Reportage
Berlins Hütchenspieler sind selbst Touristen
Zwar ist der Betrug mit dem Hütchenspiel seit langem bekannt. Doch die Hütchenspieler-Szene wächst. Bei den Tätern handelt es sich vor allem um Roma. Denn diese werden in ihrer Heimat diskriminiert, sagt Joschka Langenbrinck.

Eigentlich weiß man in Berlin seit Jahrzehnten, dass das Spiel mit den drei Hütchen Betrug ist. „Man kann beim Hütchenspiel nicht gewinnen“, sagt eine Polizeisprecherin. Die vermeintlichen Gewinner seien Komplizen. Das Hütchenspiel sei organisierte Kriminalität.
Trotzdem ist die Zahl der Strafanzeigen letztes Jahr deutlich gestiegen. Das zeigt die Antwort der Berliner Innenverwaltung auf eine Parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten, Joschka Langenbrinck.
„Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass Hütchenspielerei in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten eine lukrative Einnahmequelle ist“, zitiert der Tagesspiegel den Neuköllner Abgeordneten.
Nach Angaben der Ermittlungsgruppe Hütchenspiel-Betrug gehören inzwischen 200 Personen zur „Hütchenspielerszene“. Davon haben 60 ihren Wohnsitz in Berlin. Im Jahr 2015 war die Szene noch auf 160 Personen geschätzt worden.
„Primär handelt es sich bei den Hütchenspielern um reisende Täter aus Mazedonien und anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens“, heißt es in der Antwort der Innenverwaltung. Die Täter kämen als Touristen nach Berlin und blieben nur drei bis vier Monate.
Laut Joschka Langenbrinck handelt es sich bei den Tätern vor allem um Roma. Doch diese würden ja in ihren Heimatländern auch strukturell diskriminiert und am Arbeiten gehindert. Dennoch sei ihre Hütchenspielerei nicht akzeptabel.
„Berlin sollte sich ein Beispiel nehmen an Hamburg oder München, wo sofort Platzverweise und Strafanzeigen gestellt werden“, sagt der SPD-Politiker. Er hofft, dass die Zahl der Aufenthaltsverbote weiter wächst. Im letzten Jahr stieg sie bereits vor einer auf neun.


