Reportage
Michael Müller spricht auf Islamisten-Kundgebung
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat auf einer Veranstaltung gesprochen, die von der Neuköllner Begegnungsstätte angemeldet wurde. Diese wird wegen ihrer Nähe zur Muslimbruderschaft vom Verfassungsschutz beobachtet.

Am Donnerstagabend vor der Gedächtniskirche sprach Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf einer Kundgebung, die von Islamisten angemeldet wurde. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Michael Müller zuvor noch aufgerufen, nicht teilzunehmen. Man erhielt aber keine Antwort, wie die Organisation mitteilte.
Der Mitveranstalter Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) und drei weitere teilnehmende Vereine werden vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sie eine Nähe zur Muslimbruderschaft pflegen. Einer der Moscheevereine sei zudem der „Berliner Treffpunkt von Hamas-Anhängern“, heißt es im Berliner Verfassungsschutzbericht 2015. Islamexperte Ahmad Mansour sagte der Welt:
Herr Müller verkennt die Strategie der Moscheen, die der Muslimbruderschaft nahestehen. Sie arbeiten seit Jahren daran, als Partner der Politik wahrgenommen zu werden. Müller erfüllt ihnen diesen Wunsch, wenn er mit ihnen am Ort des islamistischen Terrors für Frieden demonstriert.
Die Kundgebung am Donnerstagabend fand am Ort des islamistischen Terroranschlags vom 19. Dezember 2016 statt. Hier tötete der tunesische Terrorist Anis Amri mit einem gestohlenen Lkw zwölf Menschen und verletzte zahlreiche weitere.
Laut Polizei war die Veranstaltung von dem Verein Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) als Kundgebung gegen ein „Anwachsen der Hetze gegen Migranten, Muslime und Flüchtlinge“ angemeldet worden.
Im öffentlichen Aufruf heißt es, ein „breites Bündnis von Christen, Muslimen, Juden sowie Vertreterinnen und Vertretern vieler weiterer Berliner Religionsgemeinschaften“ wolle „ein Zeichen für Frieden und Toleranz“ setzen.
Unterstützt wurde die Kundgebung auch von der Kirchengemeinde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) und vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin.
Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche haben die Kritik an der Kundgebung zurückgewiesen. Der Imam der NBS-Moschee habe sich klar gegen Islamisten gewandt, sagte Ekbo-Sprecherin Heike Krohn-Bräuer dem Evangelischen Pressedienst.
Es ist uns wichtig, mit all denjenigen das Gespräch zu suchen und mit denjenigen in den Moscheen zusammenzuarbeiten, die sich für ein friedliches Miteinander der Religionen, sich innerhalb ihrer Gruppierungen für eine klare Abgrenzung gegen den Islamismus einsetzen.
Zudem hätten erstmals „Sunniten, Schiiten, sufische Bewegung und Ahmadiyya gemeinsam“ zu einer Kundgebung aufgerufen. Es sei ein „Geschenk“, dass mehr als 20 verschiedene religiöse Gruppen mit ihrer konfessionellen Unterschiedlichkeit gemeinsam für den Frieden beten, sagte Frank-Peter Bitter, Geschäftsführer des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin.


