Hessen fordert Deutschland-Rente gegen Altersarmut

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Drei Minister der hessischen Landesregierung haben in Berlin Details zu ihrem Konzept der Deutschland-Rente vorgestellt. Demnach sollen alle Bürger, die nicht ausdrücklich widersprechen, in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge einzahlen.

Im Kampf gegen die Altersarmut würde die Deutschland-Rente wenig ausrichten, sagt Rentenexperte Dr. Sebastian Grabmaier.
Im Kampf gegen die Altersarmut würde die Deutschland-Rente wenig ausrichten, sagt Rentenexperte Dr. Sebastian Grabmaier.

Nach Ansicht Hessens ist die Riester-Rente nicht ausreichend. Daher fordert die schwarz-grüne Landesregierung eine neue sogenannte Deutschland-Rente. Diese soll die bisherige private Altersvorsorge ergänzen und angeblich mehr Menschen als heute vor Altersarmut schützen.

Vergangene Woche stellten Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Sozialminister Stefan Grüttner und Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU) ihr bereits bekanntes Konzept in Berlin vor und nannten dabei erstmals Details, berichtet das Handelsblatt.

Die Deutschland-Rente soll ein einfaches und kostengünstiges Standardprodukt aufweisen, wodurch vor allem Beschäftigte kleinerer Betrieben einfacheren Zugang zur privaten Altersvorsorge bekommen sollen.

Der Vorschlag sieht einen neuen zentralen Rentenfonds vor, den sogenannte Deutschlandfonds. Dabei plädieren die drei hessischen Minister für einen Treuhandfonds, auf den die Politik keinen Zugriff bekommen soll.

Um möglichst viele Arbeitnehmer für die Deutschland-Rente zu gewinnen, sollen diese automatisch in ein solches kapitalgedecktes Altersvorsorgeprodukt einzahlen, wenn sie nicht widersprechen.

Selbst Geringverdiener sollen an der neuen Altersvorsorge teilhaben können. Sie sollen einen großen Teil der Beiträge vom Staat gezahlt bekommen, damit die kapitalgedeckte Altersvorsorge nicht an den fehlenden finanziellen Mitteln scheitert.

Hintergrund des Minister-Konzepts ist die demographische Entwicklung in Deutschland, durch die immer weniger Beitragszahler die Renten von immer mehr Ruheständlern finanzieren müssen.

Die demografische Entwicklung führt im gesetzlichen Rentensystem zu steigenden Beiträgen bei gleichzeitig sinkenden Renten. Während das Rentenniveau zum Anfang des Jahrtausends noch bei 53 Prozent lag, droht bis zum Jahr 2045 ein Absturz auf knapp 42 Prozent.

Das Rentenkonzept aus Hessen seit längerem in der Kritik. So sagte Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandschef bei Jung, DMS & Cie., bereits Anfang letzten Jahres, dass man mit der Deutschland-Rente die Altersarmut in Deutschland kaum werde bekämpfen können.

Der größte Fehler der Deutschlandrente bestehe darin, dass der Staat die Organisation übernehmen soll. „Leider gibt es in der Geschichte kein einziges Beispiel dafür, dass der Staat den Markt langfristig schlagen kann“, sagt Sebastian Grabmaier.

Die Gefahr des staatlichen Missbrauchs des von breiten Bevölkerungsgruppen eingezahlten Kapitals sei real. Dies zeige die fortdauernde Nutzung der Sozialkassen für versicherungsfremde Leistungen.

Dass mit einem großen Zentralfonds mit Milliardenbeträgen dann sozialpolitische oder planwirtschaftliche Zwecke verfolgt werden und nicht das vordergründig gewünschte Ziel einer nachhaltigen Altersversorgung für den Bürger, ist für Sparer aber ein absoluter Albtraum!

Einen weiteren Schwachpunkt sieht Sebastian Grabmaier darin, dass beim Konzept der Deutschlandrente alle Sparer unabhängig von ihrer persönlichen Situation einer einheitlichen Anlagepolitik ausgesetzt werden sollen. Dadurch würden Renditechancen vergeben.

Gerade jungen Arbeitnehmern und ihren Arbeitgebern wird damit die Möglichkeit genommen, eine dem jeweiligen Alter angepasste Risikostruktur für ihr Anlagekapital, also insbesondere eine hohe Aktienquote zu wählen.

