Reportage
Polizei wusste, dass Anis Amri Anschläge plant
Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri plante spätestens seit dem Sommer Anschläge in Deutschland. Dies meldete damals ein V-Mann an das Landeskriminalamt NRW.

Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri (24), nach dem das BKA mit einem Kopfgeld fahndet, plante spätestens seit dem Sommer 2016 Anschläge in Deutschland. Dies soll ein V-Mann schon am 21. Juli 2016 dem Landeskriminalamt (LKA) in Nordrhein-Westfalen berichtet haben.
Demnach hat Anis Amri im kleinen Kreis des Terrornetzwerks um den Prediger Abu Walaa aus Hildesheim wiederholt von seinen Attentatsplänen gesprochen, berichtet FOCUS. Anschließend sei der Tatverdächtige im Sommer endgültig nach Berlin verschwunden. Seine Habe ließ er allerdings bei seinen Brüdern in Hildesheim.
Monate zuvor versuchte das Netzwerk um den inzwischen inhaftierten Web-Imam Abu Walaa vergeblich, Anis Amri nach Syrien zu schleusen. Das Netzwerk soll ein Dutzend junge Muslime zu den Terror-Milizen des Islamischen Staates vermittelt haben.
Laut Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft soll die Gruppierung um Abu Walaa zudem zwei Millionen Euro an die IS-Kämpfer transferiert haben. Das Geld für den Islamischen Staat stammte demnach aus Spenden, Einbrüchen und Betrügereien mit Handyverträgen.

Fingerabdrücke von Anis Amri auf dem Lkw
Laut Berichten des NDR und des WDR haben sich die Fingerabdrücke von Anis Amri an der Tür des Lkw gefunden, der bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche eingesetzt wurde. Die Berliner Zeitung berichtet, es habe auch am Lenkrad Spuren des Tunesiers gegeben.
Die Berliner Polizei sagt, dass die Geldbörse, die auf die Spur von Anis Amri geführt hat, erst am Dienstag auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche entdeckt wurde. Auch die Fahrerkabine des Lkw, wo Ermittler die Duldungspapiere von Anis Amri entdeckten, sei erst nach der Bergung am Dienstag untersucht worden.
Der Grund für die späte Untersuchung der Fahrerkabine ist, dass Kriminaltechniker dort zunächst Personenspürhunde auf den Geruch des Verdächtigen ansetzen wollten. Diese sogenannte „Mantrailer“ werden jahrelang darauf trainiert, dass sie selbst kleine Geruchsspuren von Vermissten noch nach vielen Tagen erkennen.
Die Geruchsspuren in der Fahrerkabine wären verfälscht worden, wenn Ermittler die Kabine vo den Spürhunden betreten hätten, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Erst als die Hunde fertig waren, wurde das Führerhaus näher untersucht. Dabei fand man das Ausweisdokument von Anis Amri.
Was wusste Lutz Bachmann?
Interne Info aus Berliner Polizeiführung:
Täter tunesischer Moslem.
Das der Generalbundesanwalt übernimmt, spricht für die Echtheit.— Lutz Bachmann (@lutzbofficial) December 19, 2016
Doch schon knapp zwei Stunden nach dem Terroranschlag hatte Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann über Twitter mitgeteilt, dass der Täter ein „tunesischer Moslem“ sei. Dies sei eine „interne Info aus Berliner Polizeiführung“.
Die Polizei hat diese Darstellung von Lutz Bachmann zurückgewiesen. „Wir können mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass es am Montag keinen Anhaltspunkt für den tunesischen Verdächtigen gab“, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel.
Doch woher sonst wusste der Pegida-Mann, dass der Täter ein „tunesischer Moslem“ war? Am Donnerstag twitterte Lutz Bachmann: „Liebe Presse, ich gebe es zu, ich hatte natürlich nur meine Glaskugel und keinen Informanten! Und jetzt bitte Ruhe geben, ok?“
Liebe Presse, ich gebe es zu, ich hatte natürlich nur meine Glaskugel und keinen Informanten!
Und jetzt bitte Ruhe geben, ok?— Lutz Bachmann (@lutzbofficial) December 22, 2016


