Reportage
NATO-Oberfehlshaber: Putin untergräbt Friedensbemühungen in Syrien

Alle 20 Minuten startet ein russisches Militärflugzeug von der Basis Hmeymim Airfield in Syrien, um syrische Städte wie Aleppo zu bombardieren. Der demokratisch gewählte Russland-Präsident und Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte Wladimir Putin hilft dem syrischen Diktator Baschar al-Assad (bekannt für Fassbomben sowie Folterungen und Massenexekutionen seiner Shabihas) bei seinem Plan, ganz Syrien von den Aufständischen zurückzuerobern. Russland haut drauf, ohne Rücksicht auf die Bewohner.
Die einst blühende Stadt Aleppo ist heute ein Trümmerfeld. Nach Jahren syrischer Fassbomben zerstören russische Bomben den Rest. Die Zivilbevölkerung flüchtet aus den zerbombten Häusern an die türkische Grenze. Der Flüchtlingsstrom überlastet Europa. Putin, dessen Wirtschaft unter dem Embargo wegen des Ukraine-Konflikts und wegen des gesunkenen Ölpreises leidet, kann seinem Volk in den Abendnachrichten Russlands Stärke verkaufen und so von den Alltagssorgen ablenken.

Der Nato-Oberkommandeur US-Viersterne-General Philip M. Breedlove (60) sagte am Rande der dreitätigen Sicherheitskonferenz in München, die gestern zuende ging, der BILD zu Putins Einsatz in Syrien: „Russland führt massive Luftschläge, aber hauptsächlich gegen Oppositionskräfte. Das untergräbt die internationalen Friedensbemühungen und treibt Zehntausende Menschen an die türkische Grenze, was eine verzweifelte humanitäre Lage nur noch verzweifelter werden lässt. Die zunehmenden russischen Aktivitäten in der Luft führen außerdem zu Verletzungen des Nato-Luftraumes und wir haben gesehen, wie gefährlich das ist.“
BILD-Reporterin Karolina Pajdak fragte den Nato-Militärchef: „Sollte es nicht wieder Gespräche mit Putin geben und eine Rückkehr zum Nato-Russland-Rat?“
Breedlove: „Die Nato bemüht sich um eine konstruktive Beziehung zu Russland, aber Russland destabilisiert die europäische Sicherheitsordnung. Die Nato glaubt, dass es wichtig ist, Kanäle für politische Gespräche offenzuhalten, vor allem wenn die Zeiten schwierig sind wie jetzt; dann ist es umso wichtiger, einen politischen Dialog zu führen und offene Kanäle zwischen der Nato und Russland zu lassen. Es gibt auch bilaterale Kontakte zwischen einigen Mitgliedern und Russland auf militärischem Level. Fragen zu diesen Gesprächen müssen Sie den entsprechenden Ländern selbst stellen.“
Können wir Putin trauen?
Breedlove: „Worte und Taten müssen zusammenpassen. Wir wollen eine konstruktive Beziehung zu Russland und es ist nur der Stärke unseres Bündnisses zu verdanken, dass wir in den politischen Dialog eingreifen können. Unglücklicherweise rüttelt Russland weiter an der europäischen Sicherheitsordnung. Um diese Situation zu lindern, haben wir unsere gemeinsame Abwehr verbessert und offene Gesprächskanäle mit Russland behalten.“


