Reportage
Tipps zum Hausbau: Wie finde ich die besten Bauträger in Deutschland?

Die Kaufpreise für Immobilien in der Berliner Innenstadt steigen seit Jahren rasant. Deshalb drängt es immer mehr Käufer in den Speckgürtel der Stadt. Denn noch immer gilt: Das Eigenheim ist der Deutschen liebste Altersvorsorge. Rund 90 Prozent aller Bauherren von Einfamilienhäusern setzen auf schlüsselfertige Häuser. Doch wie findet man die besten und seriösesten Bauträger?
Bauträger sind Gesellschaften, die Grundstücke kaufen und entwickeln. Während der Bauphase tritt der Bauträger als Bauherr auf und kümmert sich um alle Formalitäten, die Kommunikation mit den Baubehörden sowie den gesamten Bauablauf. Zudem ist der Bauträger für die Vergabe sämtlicher Gewerke verantwortlich. Kunden die sich für den Kauf eines Objektes bei einem Bauträger entscheiden, sind rechtlich stark mit einem Käufer zu vergleichen, der bereits während der Bauzeit vertraglich vereinbarte Abschlagszahlungen leistet.
Ein wichtiger Vorteil von Bauträgermodellen ist für den Kunden, dass er sich während der Bauphase quasi um nichts zu kümmern braucht, da der Bauträger gegenüber Behörden und Bauunternehmen als Bauherr auftritt und sämtliche Bauherrenpflichten übernimmt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Bauträger häufig an Grundstücke herankommen, die für private Käufer nicht erwerbbar wären. Zudem können etablierte Anbieter oft bei der Finanzierung des Bauprojekts helfen, beispielsweise durch Vorteilskonditionen bei der Kreditfinanzierung durch Banken.
Experten raten bei der Auswahl eines Bauträgers dazu, nicht nur auf den Preis, sondern vor allem auf die Seriosität des Anbieters zu achten.
Ein erster Anhaltspunkt hierfür ist die Bonität des Anbieters, die sich über Wirtschaftsauskunfteien, beispielsweise Creditreform oder Bürgel prüfen lässt. Alternativ können auch Seriositätsprüfungen verwendet werden, wie sie die Scoredex GmbH aus Zürich anbietet.
Die Überprüfung der Bonität vor Vertragsabschluss ist deshalb so wichtig, weil in der Insolvenz eines Bauträgers das höchste Risiko für die Kunden liegt. Im Insolvenzfall sind häufig alle bisher geleisteten Zahlungen der Kunden verloren und Bauunternehmen, die gescheiterte Bauträgerprojekte übernehmen, lassen sich die Fertigstellung gerne teuer bezahlen.
Zudem sollte stets die Historie des Bauträgers überprüft werden. Die wichtigsten Fragen, die sich Interessenten an einem Bauträgermodell stellen sollten, lauten: Wie lange ist der Anbieter am Markt und wie lange und erfolgreich ist der Bauträger im Baubereich tätig?
Neben der Überprüfung der Bonität eines Bauträgers raten Experten grundsätzlich dazu sich persönlich von der Qualität der Arbeit des Bauträgers zu überzeugen. Interessenten sollten bereits fertiggestellte Bauten besichtigen und das Gespräch mit ehemaligen Kunden suchen. Seriöse Anbieter schrecken nicht davor zurück, Referenzen zu nennen.
Als gutes Zeichen sind Fertigstellungsbürgschaften von Banken zu werten, wenn diese das gesetzliche Minimum von fünf Prozent der Baukosten überschreiten. Experten halten eher 30 bis 40 Prozent für angemessen, auch wenn dies den Kaufpreis eines Objektes erhöht.
Neben der Fertigstellungsbürgschaft sollte zusätzlich eine Gewährleistungsbürgschaft über fünf Prozent der Bausumme vorliegen, falls der Bauträger innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungspflicht Insolvenz anmelden muss.
Das dritte Versicherungsstandbein ist eine Bauherrenhaftpflichtversicherung, die der Bauträger zwingend abgeschlossen haben muss.
Nachdem ein Bauträger ausgewählt ist, droht der nächste Fallstrick: der Bauvertrag.
Häufig sind diese Verträge schwammig formuliert, intransparent und im Bezug auf den Leistungsumfang und die Beschreibung der Baukonstruktion nicht ausreichend ausformuliert. Insbesondere, wenn dem Bauträger viel Freiraum bei der Auswahl von Materialien und Bauweise gelassen wird, ist Vorsicht angebracht.
Um bösen Überraschungen vorzubeugen, sollte in jedem Fall ein Sachverständiger oder spezialisierter Rechtsanwalt mit der Überprüfung und Überarbeitung der Verträge eingeschaltet werden.
Vor allem muss der Bauvertrag detaillierte Regelungen zu Formalien, wie Baugenehmigungen, Teilungserklärungen und Lastenfreistellungen beinhalten. Zudem sollten Leistungen, eingesetzte Materialien, Fristen und der Zahlungsplan eng umrissen werden. Die Kosten für eine professionelle Prüfung belaufen sich auf rund 600 Euro.
Grundsätzlich sollten Kunden von Bauträgern hohe Abschlagszahlungen vermeiden, die vor allem von unseriösen Anbietern verlangt werden. Bis zur Hausübergabe sollten maximal 95 Prozent der anfallenden Summe nach einem vorher festgelegten Zahlungsplan geleitstet werden.
Und auch während der Bauphase empfiehlt es sich einen Bausachverständigen zu engagieren, der den Bau vom ersten Spatenstich, bis zur Endabnahme begleitet. Der Preis hierfür beträgt etwa 1.800 Euro. Eine lohnende Investition, damit der Traum vom Eigenheim nicht zum Albtraum wird.