Den dritten Fehler sieht Grabmaier darin, dass der Staatsfonds eine enorme Größe erreichen würde. Er könnte in kurzer Zeit ein großer Aktionär vieler deutsche Konzerne werden. Dadurch hätte der Staatsfonds einen massiven Einfluss in Hauptversammlungen und Aufsichtsräten.

Der Staat kann sich dann aussuchen, welche Unternehmen er durch Kapital fördern will und welche nicht. Im schlimmsten Fall ändert sich die Anlagepolitik dann mit jedem Regierungswechsel alle vier Jahre.

Die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Unternehmen und die Freiheit des Marktgeschehens wären dadurch stark gefährdet. Zudem hätten die Eingriffe der Politik natürlich negative Auswirkungen auf die Rendite.

Nach Ansicht von Sebastian Grabmaier hätte die Deutschlandrente keinerlei Vorteile gegenüber der Riester-Rente. Etwaige Kostenvorteile durch den Entfall von Vertriebskosten würden schnell durch Verwaltungskosten und Ineffizienzen in der Kapitalanlage aufgefressen.

Selbst der Wirtschaftsflügel der CDU und die Grünen im Bundestag halten das Konzept der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen für unvernünftig. Zwar scheint daher eine Umsetzung in der aktuellen Form unwahrscheinlich. Doch der Druck aus Hessen hält an.

Das Konzept aus Hessen sieht vor, dass man der Einzahlung in die Deutschlandrente widersprechen kann. Das ist nach Ansicht von Sebastian Grabmaier zwar besser als eine Ausweitung der Rentenversicherungspflicht. Doch es sei immer noch „eine Art Zwangsrente“.

Das Konzept lässt zwar auf dem Papier die Freiheit, keine Zahlungen an den Staatsfonds zu leisten, doch die meisten Bürger kennen sich in ihrer Gehaltsabrechnung schon heute nicht aus und werden daher keine freie Wahl treffen.

Zur Bekämpfung der Altersarmut sei das Konzept nicht geeignet. Denn von Altersarmut seien jene betroffen, die etwa wegen Krankheit, Schwangerschaft oder Kinderbetreuung kürzere Ansparphasen haben. Doch diese Leute würden auch nicht in die Deutschlandrente einzahlen.

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22 KOMMENTARE

    • Überlege mal,dass unsere Politiker sich auch sehr grosszügig an unseren Rentenkassen bedienen! Ist doch gut nachzuvollziehen,dass denen alles andere auch egal ist. Und wenn der Pott leer ist gibts noch ein paar Steuern mehr. Wir halten doch den Mund schön zu und schauen diesem Mist tatenlos zu. September ist unsere Chance ! ! Diese verl.. Superelite bekommt von mir keine Stimme mehr! Ab in die Wüste mit dem Pa..! Oder wie nannte uns unser neuer Aussenminster mal?

  1. Wenn man den Bürgern nicht so viele Steuern aussaugen würde, hätten sie genug Geld für die Altersvorsorge übrig!
    Aber man zockt ja jetzt selbst noch die Rentner mit Steuern, auf ihre paar Taler ab!

  2. Wie viele Jahre am Stück müssen die denn noch ständig „überraschend“ herausfinden, dass kapitalgedeckte Altersvorsorge für alle nicht funktioniert.
    Die Versorgung mit Renten läuft immer aus der aktuellen Wirtschaftsleistung, die umverteilt wird. Nicht auf Basis von Wirtschaftsleistung, die 30 Jahre zuvor mal erbracht und vermeintlich „gespart“ wurde.

    • das ist unsinn aus zwei gründen

      1) die Rentenkassen haben gar nichts mit dem Konzept der kapitalgedeckten Vorsorge zu tun

      2) weil sie mit Kapitaldeckung nichts zu tun haben ,sondern immer aus der aktuellen Wirtschaftsleistung des laufenden Jahres gespeist werden, können sie auch nicht geplündert werden. lediglich der Geldstrom kann verändert werden.

      Mehr Verständnis für simple Zusammenhängen würde ich mir wünschen. Stattdessen plabbern alle politischen Unsinn, weil unser ganzes Bildungssystem + Medien überhaupt gar nichts vermitteln.

