Reportage
Geschichte über den Tod eines Asylanten war ausgedacht

Der Flüchtlingshelfer Dirk V. hat den Tod eines Asylanten in Berlin offensichtlich frei erfunden. Das teilte die Polizei am Mittwochabend mit. Nach der Lügengeschichte des Fluchthelfers war in der Nacht zum Mittwoch ein Asylbewerber in einem Krankenhaus verstorben, nachdem er lange am Lageso hatte anstehen müssen.
„Es gibt keinen toten syrischen Flüchtling“, hieß es in Senatskreisen bereits am Mittwochnachmittag. Man könne ausschließe, dass ein syrischer Flüchtling in einem Rettungswagen oder in einem Krankenhaus gestorben ist.
Der Flüchtlingshelfer Dirk V. hatte sich zuvor in seiner Wohnung versteckt und war auch für das Netzwerk „Moabit hilft“ nicht erreichbar. „Er hat sich in seiner Wohnung eingesperrt und öffnet die Tür nicht“, zitiert der Tagesspiegel die Helfer. „Wir stehen hinter ihm“, sagten die Ehrenamtlichen am Nachmittag. Sie glaubten nicht, dass die Geschichte erfunden ist.
Die Geschichte vom Tod eines Asylanten
Am Mittwochmorgen hatte eine Sprecherin von „Moabit hilft“ das Geschehen so geschildert: „Wir kannten den jungen Mann seit Wochen. Er hatte kein Geld für Essen, stand immer an vor dem Lageso, hat dort übernachtet.“ In den vergangenen Tagen habe er „ausgezehrt“ ausgesehen, „er wurde krank“.
Ein Helfer habe ihn zu sich nach Hause mitgenommen und mit Essen versorgt, so die Sprecherin weiter. Dort habe er in der Nacht plötzlich „gestöhnt, geächzt, sich komisch benommen“. Daraufhin habe man einen Rettungswagen alarmiert. Dort hätten die Ärzte einen Herzstillstand diagnostiziert.
Am Mittwochvormittag hatten dann Helfer vor dem Lageso Kerzen aufgestellt. Sie trugen schwarze Trauerarmbänder.
Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) sagte, sie sei „unendlich traurig“. Ramona Pop von den Grünen forderte sogar den Rücktritt von Sozialsenator Mario Czaja (CDU), wenn der Fall stimmt. Der sei zwar nicht schuldig, aber verantwortlich. Die Grünen hätten es kommen sehen.
Am Abend sagte dann die Polizei, dass die ganze Geschichte frei erfunden ist, nachdem sie den Flüchtlingshelfer Dirk V. in dessen Wohnung befragt hatte. Über die Hintergründe der Lügengeschichte gab es keine Informationen. Strafrechtlich wird der Mann derzeit nicht verfolgt.


