Reportage
So „hetzt“ ein Schwuler gegen Homo-Adoptionsrecht
In der FAZ hat ein schwuler Psychologe das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare scharf kritisiert. Daraufhin wird ihm nun „Hass“ und „Hetze“ vorgeworfen. Muss Heiko Maas einschreiten? Urteilen Sie selbst!

Am Freitag erschien auf Seite 10 der FAZ ein Gastbeitrag eines Psychologen mit dem Pseudonym Johannes Gabriel zur Homo-Ehe. Darin argumentiert er, der selbst schwul ist, gegen die Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Vor allem spricht er sich gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle aus.
Der zu erwartende Shit-Storm ließ nicht auf sich warten. Beispielhaft ist ein Artikel in der taz. Dort spricht man von einem „homophoben Kommentar“ (eines Schwulen!) und von „abwegiger Hetze“. Die FAZ sei ein „reaktionäres Blatt“, weil es einen „Hetzer“ veröffentlicht habe. Auch bei Twitter lauten die Vorwürfe „Hass“ und „Hetze“.
Bemerkenswerterweise sind „Hass“ und „Hetze“ nun aber genau das, was man künftig durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz verhindern will, das am Freitag im Deutschen Bundestag direkt im Anschluss an die Homo-Ehe verabschiedet wurde.
Das Gesetz war von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) eingebracht worden und mit wurde mit den Stimmen der großen Koalition verabschiedet. Es verpflichtet die sozialen Netzwerke dazu, „offensichtlich strafbare“ Inhalte innerhalb von 24 Stunden zu löschen.
Auch Inhalte, deren Strafbarkeit weniger offensichtlich ist, müssen „in der Regel“ innerhalb von sieben Tagen gelöscht oder gesperrt werden. Ob etwas „strafbar“ ist oder nicht, darüber müssen künftig die sozialen Netzwerke entscheiden. Bisher ist diese Frage in Deutschland von Gerichten entschieden worden.
Doch um der Justiz die Arbeit zu erleichtern, müssen die sozialen Netzwerke den Nutzern künftig ein leicht erkennbares und ständig verfügbares Beschwerdesystem zur Verfügung stellen. Dort können sie dann „Hass“ und „Hetze“ melden.
Artikel über die Homo-Ehe, wie der in der FAZ, würden womöglich verschwinden. Stein des Anstoßes sind dabei vor allem diese Zitate, in denen der Autor das am Freitag beschlossene Adoptionsrecht für Homosexuelle verurteilt:
Was ist das überhaupt für ein „Kinderwunsch“? Wird euch das Kind nicht zur Ware narzisstischer Selbstbefriedigung? Oder eine soziale Verkleidung, hinter der wir uns nun wieder verstecken sollen? – Kinder kriegen – wie denn? Mit der Post aus der Gebär- und Besamungsmaschine? Ein bloßes „Ding“, ein „Bio-Ding“, wie eine Plastikpuppe, um daran Hetero-Papa-Mama zu spielen?
Habt Ihr noch Anstand, Charakter und Ethos im Leib? Oder meint ihr, das Unrecht, das uns widerfahren ist, gäbe uns nun das Recht, es ins Unrecht an anderen: eben den Kindern – umzukehren? Ist das nicht ein schändlicher „Wiedergutmachungskitsch“?
Hat denn das Kind , und das heißt jeder Mensch, nicht das Recht und vor allem die Sehnsucht, unter den emotionalen Bedingungen seiner heterogeschlechtlichen Erzeuger aufzuwachsen?
Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt, und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei, weil die sexuelle Outsider-Rolle eine habituelle Freizügigkeit erotischer Binnenverhältnisse ohne alle sexual-ethischen Normen ausgebildet habe? […]
Wer von uns – von allen emotionalen Problemen mit unseren Eltern abgesehen – würde sich denn wirklich wünschen, außerhalb der Geschlechterdifferenz aufgewachsen zu sein? Mit nur gleichgeschlechtlichen Eltern, seien sie nun von unserem eigenen oder dem anderen Geschlecht? […] Und das wollt ihr nun den anderen Menschen: jenen Kindern, die ihr adoptieren wollt – wegnehmen?
Und wozu? – Um eure verinnerlichten Komplexe nicht reproduktiver Sexualität mit „Familie spielen“ zu kompensieren? Ist es nicht ein Verrat an just der Vielfalt des menschlichen Eros, für die ihr zu stehen vorgebt? Und dazu wollt ihr unschuldiges Kindesleben missbrauchen? Besinnt euch! […]
Die Homo-Ehe ist kein weltpolitisches Zentralproblem, wie die sich uns anbiedernden Parteien jetzt – vor der Bundestagswahl – weismachen wollen. Besinnen wir uns – denn auch wir stehen in ethischer Verantwortung! Jenseits der Libido! […]
Ich weiß nur zu gut, wie schwierig das sachliche Argumentieren dieser Angelegenheit in der gay-community ist – wer etwas anderes meint, wird gleich als „Verräter“ gebrandmarkt. Aber wir sollten auch noch etwas anderes sein als ein Libido-Club – politisch verantwortliche Bürger.
Die Grünen fanden das Sex mit Kindern in den siebziger Jahren eine tolle Sache – jetzt lecken sie sich reumütig die Wunden: aber der Schaden ist unwiederbringlich da. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind schon voll genug – machen wir uns nicht mitschuldig an der folgenden Generation!
Es ist auch unsere Verantwortung. Deshalb noch einmal: Besinnen wir uns – was ist sinnvoll und gerechtfertigt und was nicht? Denn der Mensch, das menschliche Leben ist kein Spielzeug!


