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Reportage

Evangelische Kirche mit eigenem Wagen beim CSD

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Im letzten Jahr war die Evangelische Kirche offiziell noch nicht beim CSD dabei. (Screenshot: YouTube)
Im letzten Jahr war die Evangelische Kirche offiziell noch nicht beim CSD dabei. (Screenshot: YouTube)

Die Evangelische Kirche wird mit einem eigenen Wagen am Christopher Street Day in Berlin teilnehmen. Dort wird sie Kondome mit Sprüchen wie „Für Huren* und Heilige*. Trau Dich!“ verteilen und gegen Rechts werben.

Im letzten Jahr war die Evangelische Kirche offiziell noch nicht beim CSD dabei. (Screenshot: YouTube)
Im letzten Jahr war die Evangelische Kirche offiziell noch nicht beim CSD dabei. (Screenshot: YouTube)

Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wird am 22. Juli mit einem großen Truck am Christopher Street Day (CSD) in der Hauptstadt teilnehmen. Es ist das erste Mal, dass eine der großen Volkskirchen ganz offiziell bei der Homosexuellen-Parade vertreten ist.

Nach Informationen der taz sollen dabei im Namen der Evangelischen Kirche auch Kondome und Gleitgel an Tausende von Feiernden verschenkt werden. Das Motto des Kirchen-Trucks wird „Trau Dich!“ lauten. Damit will die Landeskirche für die kirchliche Trauung werben, die seit dem vergangenen Jahr auch für Homosexuelle möglich ist.

Die Idee für den Truck hatte der Superintendent des Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte, Bertold Höcker. Er hat dafür auch Spenden gesammelt. Im März dieses Jahres hatte die Evangelische Kirche im Rheinland eine Aktion der Düsseldorfer Jugendkirche gestoppt, die Kondome mit Zitaten von Martin Luther verteilt hatte.

Evangelische Kirche verteilt Gender-Kondome gegen Rechts

Auch die Kondom- und Gleitgel-Verteilaktion der berlin-brandenburgischen Landeskirche im Umfeld ihres CSD-Trucks folgt diesem Vorbild. So steht passend auf den Verpackungen „Für Huren* und Heilige*. Trau Dich!“ und in Anlehnung an Martin Luthers zentrale Rechtfertigungslehre:

Jeder Mensch ist von Gott geliebt. Gleichzeitig ist jeder Mensch in seinem Leben in Schuld und Sünde verstrickt. ­Luther erkannte: Weil wir als Menschen sind, wie wir sind, nimmt Gott uns an. Als Hure* und Heilige*. Als Sünder* und Gerechter*.

Mit den Sternchen will die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) „die sexuellen Zwischenstufen“ markieren. Neben dem Motto „Trau Dich!“ werden auf der Verkleidung des CSD-Trucks noch weitere Sprüche für die Anliegen der Evangelischen Kirche werben:

  • „#Trauungfueralle in unseren Kirchen“,
  • „Mehr von uns – jede Stimme gegen Rechts“ und
  • „Evangelische Kirche seit 500 Jahren in Bewegung“.

Auf dem CSD-Truck der Evangelischen Kirche sollen auf zwei Etagen etwa 140 Personen Platz finden. Nach Auskunft von Pfarrerin Stefanie Hoffmann wird es auf dem Truck einen Klapptresen für Getränke geben, ein Dixie-Klo und Lautsprecher-Boxen mit einer Stärke von 8.000 Watt.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat rund 22 Millionen Mitglieder. Zwar erhalten Schwule und Lesben von der EKD bundesweit zumindest einen Segen für ihre Partnerschaft. Doch wie genau dieser Segen gespendet wird, dafür haben die 20 Landeskirchen der EKD unterschiedliche Regeln.

In Berlin und Brandenburg können sich gleichgeschlechtliche Paare bereits seit dem 1. Juli 2016 kirchlich trauen lassen. Im August letzten Jahres fand die erste homosexuelle kirchliche Hochzeit in Berlin statt. Der Traugottesdienst für Homosexuelle sieht hier genauso aus wie bei einer normalen Eheschließung, mit Trauversprechen und Ringwechsel.

UPDATE: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz hat mitgeteilt, dass man auf das Verteilen von Kondomen und Gleitgel verzichten wolle, um die Konzentration auf die Botschaft der „Trauung für alle“ zu stärken.

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