Reportage
Thesen zur Stärke der AfD in Ostdeutschland
Nach Ansicht des Chefs der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, haben viele Ostdeutsche die Wende nicht verkraftet. Daher lehnen sie Bundeskanzlerin Angela Merkel ab und wählen die AfD.

In den drei am Freitag veröffentlichten Umfragen zur Bundestagswahl von Emnid, Forsa und INSA liegt die AfD zwischen 11 und 13 Prozent. Damit liegt sie überall auf dem dritten Platz hinter den Unionsparteien und der SPD. Am besten liegt sie bei INSA.
- CDU/CSU 34 Prozent (-2 zur Vorwoche)
- SPD 21 Prozent (-1)
- AfD 13 Prozent (+2)
- Die Linke 11 Prozent (0)
- FDP 9 Prozent (0)
- Grüne 8 Prozent (+1)
- Sonstige 4 Prozent (0)
Vor allem die Stärke der AfD in Ostdeutschland beunruhigt den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger. Den Grund dafür sieht er darin, dass die Wende dort bewältigt worden ist.
Thomas Krüger zur Stärke der AfD in Ostdeutschland
„Viele Menschen, insbesondere der ,Erlebensgenerationen‘ der DDR, haben den tiefen Bruch 1989/90 und in den Folgejahren bis heute nicht verkraftet“, zitiert ihn, der selbst Ostdeutscher ist, die Berliner Zeitung. Und weiter:
Es sind neue Risse in der Gesellschaft entstanden. Die Erfahrungen von Gemeinschaft werden immer weniger gemacht, obwohl sich die Menschen danach sehnen. Das löst Ängste und Wut aus.
Nach Ansicht von Thomas Krüger wird die deutsche Vereinigung heute zu Recht als große Erfolgsgeschichte erzählt. „Aber viele sind im neoliberalen Transformationsprozess aus der Bahn geraten. Und es waren meist jene, die schon in der DDR nicht zu den Oberen gehörten.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel wirke „in einer solchen Gemengelage geradezu als Negativfolie“. Denn sie sei die Repräsentantin des politischen Systems und in den Augen der Ostdeutschen eine, die es geschafft hat.
Wolfgang Schäuble hatte die Ablehnung gegenüber der Politik von Angela Merkel mit der „Verbitterung“ vieler Ostdeutscher erklärt. In diese Verbitterung hätten sich die Menschen entweder selbst hineingeredet oder sie seien von anderen hineingeredet worden.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hingegen erklärt die Ablehnung der Merkelschen Migrationspolitik und die Stärke der AfD in den neuen Ländern mit der „Veränderungsmüdigkeit“ der Ostdeutschen erklärt. Viele dort wollten die „neue Welt“ verhindern.


