Reportage
AfD-Wähler im Friedrichstadt-Palast nicht willkommen
Intendant Berndt Schmidt hat mitgeteilt, dass AfD-Wähler im Friedrichstadt-Palast nicht willkommen sind. Denn sie hätten bewusst „Nazis in den Bundestag gewählt“. Wenn sie ihre Karten zurückgeben, erhalten sie den Kaufpreis erstattet.

AfD-Wähler sind im Berliner Friedrichstadt-Palast nicht willkommen, sagt dessen Intendant, Berndt Schmidt. Dies teilte er in einer Rundmail an die Mitarbeiter des europaweit bekannten Revuetheaters mit.
„Wir werden uns künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent unserer potenziellen Kunden im Osten abgrenzen“, zitiert die Berliner Morgenpost aus dem Schreiben. Er wolle „deren Geld nicht“.
Der Friedrichstadt-Palast repräsentiere den anständigen Osten und sei „eine bedeutende Kulturinstitution im Osten“. Daraus ergibt sich nach Ansicht von Berndt Schmidt eine Verantwortung.
Denn die mit Abstand besten Ergebnisse habe die AfD in den östlichen Bundesländern erzielt. Das Problem des Rechtspopulismus sei „bei uns im Osten am größten“. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat noch eine andere Erklärung für den AfD-Erfolg im Osten.
AfD-Wähler im Friedrichstadt-Palast nicht willkommen
Wer die AfD wählte, der habe gewusst, „dass er auch Nazis in den Bundestag wählt“ und sei daher ein „Brandstifter und Mittäter“, so der Intendant weiter. Von den 94 gewählten AfD-Abgeordneten im Bundestag seien 20 das, was er unter Nazis verstehen würde.
Im Friedrichstadt-Palast gebe es „nicht deutsch aussehende“ Mitarbeiter und Gäste, so Berndt Schmidt weiter. Diese Menschen sähen sich zunehmend Geringschätzung oder Anfeindungen ausgesetzt und hätten oft Angst. Ihnen gegenüber fühle er sich verantwortlich.
Wenn AfD-Wähler nun ihrerseits den Friedrichstadt-Palast nicht mehr besuchen wollen, so könnten sie ihre bereits gekauften Karten gern zurückgeben. Sie bekämen den Kaufpreis erstattet, so der Intendant.
AfD-Sprecher Ronald Gläser ist dieser friedliche Protest offenbar lieber als Anschläge der Antifa. Er sagte: „Wenn der Intendant meint, auf das Geld der AfD-Wähler verzichten zu können, dann raten wir unseren Wählern, sich in Berlin andere Möglichkeiten der Zerstreuung zu suchen.“
Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) hingegen stärkte Berndt Schmidt am Donnerstag den Rücken. „Der Intendant hat eindeutig Stellung gegen den zunehmenden Rechtspopulismus bezogen, das finde ich absolut in Ordnung“, zitiert ihn die Berliner Zeitung.
Der Friedrichstadt-Palast wurde im Jahr 1984 in Ost-Berlin eingeweiht und ist eines der größten Revuetheaters in Europa. Mit 468.352 zahlenden Gästen zog es im letzten Jahr so viele Besucher an wie keine andere Berliner Bühne.


