Reportage
Ohne Frankreich ist die EU am Ende
Wenn Marine Le Pen die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnt und ihr Land aus der EU herausführt, so sollte auch Deutschland austreten, sagt Ex-Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier. Ein Fortbestand der EU hätte dann politisch keinen Sinn.

Wenn nach Großbritannien auch Frankreich aus der EU austritt, so sollte nach Ansicht des früheren Richters am Bundesverfassungsgericht Hans-Jürgen Papier auch Deutschland die Union verlassen.
„Ich kann mir einen Verbleib Deutschlands in einer Europäischen Union, der auch Frankreich nicht mehr angehört, nicht recht vorstellen“, zitiert Focus den Ex-Verfassungsrichter. Denn in diesem Fall stünde Deutschland in der EU politisch allein.
Deutschland und Frankreich seien essentiell für den Fortbestand dieser Gemeinschaft. Sollte Marine Le Pen, die Kandidatin des Front National, im Mai zur französischen Präsidentin gewählt werden, „besteht wohl die Gefahr, dass Europa auseinanderbricht“, so Hans-Jürgen Papier.
Ein Austritt Frankreichs, den Marine Le Pen propagiert, wäre in meinen Augen der Anfang vom Ende der Europäischen Union. Der Fortbestand einer Rumpf-Union würde politisch keinen Sinn ergeben.
Marine Le Pen wird voraussichtlich die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen erreichen. Doch bei der Stichwahl im Mai wird sie laut Umfragen gegen den früheren französischen Wirtschaftsminister und Rothschild-Banker Emmanuel Macron knapp scheitern.
Zu den Zielen des Front National gehört eine Volksabstimmung über einen möglichen EU-Austritt. Zudem stellt Marine Le Pen auch die Nato-Mitgliedschaft ihres Landes infrage. Sie will mehr für die Verteidigung ausgeben, die Wehrpflicht wiedereinführen und wieder eine eigene französischen Währung einführen.