  3. Kapitalgedeckte Altersvorsorge bedeutet, dass die Wirtschaft in der Gegenwart auf Absatz verzichten müsste, damit irgendwann in 30 Jahren ein Rentner diesen Absatz dann endlich generiert. Kapitaldeckung erfordert auf der Gegenseite eine Verschuldung in gleicher Höhe. Also noch mehr Schuldenzwang und das bei Verschuldungsbremsen. Nichts durchdacht, absolut nichts durchdacht. Da sitzen nur Leute in den Parlamenten, die von den simpelsten Zusammenhängen nicht den Hauch einer Ahnung haben.

  4. Eine steuerfinanzierte Einheitsrente dürfte die sinnvollste und wahrscheinlich auch die einzig dauerhaft funktionierende Variante sein. Damit könnte der Moloch deutsche Rentenversicherung ersatzlos entfallen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden von den Beiträgen entlastet. Zur Gegenfinanzierung wäre eine Erhöhung der MwSt denkbar, mit dem Vorteil, dass dann auch all diejenigen, die jetzt keine Rentenbeiträge leisten, auch herangezogen werden würden. Müsste nur noch geklärt werden, unter welchen Bedingungen eine Rentenanwartschaft gegeben ist.

  5. Deutschland-Rente? Das finanziert der kleine Mann dann auch noch und die Goldjungs und andres arbeitsscheue Gesindel kassiert dann ab! Gebt dem Rentner das was was in seinem Arbeitsleben verdient hat und der Rest soll schauen wie er klar kommt. Hat ja ein Leben lang Zeit gehabt sich darüber Gedanken zu machen.

  6. Könnte man nicht vorgehen wie mit Hartz 4.Man bekommt erst Rente wenn man sein Gespartes das man sich in 40 oder 50 Arbeitsjahren zurückgelegt hat,erst ausgezahlt, wenn man dieses verbraucht hat

    • Bist Du blöd ? Warum soll man erst sparen? Dann verbrate ich doch gleich alles.Was wird wenn man in ein Pflegeheim kommt ,wer zahlt dann ? Das kostet 3000 -4000 Euro !!!!( pro Monat!!!!) Ich will mich schon von einem Hartz4 unterscheiden !

  7. Was soll dieses ständige „Rentengelaber“? Es ist genug Geld für ALLES da!
    Bankenrettung, Griechenland, „Flüchtlinge“, Erdogan, Ägypten und, und, und…….
    Abeeer KEIN Geld für Rente? KEIN Geld für die Menschen, die diesen finanziellen Größenwahn erst machbar machten? Geht’s noch?
    Über 700 Milliarden € wurden seit 1957 (Stand 2015) von den Beiträgen der Rentenversicherten für „versicherungsfremde Leistungen“ verwendet !!!
    Gibt es eine „Asylanten-Kasse“, oder aus welcher „Kasse“, wird dieser Wahnsinn finanziert? Da muss ja viel Geld drinn sein! Der „Soli“ bietet sich auch an! Oder wofür zahlen wir den immer noch? Ewig? MWST ist wofür genau? Benzin- und KfZ-Steuer wurden uns für Straßenreparaturen verkauft! Huch! Geld auch weg? Oder was soll die Maut? „Zweckentfremdet“ es einfach für die „Rentenkasse“! Andersrum ging’s ja auch! Es scheint mehr als genug Geld da zu sein, so wie es hier für Nie-Einzahler verschwendet wird! Nur nicht für die, die schon länger hier sind und das ermöglichten! Zum Himmel stinkende, kriminelle Frechheit! Es ist UNSER GELD! Egal in welcher „Kasse“! Unser!

    • Da stimme ich Ihnen absolut zu. Der Umgang mit den Rentnern in diesem Land ist schon sehr fragwürdig. Es steht aber zu befürchten, dass nach der BTW im Herbst dank der Asylanten noch weitere, massive Steuererhöhungen folgen werden! Und der Rentner guckt wieder in die (leere) Röhre.

  8. Die Riesterrente ist ein großer Betrug !!!!!Habe meine Beitragsfrei gestellt, das Guthaben ist immer weniger geworden.Da zahle ich lieber in eine Privatrente ein, da kann ich sicher sein,daß dieses Asylantenvolk nichts bekommt !

  9. Der dann genau so ausgeplündert wird, wie die reguläre Rentenkassen! Die Sozialgelder wetden in absehbarer Zeit mehr als knapp, da würde ich in so eine Deutschlandrente keinen Cent investieren!!!

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