Reportage
Anis Amri offenbar in Mailand erschossen
Die italienische Polizei hat den Terrorverdächtigen Anis Amri am Freitagmorgen bei einer Routinekontrolle bemerkt. Da der Tunesier eine Waffe zog und auf die Polizisten schoss, wurde er erschossen.

Anis Amri ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Mailand am Freitagmorgen gegen drei Uhr von der Polizei erschossen worden. Der europaweit mit Haftbefehl gesuchte Tunesier ging der Polizei bei einer normalen Kontrolle am Bahnhof der Stadt Sesto San Giovanni nördlich von Mailand ins Netz.
Anis Amri habe eine Schusswaffe gezogen und auf die Polizisten geschossen, berichtet die Welt. Die Polizisten hätten das Feuer erwidert und ihn erschossen. Ein Polizist soll bei der Schießerei an der Schulter verletzt worden sein.
Der erschossene Terrorverdächtige Anis Amri hatte bei der Kontrolle gegen 3:30 Uhr in Mailand keine Dokumente bei sich. Er habe mit einer 22-Kaliber-Pistole geschossen, schrieb die italienischen Polizei auf Facebook. Die Waffe sei scharf gewesen, als der Tunesier sie aus einem kleinen Rucksack holte.
Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters und der italienischen Nachrichtenagentur Ansa soll Anis Amri „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen haben. Der Tunesier hatte schon in der Vergangenheit mehrere Jahre in Italien gelebt.
Anis Amri wurde laut Duldungspapieren am 22.Dezember 1992 in Tataouine in Tunesien geboren. Im Jahr 2011 ging er nach Italien. In Palermo auf Sizilien saß er von 2011 bis 2015 im Gefängnis, weil er dort Revolten gegen „Ungläubige“ angezettelt hatte.
Wie berichtet gab es in der Haft Zeichen für eine Radikalisierung und eine Annäherung an die Ideale des islamischen Terrorismus gezeigt habe. Einem christlichen Mithäftling drohte er demnach: „Ich schlage dir den Kopf ab.“ Dann ging er nach Deutschland.
Hier knüpfte er Kontakte zur Islamisten-Szene. In Freiburg machte er zunächst falsche Angaben, was jedoch bemerkt wurde. Anschließend pendelte er zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. In Deutschland ist er mit sechs Aliasnamen und Altersangaben unterwegs.
Seit Februar 2016 hielt sich der Tunesier fast nur noch in Berlin auf. Hier wurde er wegen seiner Kontakte zum IS auch vorübergehend überwacht. Er dealte im Görlitzer Park mit Drogen und fiel bei einer Messerstecherei in Neukölln auf.
In der letzten Woche dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche wurde Anis Amri in einer Moschee des Verein Fussilet 33 e.V. in Moabit gesichtet. Auch wenige Stunden nach dem Anschlag war er dort, wie Videoaufnahmen zeigen. Am Donnerstag stürmte ein SEK die Moschee mit Blendgranaten.


