Entwicklungsprogramms für Kernenergie ausgespäht.
Die Mannschaften der Atomkraftwerke Doel und Tihange, das nur rund 70 Kilometer von Aachen entfernt ist, sowie die Belegschaft des Nuklearzentrums in Mol wurden auf Wochenend-Personalstärke reduziert.
„Die Evakuierung der Atomkraftwerke in Belgien hat gezeigt, wie dramatisch hoch die Bedrohung terroristischer Anschläge inzwischen ist“, sagte Gerd Rosenkranz vom Berliner Expertengremien „Agora Energiewende“ zu FOCUS.
„Während terroristische Anschläge früher so vorbereitet wurden, dass die Attentäter auf jeden Fall entkommen sollten, ist die Lage bei Selbstmordattentätern heute völlig unkalkulierbar geworden. Das ändert alles.“
Behörden fürchten Schläfer in den Atomkraftwerken
In den beiden Atomkraftwerken in Doel und Tihange arbeiten normalerweise jeweils rund 1.000 Menschen. Ihre Teilevakuierung kurz nach den beiden Anschlägen auf Flughafen und U-Bahnstation in Brüssel hat auch den Experten überrascht.
„Ganz offenbar sind sich die Behörden nicht mehr sicher, ob sich in den Reihen der Mitarbeiter der beiden Atomkraftwerke nicht schon längst terroristische Schläfer befinden, die nur darauf warten zuzuschlagen.“
„Die Attentäter haben zwar oft Migrationshintergrund, sind aber meist in Europa aufgewachsen. Sie kennen unsere Kultur und wissen, wie die Menschen hier reagieren. Ein solcher Anschlag würde eine Debatte darüber auslösen, die Atomkraftwerke sofort zu schließen – mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft. “
Terroristen überwachten Atomexperten
Laut belgischen Medienberichten stießen französische und belgische Ermittler bereits nach den Anschlägen in Paris vom 13. November auf eindeutige Hinweise, dass ein Anschlag auf Nuklearanlagen in Belgien geplant wird.
Bei einer Hausdurchsuchung in Brüssel am 30. November letzten Jahren fanden die Ermittler ein Video, auf dem zehn Stunden lang die Wohnung des Leiters des Zentrums für Nuklearenergie in der flämischen Stadt Mol sehen ist. Über längere Zeiträume wurde filmisch dokumentiert, wann der Nuklearexperte seine Wohnung verlässt und betritt.
Die durchsuchte Wohnung in Brüssel gehörte dem mutmaßlichen Terroristen Mohamad Bakkali. Dort wurden auch Munition und ein Sprengstoffgürtel gefunden. Auf dem Gürtel fanden Ermittler DNA-Spuren von Salah Abdeslam, der am vergangenen Freitag in Brüssel festgenommen wurde.
Die Behörden gehen davon aus, dass Salah Abdeslam sowohl für die Terroranschläge am 13. November in Paris als auch für die Selbstmordattentate in Brüssel am 22. März mitverantwortlich ist.
Als „derzeit unwahrscheinlich“ schätzt Gerd Rosenkranz die Gefahr durch Cyber-Angriffe auf Nuklearanlagen ein. Er befürchte aber, dass „uns dieses Problem in Zukunft sicher noch beschäftigen wird“.


