Reportage
Mehr Türken beantragen in Deutschland Asyl
Die Zahl der Türken, die in Deutschland Asyl beantragen, steigt. Und mehr als jeder fünfte wird anerkannt. Die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen fordert daher ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.

Die Zahl der Türken, die in Deutschland Asyl beantragen wollen, ist wieder gestiegen. Zuletzt wurden im Schnitt mehr als 500 türkische Asylbewerber pro Monat registriert. Die folgenden Zahlen gehen aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage der Linksfraktion hervor:
- Juli: 620 türkische Asylbewerber
- Juni: 433 türkische Asylbewerber
- Mai: 498 türkische Asylbewerber
Und tatsächlich erhalten seit der türkischen Verfassungsreform im April viele Türken in Deutschland Asyl. Im Juli lag der Anteil der Anerkennung bei 22 Prozent, heißt es in der Antwort des Innenministeriums. Im März, also vor dem Verfassungsreferendum, hatte die Schutzquote nur bei 8,7 Prozent gelegen.
Nach Ansicht der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen zeigt die anhaltend hohe Zahl von anerkannten türkischen Asylanten etwas über die Türkei aus. Das Land habe „die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Achtung der Menschenwürde längst über Bord geworfen“, zitiert sie die WELT.
Bereits nach dem Putschversuch in der Türkei im Sommer 2016 war die Zahl der Türken, die in Deutschland Asyl beantragen, deutlich gestiegen. Sevim Dagdelen forderte in diesem Zusammenhang nun auch einen Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.
Allein vor dem Hintergrund dieser hohen Asylzahlen verbieten sich weitere EU-Beitrittsverhandlungen und damit verbunden die jährlichen 630 Millionen Euro Vorbeitrittshilfen. Diese Farce sollte endlich beendet werden.
Erdogan hat bereits davon abgeraten, CDU, SPD oder die Grünen zu wählen. Möglicherweise wird der türkische Präsident seinen Landsleuten nun auch davon abraten, die Linke zu wählen. Unklar ist, wen die Türken in Deutschland dann wählen sollen. Doch auch insgesamt ist knapp die Hälfte der Wähler noch unentschlossen – so viel wie nie zuvor.


