Reportage
Mord an schwangerer Ex-Freundin und Baby
Der abgelehnte Asylbewerber Merwan B. aus Tunesien hat im Sommer seine schwangere Ex-Freundin Julia B. mit acht Messerstichen „abgeschlachtet“, sagt der Staatsanwalt und fordert lebenslang. Mit der Lehrerin starb auch ihr Baby.

Merwan B. hat seine schwangere Ex-Freundin und das gemeinsame ungeborene Kind getötet, nach Ansicht des Staatsanwalts heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Der Gutachter hat den 29-jährigen Tunesier für voll schuldfähig erklärte. Ursprünglich war sein Alter mit 20 Jahren angegeben worden.
„Er ist weder psychisch krank, noch habe er eine Persönlichkeitsstörung“, zitiert die B.Z. aus dem Gutachten. Am Montag gab es vor dem Landgericht Berlin die Plädoyers. Die Anklage fordert lebenslang. Die Verteidigung will einen Freispruch.
Der abgelehnte Asylbewerber Merwan B. und die Gymnasiallehrerin Julia B. hatten sich Ende 2015 Anfang 2016 kennengelernt. Die 35-Jährige verliebte sich in den Tunesier und wollte ihn sogar heiraten. Doch schon bald tauchten ernsthafte Beziehungsprobleme auf.
Als Julia B. schwanger wurde, kam es zum Bruch. Der Angeklagte soll sauer gewesen sein, dass sie ihm ein Kind andreht. Denn er wollte das Kind zunächst nicht. Im Kiez in Schönenberg redete er schlecht über seine Geliebte und trank viel Alkohol.
„Bis er erfuhr, dass das Kind für seinen Aufenthaltsstatus durchaus positiv sein könnte“, sagte der Staatsanwalt. Da war er plötzlich wieder an einer Beziehung mit der Gymnasiallehrerin interessiert. Doch die hatte ihn längst rausgeschmissen.
„Er wollte diese Trennung nicht mehr akzeptieren. Und er wollte Julia B. umbringen, weil er es nicht ertragen konnte, dass sie mit seinem Kind hier lebte und er abgeschoben wird“, sagte der Staatsanwalt. Darin sieht er auch das Motiv für die Tat.
Der Tunesier habe der Ex-Geliebten und Mutter seines ungeborenen Kindes am Morgen des 10. Juni 2016 vor ihrer Tür im vierten Stockwerk aufgelauert. Als sie die Tür öffnete und zur Arbeit gehen wollte, habe er auf die völlig überraschte und arglose Frau mit einem Messer eingestochen.
Julia B. habe geschrien und sich gewehrt. Doch sie habe nicht mal die Zeit gehabt, ihre Handtasche vom Arm zu streifen, so der Staatsanwalt. „Letztlich hatte sie gegen den Überraschungsangriff keine Chance.“ Achtmal stach der Tunesier auf sie ein. Sie und das ungeborene Kind starben noch vor Ort an ihrem Verbluten.
Der Angeklagte hatte im Prozess behauptet, er habe ihr das Messer als „Symbol des Friedens“ entgegengehalten. Weil sie aber sofort losschrie, habe er Panik bekommen. In dem anschließenden Gerangel sei es dann passiert, dass er mit Messer achtmal auf sie einstach. Dann floh er.
Zu dieser Geschichte sagte der Staatsanwalt: „Das ist durch seine eigene Aussage vor der Polizei und vom Spurenbild am Tatort widerlegt. Es hat kein Gerangel gegeben. Er hat sein Opfer, wie von Anfang an geplant, mit absolutem Vernichtungswillen erstochen.“
Der Staatsanwalt spricht von einem „Abschlachten“. Merwan B. habe sich des Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen schuldig gemacht. Der Strafantrag lautet auf lebenslange Freiheitsstrafe und besondere Schwere der Schuld. Damit könnte der Angeklagte auch nach 15 Jahren nicht mit einer Entlassung auf Bewährung rechnen.
Die Verteidigung beantragte dagegen Freispruch. Sie argumentiert, dass der Angeklagte die Grenzen der Notwehr überschritten haben, Weil er im Ringen um das Messer Angst um sein Leben gehabt habe. Das Urteil soll am Donnerstag fallen.


