Reportage
Bundesregierung will Erdgas-Verbot beschließen
Am Mittwoch verabschiedet die Bundesregierung voraussichtlich den Klimaschutzplan 2050. Heizungs-, Bio- und Erdgasunternehmen warnen vor dem darin festgeschriebenen Erdgas-Verbot – im Hinblick auf Kosten, Innovation und Geostrategie.

UPDATE: Die für Mittwoch geplante Verabschiedung des Klimaschutzplans 2050 wird verschoben. Die Positionen der beteiligten Ministerien liegen nach Angaben des federführenden Bundesumweltministeriums noch zu weit auseinander. Dies berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben).
Am Mittwoch dieser Woche will die Bundesregierung voraussichtlich den Klimaschutzplan 2050 verabschieden. Damit verfolgt sie das Ziel, den CO2-Ausstoß aus Kraftwerken, Industrieanlagen, Heizungen und Verkehr bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren.
Nun warnt erneut die deutsche Erdgasbranche, dass sich die geplante Festlegung auf einen Ausstieg aus der Erdgasnutzung als fatal erweisen könnte. Doch in ihrem Brandbrief kritisieren Heizungs-, Bio- und Erdgasunternehmen nicht nur Technikverbote.
Energiewirtschaft warnt vor Erdgas-Verbot
Sie fürchten auch „falsche Signale in Richtung eines Ausstiegs aus dem Gas“, zitiert die Welt aus dem Brief von zehn Energieverbänden an das Bundeskanzleramt. Die Bundesregierung ignoriere den Beitrag von Erdgas zur CO2-Vermeidung und auch die möglichen Innovationen in der Gastechnologie.
„Gas kann grün!“, heißt es in dem Schreiben. So könne etwa Ökostrom dazu genutzt werden, durch Elektrolyse Methan herzustellen. Auf diese Weise könnten die Gasspeicher und das dazugehörige Pipelinenetz zu den dringend benötigten Ökostrom-Speichern werden. „Durch die Aufnahme von erneuerbarem Strom wird die Gasinfrastruktur zur Batterie der Energiewende.“
Erdgas spielt in der deutschen Versorgung bisher eine große Rolle. So decken Erdgaskraftwerke derzeit knapp zehn Prozent der Stromnachfrage. Und im Heizungsmarkt haben Gasbrennwertkessel bei den Neuinstallationen einen Marktanteil von 62 Prozent, gefolgt von Gasniedertemperaturkesseln mit zusätzlich 15 Prozent.
Bundesregierung will Öko-Wärmepumpen vorschreiben
Die von der Bundesregierung favorisierten Wärmepumpen hingegen kamen im vergangenen Jahr lediglich auf einen Marktanteil bei den Neuinstallationen von acht Prozent. Um diesen Anteil zu erhöhen will die Bundesregierung künftig nur noch Wärmepumpen zulassen, die zudem mit Ökostrom betrieben werden müssen.
Nach Ansicht der Energieverbände stehen solche Technologievorgaben im Widerspruch zur Präambel des Klimaschutzplans, worin die Bezahlbarkeit und Technologieoffenheit betont wird. Der geplante erzwungene Ausstieg aus dem Gas wäre ein „massiver Eingriff in den Markt“ und würde
- CO2-Einsparungen verteuern,
- die Infrastruktur der Energiewende gefährden und
- die Entwicklung von innovativen Gastechnologien verhindern.
Gas hat eine geostrategische Bedeutung
Unterzeichnet haben das Schreiben unter anderem der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), der Fachverband Biogas, die Initiative Erdgasspeicher und die Initiative „Zukunft Erdgas“. Die Empfänger des Brandbriefs sind:
- Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU),
- Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD),
- Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), aber auch
- Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).
„Wir müssen uns bewusst machen, dass die deutsche Gasinfrastruktur eine zentrale geostrategische Bedeutung für Europa hat“, sagte der BDEW-Sprecher Stefan Kapferer der Welt. Wenn Investitionen in den Ausbau oder zumindest in den Erhalt der Gasinfrastruktur durch ein Erdgas-Verbot verhindert werden, dann habe das „auch außenpolitische Konsequenzen“.


