Reportage
Terrorist Jaber Al Bakr: Selbstmord in der Einzelzelle

Eigentlich wollte der syrische Terrorist Jaber Al Bakr (22) mit einer selbstgebastelten Sprengstoffweste und mit 1,5 Kilo bereits hergestellter Sprengstoffmischung (stärker als TNT), wie sie auch in Paris und Brüssel verwendet wurde, viele Menschen auf einem der beiden Berliner Flughäfen Tegel oder Schönefeld mit in den Tod reißen. Doch nachdem er wegen eines ausländischen Geheimdiensttipps am Freitagabend aufflog und am Samstmorgen den Spezialeinheiten MEK und SEK wegen einer Ortungspanne entkommen konnte und schließlich am Montag kurz nach Mitternacht nach einer Rasur von seinen syrischen Gastgebern in Leipzig gefesselt und der Polizei übergeben wurde, wählte Al Bakr gesten einen einsamen Freitod in seiner Gefängniszelle. Gegen 00:30 Uhr traf der Leichenwagen an der JVA Leipzig ein, nach rund 15 Minuten verließ er das Gelände wieder.
Nach Angaben des MDR strangulierte sich der Terrorverdächtige mit seinem T-Shirt.
Zuvor hatte er in seiner Vernehmung die syrischen Landsleute, die ihn der Polizei übergeben hatten als Mitwisser bezichtigt. Wahr oder Schutzbehauptung? Das ist noch unklar.
Wieso der IS-Mann überhaupt in der Lage war, sich das Leben zu nehmen, muss nun ermittelt werden. BILD erfuhr: Er wurde nicht durchgehend überwacht, nur in Intervallen von etwas unter einer Stunde.
Details sollen am heutigen Donnerstagvormittag, 11 Uhr, auf einer Pressekonferenz in der Dresdner Staatskanzlei bekanntgegeben werden. ARD-Informationen zufolge erhängte sich der Terrorverdächtige zwischen 20:30 und 21:00 Uhr in seiner Zelle.
Sein Anwalt macht der JVA Leipzig schwere Vorwürfe. Sein Mandant sei stark suizidgefährdet gewesen und hätte unter ständiger Beobachtung stehen müssen. Der Anwalt dachte, sein Mandant sei „einer der bestbewachtesten Gefangenen in Deutschland“.
Der Pflichtverteidiger Alexander Hübner äußerte am Donnerstagmorgen bei MDR SACHSEN scharfe Kritik an der sächsischen Justiz: „Ich bin fassungslos, da ich davon ausgegangen bin, dass mein Mandant – jedenfalls zur Zeit – als einer der bestbewachtesten Gefangenen in Deutschland gelten konnte.“ Hübner sagte, den Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalt sei das Suizidrisiko des Beschuldigten bekannt gewesen. Alexander Hübner: „Für jemanden, der sich im Hungerstreik befindet und als suizidgefährdet gelten konnte, gibt es allein auf Grund der Gesamtumstände besonders gesicherte Haftumstände. Da gibt es besonders gesicherte Hafträume in den JVAs, die auch mit Kameras bewacht sind. So etwas in der Art hätte ich mir jetzt vorgestellt. Aber anscheinend hat das nicht stattgefunden.“
„Al Bakr hatte bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert“, sagte Hübner dem Focus. Hübner sprach von einem „Justizskandal“. Noch am Mittwochnachmittag habe ihm der stellvertretende JVA-Leiter telefonisch versichert, dass der in Einzelhaft sitzende Al Bakr „ständig beobachtet“ werde. Hübner sagte weiter, dass der Terrorverdächtige sich seit seiner Festnahme im Hungerstreik befand. Er habe seit Montag nichts gegessen und getrunken. Er hätte der Polizei wichtige Hinweise zu den Hintermännern des geplanten Terroranschlags auf einen der Berliner Flughäfen geben können.


