Reportage
Neuer BA-Chef will Hartzer in den Job „schubsen“
Der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, sieht es als seine wichtigste Aufgabe, dass es mehr Kontakt zwischen Hartz-IV-Empfänger und Berater gibt. Denn manchmal brauche es einen Schubs, um wieder eine Arbeit aufzunehmen.

Am Samstag übernimmt Detlef Scheele in Nürnberg offiziell sein neues Amt an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit (BA). Er betrachtet es nach eigenen Angaben als seine wichtigste Aufgabe, Bezieher von Hartz-IV-Leistungen mehr Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, als das in den vergangenen Jahren der Fall war.
Die Berater und Vermittler bei der Arbeitsagentur müssten die Arbeitslosen und ihre Familie öfter sehen und auch mal sanften Druck ausüben, sagte Detlef Scheele im Gespräch mit dem SPIEGEL. „Wenn man länger aus dem Job raus ist, braucht es manchmal einen Schubs, um zurückzukommen.“
Versuche hätten gezeigt, dass Hartz-IV-Empfänger deutlich häufiger vermittelt wurden, wenn sie mehr Kontakt zu ihrem Berater hatten. „Eine so verstandene fürsorgliche Belagerung finde ich sinnvoll“, sagte der neue BA-Chef, der erst im Oktober 2015 in deren Vorstand nach Nürnberg gezogen war.
Und wenn alle Bemühungen um eine Arbeit keinen Erfolg bringen, dann sollte nach Ansicht von Detlef Scheele als letztes Mittel der Staat einspringen und die Leute fürs Tätig-Sein bezahlen. „Wir dürfen Eltern nicht zu Hause rumsitzen lassen, weil sie ihrem Nachwuchs vorleben, von Transferleistungen abhängig zu sein.“
Der studierte Gymnasiallehrer für Politik und Sport wollte nicht unterrichten. Stattdessen ging er für die SPD in die Politik. Über Jahre arbeitete er in Hamburg als Chef verschiedener Bildungs- und Beschäftigungsvereine. Dann war er Hamburger Arbeitssenator und Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium.
Die Pläne des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz für ein neues Arbeitslosengeld Q beurteilt Detlef Scheele zurückhaltend. Zwar gebe es „Reformbedarf“ bei der Agenda 2010, so müsse etwa das Hartz-IV-Regelwerk vereinfacht werden. Doch vor einer „Rückabwicklung“ der Agenda 2010 „könnte ich nur warnen“, so der neue BA-Chef.
Man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen, „aber das wirksamste Mittel, die Menschen vor dem Abstieg zu schützen, ist doch, sie in Arbeit zu bringen“. Dies gelte gerade für die 50-Jährigen, die noch 17 Jahre bis zur Rente vor sich haben. „Da würde ich immer sagen: Vermitteln hat Vorrang.“
Martin Schulz hatte vorgeschlagen, die Bezugsdauer des Arbeitslosengelds zu verlängern, wenn die Betroffenen an einer Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen. Nach Ansicht von Detlef Scheele ist Weiterbildung zwar richtig. „Aber die Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit wird immer darin liegen, die Menschen so schnell wie möglich wieder in Arbeit zu bringen.“


