Reportage
Nato verärgert, weil Spanien russische Schiffe betanken will
Spanien wollte mehrere russische Kriegsschiffe betanken, die auf dem Weg nach Syrien sind. Darüber sind Nato und EU verärgert. Denn sie werfen Russland Kriegsverbrechen gegen Zivilisten vor.

UPDATE: Russland hat seine Anfrage zurückgezogen, drei seiner Kriegsschiffe im Hafen von Ceuta zu betanken. Dies berichten spanische Medien. Unklar ist, ob es sich um eine vorsorgliche Maßnahme handelt, um einer Zurückweisung durch Spanien zuvorzukommen.
Nato-Beamte und EU-Politiker sind verärgert über eine Entscheidung Spaniens. Denn das Land wollte am Mittwochvormittag mehreren russischen Kriegsschiffen gestatten, in der spanischen Exklave Ceuta aufzutanken. Diese liegt an der nordafrikanischen Küste, 20 Kilometer vom südlichsten Zipfel des spanischen Festlands entfernt.
Die Flotte mit acht Kriegsschiffen, darunter der einzige russische Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“, soll den Kampf des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen Terroristen unterstützen. Auf dem Flugzeugträger sind 15 Kampfbomber vom Typ MiG-29 und Su 33 stationiert.
EU und Nato empört über Spanien
Der belgische Ex-Premier und führende EU-Politiker Guy Verhofstadt nannte Spaniens Entscheidung, die acht russischen Kriegsschiffe zu betanken, „skandalös“. Gerade habe die spanische Regierung eine Erklärung des EU-Rats unterzeichnet, worin Russland Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in Aleppo vorgeworfen werden.
Das Nato-Mitglied Spanien unterstütze eine Flotte, die das Ziel verfolge, „Aleppo auszuradieren und EU- und Nato-Truppen zu belästigen“, so Guy Verhofstadt. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat davor gewarnt, dass Russland mithilfe der Flotte die Luftangriffe auf Aleppo intensivieren könnte und noch mehr Zivilisten sterben müssten.

Russische Kriegsschiffe regelmäßig in Ceuta
Zwar gehört die Exklave Ceuta zu Spanien. Doch ihr Nato-Status ist unklar. Seit dem Jahr 2011 haben mindestens 60 russische Kriegsschiffe in Ceuta angelegt, um zu tanken und Vorräte aufzufüllen. Es ist ein Riesengeschäft für die spanische Exklave. Allerdings gibt es deswegen in der Europäischen Union schon seit Monaten Streit.
Wegen der massiven Nato-Kritik erwägt Spanien nun einen Rückzieher. Spaniens Verteidigungsminister Pedro Morenés sagte, dass Spanien als Nato-Mitglied entsprechend der Prinzipien der Militärallianz handeln wird. Madrid werde nichts tun, was die Beziehungen belasten könnte, zitieren ihn spanische Medien.


