Reportage
Sollen Polizistinnen einen Hidschab tragen dürfen?
Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz hat gefordert, dass Polizistinnen einen Hidschab tragen dürfen. Diese islamische Kopfbedeckung verhüllt Haare und Nacken, nicht aber das Gesicht.
„Wird Zeit, dass die deutsche Polizei das auch macht“, kommentierte in der vergangenen Woche der CDU-Politiker Ruprecht Polenz einen Bericht aus Schottland. Dort dürfen Polizistinnen künftig auch einen Hidschab tragen dürfen. Diese traditionelle islamische Kopfbedeckung verhüllt zwar die Haare und den Nacken der Frau. Doch das Gesicht bleibt frei.
Ruprecht Polenz sagte außerdem: „Das UK hat mit Muslimen mehr Erfahrung als Deutschland. Und Schottland macht um das Kopftuch offensichtlich weit weniger Gewese als wir. Aber gegen Bilder im Kopf kommt die Praxis nicht an.“
Die schottische Polizei will den Hidschab als Teil ihrer Uniform einführen, um mehr muslimische Frauen für den Polizeidienst zu gewinnen. Denn Muslime sind in der schottischen Polizei noch unterpräsentiert.
Laut Zahlen aus dem letzten Jahr waren unter den insgesamt 17.000 Beamten der schottischen Polizei nur 175 Beamte, die als schwarz, asiatisch oder als ethnische Minderheit gelten. Die Liberaldemokraten nannten die Zahlen „entsetzlich“ und forderten umgehendes Handeln.
Schottland erschafft speziellen Polizei-Hidschab
„Die schottische Polizei wird mit den Gemeinden zusammenarbeiten, um unterrepräsentierte Gruppen zu ermutigen, eine Laufbahn bei der Polizei in Betracht zu ziehen“, zitiert The Scotsman den Personalchef der schottischen Polizei.
Dazu gehöre es, unnötige Barrieren abzubauen, darunter Vorschriften im Hinblick auf die Polizeiuniform. Der Hidschab werde bereits von vielen Polizistinnen in England und in der ganzen Welt getragen. Die schottische Polizei wolle diesen guten Brauch nun nachmachen.
Bisher müssen muslimische Polizistinnen ihren Vorgesetzten fragen, wenn sie im Dienst ein Kopftuch tragen wollen. Für den neu entworfenen Hidschab-Standard der schottischen Polizei wird ein solcher Antrag nicht mehr nötig sein.

Gewerkschaften sind für Hidschab im Dienst
Fahad Bashir ist Chef der schottischen Polizeigewerkschaft für Muslime SPMA. Seiner Ansicht nach ist die Einführung des Polizei-Hidschabs in Schottland ein „Schritt in die richtige Richtung“. Es sei produktiv von der schottischen Polizei, die Organisation „inklusiv“ zu gestalten.
Doch auch die normale Gewerkschaft begrüßt die Einführung des Hidschab. „Alles, was die Vielfalt im Dienst erhöhen kann, muss willkommen geheißen werden, und ich sehe nicht, warum jemand ein Problem damit haben sollte“, sagt Brian Docherty, Chef der schottischen Polizeigewerkschaft.
Ganz ähnlich argumentiert auch der CDU-Mann Ruprecht Polenz:
„Auf das Grundgesetz verpflichtet und polizeilich ausgebildet zeigen sie augenfällig, dass auch gläubige Musliminnen einen Männerberuf im Kernbereich staatlicher Souveränität ausüben können. Weil Sie auch einen männlichen Glaubensgenossen festnehmen können, wird aufs Schönste demonstriert, welches Recht in Deutschland gilt.“


