Reportage
Heß-Gedenkdemo wegen Blockade umgeleitet
Hunderte Menschen haben in Berlin mit einer Demonstration an Rudolf Heß erinnert. Zwar hatte Innensenator Andreas Geisel zuvor gesagt, das Versammlungsrecht gelte „auch für Arschlöcher“. Dennoch gab es eine Blockade.

Am Samstag haben in Berlin-Spandau mehrere hundert Menschen an einer Demonstration zum 30. Todestag des Nationalsozialisten Rudolf Heß teilgenommen, den Adolf Hitler im Jahr 1933 zu seinem Stellvertreter ernannt hatte. An der Spitze der Demo führten sie ein Transparent mit dem Slogan: „Ich bereue nichts. Nationale Sozialisten Berlin.“
Vorab hatte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) dem rbb gesagt, dass ihm ein Verbot der Demonstration „sehr sympathisch“ gewesen wäre. „Wir haben das sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt.“
Auch das Twitter-Team der Berliner Polizei entschuldigte dafür, dass mehr als 1.000 Beamte sich darum bemühten, die Gedenkdemo von den mehr als tausend Gegendemonstranten getrennt zu halten. „Wir haben die Versammlungsfreiheit für alle zu gewährleisten“, hieß es.
Gegen das „Heldengedenken“ für Rudolf Heß
Laut Polizei gab es einzelne Zwischenfällen und Festnahmen. Zudem musste die Gedenkdemo auf Anweisung der Polizei ihre Route ändern. Denn die Gegendemonstranten blockierten den eigentlich geplanten Weg durch die Berliner Innenstadt.
Zu den Gegendemos hatten unter anderem SPD, Grüne, Linkspartei, Kirchen und der DGB aufgerufen. Sie wandten sich aber nicht nur gegen das „Heldengedenken“ für Rudolf Heß, sondern auch allgemein gegen Rassismus und für den Schutz von Migranten und Flüchtlingen.
Für die Heß-Gedenkdemo waren umfangreiche Auflagen erteilt worden, deren Einhaltung laut einem Polizeisprecher fortlaufend geprüft wurde. Die Beamten kontrollierten etwa, ob die Demonstranten verfassungsfeindliche Symbole mit sich trugen.
Mit diesen Kontrollen wollte die Polizei eine Verherrlichung von Rudolf Heß ausschließen, der im Nürnberger Prozess 1946 wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.
Im Jahr 1987 erhängte er sich im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau mit einem Verlängerungskabel. Angehörige sagten jedoch, dass der 93-Jährige kaum noch ohne Hilfe laufen oder die Arme über Schulterhöhe heben konnte. Ein Suizid sei daher unmöglich gewesen.


