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Bundeswehr-Kurden kämpfen gegen Jesiden

Von Thomas Breithaupt · · 4 Min. Lesezeit

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Bundeswehr Kurden Peschmerga gegen Jesiden
Die Bundeswehr soll die kurdischen Peschmerga für den Kampf gegen den Islamischen fit machen. Doch nun kämpfen sie offenbar auch gegen Jesiden. (Screenshot: YouTube)

Die Bundeswehr hat die kurdischen Peschmerga gegen den IS bewaffnet und ausgebildet. Doch nun kämpfen sie gegen die Jesiden. „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden“, sagt Linken-Politiker Jan van Aken.

Bundeswehr Kurden Peschmerga gegen Jesiden
Die Bundeswehr sollte die kurdischen Peschmerga eigentlich für den Kampf gegen den Islamischen fit machen. Doch nun kämpfen die Kurden im Nordirak offenbar auch gegen Jesiden. (Screenshot: YouTube)

Filmmaterial aus der nordirakischen Stadt Khanasor zeigt einen Kommandeur der kurdischen Truppen und aufgebrachte Jesidinnen. Die Situation ist feindselig. Seit kurzem kämpfen Teile der Peschmerga gegen die Jesiden.

Ein Peschmerga-Kämpfer hat ein G36 der Firma Heckler & Koch. Auf anderen Sequenzen sieht man Waffen vom Typ G3, dem Vorgänger des aktuellen Standardgewehrs der Bundeswehr, und ein Maschinengewehr vom Typ MG3.

„Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden, der Nordirak benutzt jetzt die deutschen Waffen, um seine eigene Macht auszubauen, selbst gegen die Jesiden“, zitiert SPON den Linken-Parlamentarier Jan van Aken.

Im Jahr 2014 hatte die Bundeswehr aus ihren Beständen unter anderem 8.000 G36-Gewehre an die Peschmerga geliefert. Eigentlich sollten die Kurden damit die Jesiden gegen die vergewaltigenden und mordenden Horden des Islamischen Staats schützen.

Sie erhielten Sturmgewehre der Typen G3 und G36 sowie Panzerabwehrfäuste vom Typ Milan. Damit konnten sie die IS-Kämpfer in der Tat empfindlich treffen. Insbesondere die Milans erwiesen sich als äußerst effektiv gegen deren Pick-up-Trucks.

Noch im Januar dieses Jahres verteidigte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Entscheidung, die Ausbildung der Peschmerga durch rund 150 deutsche Soldaten weiterzuführen.

„Es war richtig, die Kurden, das heißt die Peschmerga, auszurüsten und dies mit Ausbildung, ganz eng begleitet, zu kombinieren“, sagte sie im Bundestag. Die Peschmerga hätten viel Mut bewiesen. „Sie haben als Erste den IS gestoppt, sie haben ihn empfindlich zurückgeschlagen, und sie haben Territorium zurückgewonnen.“

Die Lage rund um die Kleinstadt Khanasor im nordirakischen Distrikt Sindschar ist seit Wochen verworren. Die meisten Einwohner sind Jesiden. Sie sprechen zwar dieselbe Sprache wie die Kurden, betrachten sich jedoch als ein eigenständiges Volk.

Im Sommer 2014 hatte der Islamische Staat Khanasor erobert und Dutzende jesidische Familien ermordet oder verschleppt. Wer konnte, floh. Knapp anderthalb Jahre später gelang es kurdischen Kämpfern, die Dschihadisten wieder zu vertreiben.

Doch seit der Rückeroberung kämpfen rivalisierende kurdische Milizen rund um Khanasor gegeneinander. Den von der Bundeswehr bewaffneten und ausgebildeten Peschmerga der kurdischen Regierung im Nordirak stehen die Verteidigungseinheiten von Sindschar (YBS) gegenüber.

Die YBS gelten als lokaler Ableger der PKK. In ihren Reihen kämpfen auch viele Jesiden. Denn die Verteidigungseinheiten von Sindschar stellten sich dem Islamischen Staat dort einst am entschiedensten entgegen, nicht die von der Bundeswehr bewaffneten Peschmerga.

Die Peschmerga fordern von den YBS auf, dass diese sich aus Khanasor zurückziehen. Doch die Miliz weigert sich. Am Freitag eskalierte der Streit. Bei Gefechten gab es auf beiden Seiten Verwundete. Mindestens ein YBS-Kämpfer wurde getötet.

Ein Video zeigt offenbar jesidische Kämpfer, die vor einem Radpanzer der Peschmerga aus deutscher Produktion vom Typ Dingo fliehen. Am Samstag einigten sie sich auf eine vorläufige Waffenruhe. Der grundlegende Konflikt in Sindschar bleibt jedoch ungelöst.

„Es ist eine fürchterliche Vorstellung, dass die Waffenlieferungen und Ausbildung durch die Bundeswehr jetzt dazu missbraucht werden, die Jesiden ein zweites Mal zu unterdrücken oder zu vertreiben“, sagt der Linken-Politiker Jan van Aken. Er fordert den Stopp der Waffenlieferungen sowie ein Ende der Ausbildung.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte dem SPIEGEL am Montag, die im Nordirak stationierten Bundeswehrsoldaten seien angewiesen worden, im Namen Berlins bei der kurdischen Regionalregierung „unverzüglich“ Aufklärung über die Vorgänge einzufordern.

Die Regierung der Region Kurdistan-Irak habe sich dazu verpflichtet, die gelieferten Waffen nur für den Kampf gegen den Islamischen Staat und im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht einzusetzen, sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

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