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Reportage

Junge Juristin verzichtet auf Job bei AfD-Politiker

Von Thomas Breithaupt · · 5 Min. Lesezeit

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Anna Krówka Markus Roscher
Wenn die Politik nicht wäre, es hätte eine gute Zusammenarbeit werden können zwischen Anna Krówka und Markus Roscher AfD. (Fotos: Facebook)

Eigentlich wollte die junge Juristin Anna Krówka aus Berlin bei Markus Roscher arbeiten, in ihren Augen ein „Top-Anwalt“ mit viel Erfahrung. Und er hätte sie auch gern genommen. Doch dann stellte sie fest, dass er AfD-Politiker ist.

Anna Krówka Markus Roscher
Wenn die Politik nicht wäre, es hätte eine gute Zusammenarbeit werden können zwischen Anna Krówka und Markus Roscher. (Fotos: Facebook)

Markus Roscher ist Anwalt und AfD-Direktkandidat für die Bundestagswahlen am 24. September 2017 im Wahlkreis Paderborn/Gütersloh III in Nordrhein-Westfalen. Am Mittwoch schrieb er auf Facebook, dass eine junge Juristin einen festen Job bei ihm abgelehnt hatte.

Morgen wollte ich eine Rechtsanwältin (Berufsanfängerin) einstellen. Ok, die Examensnote 4+ war zwar äußerst mittelmäßig, aber ansonsten tolle Leistungen im Studium, in den Praktika und auch sonst hatte die Dame ein überzeugendes Auftreten.

Also habe ich den Arbeitsvertrag vorbereitet und wollte Donnerstag den für sie unschönen Zustand der Arbeitslosigkeit beenden. Das Anfangsgehalt orientierte sich an dem, was auch die Anwaltskammern als Gehalt für junge Rechtsanwälte und Berufsanfänger empfehlen.

Und dann bekomme ich heute eine E-Mail von der Dame, in der sie mir mitteilt, dass sie nicht für mich arbeiten kann, weil ich ja im September für die AfD kandidieren würde. Sie sei anderer politischer Ansicht.

Wörtlich heißt es in der Mail. „Ich möchte ganz ehrlich zu Ihnen sein, ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mich als Berufsanfängerin eingestellt hätten und ich bin mir sicher, dass ich bei Ihnen auch jede Menge gelernt hätte, weil Sie jede Menge Erfahrung mit sich bringen und ein Top Anwalt sind. Allerdings kandidieren Sie jetzt im September für die AfD. Zwar interessiere ich mich nicht besonders für die Politik, nicht desto trotz teile ich aber auch nicht Ihre politische Meinung.“

Unglaublich!

Über den Vorgang wurde in den Medien berichtet. Es gab viel Lob für die junge Juristin. Und für den AfD-Anwalt gab es einen versuchten Einbruch in seine Kanzlei, den er über Facebook kommentierte.

Am Freitag outete sich die junge Juristin als Anna Krówka aus Berlin. Wie ihr Fast-Arbeitgeber Rechtsanwalt Markus Roscher nutzte auch sie das soziale Netzwerk Facebook, um ihre Absage des eigentlich sehr verlockenden Jobangebots aus ihrer Sicht zu erklären.

Heute möchte ich der Berufsanfängerin, Note: 4+, ein Gesicht geben. Weil es richtig ist, zu solch‘ schwierigen Zeit Gesicht zu zeigen. Um nicht weiter eingeschüchtert zu werden. Erst recht nicht von einem Twitter-Post oder von einer Abschlussnote!

Ich wollte in meinem Leben schon immer Strafverteidigerin werden und war überglücklich, als ich vor kurzem mein zweites juristisches Examen absolviert habe. Mir war bewusst, dass mir bei der derzeitigen Berufslage in Berlin wohl gleich die eine oder andere Tür vor der Nase zugeschlagen werden würde – und trotzdem startete ich mit großem Enthusiasmus verschickte meine ersten Initiativbewerbungen an zahlreiche Kanzleien in Berlin. Die ersten haben mir wie zu erwarten eine Absage erteilt, weil sie zurzeit keinen Bedarf an einer weiteren Rechtsanwältin hätten. Herr Roscher lud mich allerdings ein. Ich habe mich riesig gefreut.

Ich denke, ich bin nicht die einzige Berufsanfängerin, die sich erst im Zuge einer positiven Rückmeldung wirklich näher mit einem Unternehmen beschäftigt. Aber man lernt ja immer wieder dazu. Als ich anfing, mich über Herrn Roscher zu informieren, konzentrierte ich mich natürlich auf die Rechtsgebiete, mit denen er sich beschäftigt. Über seine Politikkarriere stolperte ich natürlich auch. Diese machte mich zwar stutzig, aber die Freude der Einladung überwog. Mit meiner Note konnte ich mir vielleicht auch nicht einfach einen Traumjob aussuchen.

Das Gespräch verlief zunächst ganz gut. Ins Grübeln brachte mich dann aber schlussendlich der folgende Moment: Nachdem wir über die polnische Herkunft meiner Eltern sprachen, äußerte er, dass er zwar traurig sei, dass ehemalige Teile Deutschlands nun zu Polen gehören, er aber jetzt seinen Frieden damit gefunden hat. Hat er das gerade wirklich gesagt?

Ziemlich enttäuscht kam ich nach dem Termin nach Hause und dachte nach. Muss ich mit einem Menschen, der so eine Aussage gegenüber mir geäußert hat, zusammenarbeiten? Ist es die Sache wert? Kann ich das moralisch vertreten? Nur weil ich eine Examensnote von 6,3 habe? NEIN!

Ich bin ohne Vorurteile in das Gespräch gegangen. Ich möchte mir immer selbst eine Meinung bilden. Es geht schließlich um die Menschen, die dahinter stehen. Die unsere Vertreter des Volkes sein sollen. Und da reichte mir ein Kennenlerngespräch mit Herrn Roscher, um mich fragen zu müssen: Wie erstklassig kann bitte eine Partei sein, wenn die Anhänger – zumindest von einem konnte ich mich jetzt schon einmal persönlich überzeugen – selbst keine Klasse besitzen?

Die Antwort von Markus Roscher auf diesen Facebook-Post von  Anna Krówka kam umgehend und wieder über die sozialen Netzwerke.

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