Reportage
Berlin ist bereit für neue Migrationswelle
Der rot-rot-grüne Senat ist auf eine neue Migrationswelle besser vorbereitet als im Jahr 2015. Berlin könnte drei Wochen lang jeden Tag 500 Flüchtlinge aufnehmen, sagt die zuständige Senatorin Elke Breitenbach.

Zuletzt sind pro Monat rund 700 neue Asylbewerber in Berlin angekommen. Doch voraussichtlich werden es bald mehr. Denn jeden Tag erreichen Hunderte neue Migranten Italien. Seit Jahresanfang kamen mehr als 100.000 allein per Boot. Sie kommen fast ausschließlich aus Nigeria, Guinea oder Eritrea.
Im Sommer 2015 war Berlin mit der großen Migrationswelle stark überfordert. Vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) warteten Hunderte Migranten auf Termine. Flüchtlinge campierten in Parks und lieferten sich Massenschlägereien. Ehrenamtliche vom Verein „Moabit hilft“ verteilten Wasserflaschen, suchten Unterkünfte und halfen beim Papierkram.
Doch offenbar ist der rot-rot-grüne Berliner Senat auf eine neue Migrationswelle besser vorbereitet. „Kämen heute 500 Flüchtlinge an, könnten wir sie sofort unterbringen, und das Gleiche am nächsten Tag, ja drei Wochen lang“, zitiert der Tagesspiegel Elke Breitenbach (Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales.
In den Bundesministerien rechnen erfahrene Beamte für das laufende Jahr allein wegen des Familiennachzugs mit fast 500.000 Migranten. Nach aktueller Gesetzeslage müsste Berlin fünf Prozent davon unterbringen. Somit kommen dieses Jahr allein durch den Familiennachzug 25.000 neue Migranten nach Berlin.
In der Vergangenheit sind stets mehr Migranten nach Berlin gekommen als gesetzlich vorgesehen. Denn viele der Nachzügler haben in der Hauptstadt Verwandte, andere leben einfach lieber in einer Metropole als in einer Kleinstadt oder auf das Dorf, in das sie von Amts wegen geschickt werden.


