Reportage
Volker Tabaczek: Nach geplatzter Seebrücke nun Diamanten?

Im Rathaus Kühlungsborn hat man den vermeintlich reichen Gönner Volker Tabaczek (56) aus Steinhagen Negast bei Stralsund, der in Deutschlands größtem Ostseebad eine 500 Meter lange Seebrücke in die Ostsee hinein mit Unterwasserrestaurant im Wert von 50 Millionen Euro zu bauen versprach, schon seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Bürgermeister Rainer Karl kann den Besuchern nur noch ein Projektbild „Paradise Island“ präsentieren, das Tabaczek von seiner Seebrücke als Fata Morgana zurückließ. In Kühlungsborn zog Katerstimmung ein, wie Berlin Journal berichtete. Von dem vermeintlichen Chef einer reichen amerikanischen Stitung Mount Whitney Trust in Las Vegas fehlt in Kühlungsborn jede Spur. Karl sagte dem Mitteldeutschen Rundfunk MDR: „Und nun ist er weg. Seit einem Jahr habe ich ihn nicht mehr gesehen und auch nicht gehört und auch keinen Schriftverkehr, er ist einfach weg.“
Dafür traf der MDR den einstigen Thüringer Radrennfahrer, der nach der politischen Wende Finanzberater wurde, vor kurzem im Amtsgericht Stralsund an, wo Anleger, die sich von ihm betrogen fühlen, versuchten, in sein Vermögen zu vollstrecken. Tabaczek hatte ihnen lukrative Geschäfte mit Bankgarantien oder kurzfristigen Bankschuldverschreibungen versprochen. „Das Problem ist, diesen Bankgarantienhandel gibt es nicht, davor wird seit 25 Jahren gewarnt“, erläuterte Anlegerschutzanwalt Christian Röhlke aus Berlin gegenüber MDR-Reporterin Birgit Mittwoch.
Nach Recherchen des MDR-Magazins Exakt sollen rund 40 Privatleute noch auf ihr Geld von Tabaczek warten. Es geht um rund fünf Millionen Euro, bei denen eine versprochene Kapitalvermehrung ausblieb. Auch auf die Rückzahlung warten die Anleger vergeblich. Die meisten geprellten Anleger kommen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen.
In Berlin hat sich eine Geschädigtengemeinschaft Tulpe 263 gebildet. Ein Mitglied dieser Gemeinschaft hat vor kurzem vor dem Landgericht Berlin gegen Volker Tabaczek und seinen Berliner Kompagnon und laut Visitenkarte Finanzchef der amerikanischen Mount Whitney Group Michael Rudolf (der eigentlich in seinem Rudower Privathaus Monteurszimmer vermietet) ein Urteil zur Rückzahlung ihres an die Mount Whitney Group gezahlten Geldes erstritten (Az: 31O101/15). Tabaczek und der Finanzchef Rudolf konnten dem Berliner Gericht keinen Nachweis über den Verbleib des Geldes vorlegen.
Inzwischen gibt es mehrere Strafanzeigen gegen Volker Tabaczek und weitere Beteiligte. Die Staatsanwaltschaft in Berlin ermittelt bereits seit zwei Jahren unter dem Aktenzeichen 244 Js 1768/14. Der Berliner Staatsanwaltssprecher Martin Steltner sagte dem MDR: „Wir ermitteln auf Grund von fünf Strafanzeigen, wir gehen jetzt von mindestens 39 Geschädigten aus. Und die Ermittlungen, die gestalten sich ziemlich aufwändig und ziemlich langwierig und zwar aus mehreren Gründen. Wir haben undurchsichtige Geldflüsse, die wir aufklären müssen, wir haben teilweise die Beteiligung von ausländischen, auch Briefkastengesellschaften. Und die Geschäftsunterlagen sind nicht vollständig vorhanden.“
Die MDR-Reporterin Birgit Mittwoch sprach Tabaczek in einer Verhandlungspause im Amtsgericht Stralsund, wo es um eine einstweilige Verfügung ging, an: „Wir haben ein paar Fragen an Sie? Wann zahlen Sie den Anlegern ihr Geld aus?“
Volker Tabaczek: „Ich werde keine Antwort geben. Machen Sie die Kamera aus.“
Tabaczek ist bereits einschlägig vorbestraft.
Am 4. Juli 2007 verurteilte ihn das Landgericht Cottbus zu einer Strafe von einem Jahr und elf Monaten auf Bewährung mit einer Verlängerung der Bewährungszeit bis zum 27. November 2012 wegen Betruges (LG Cottbus – 22 KLs 1/07). Wie der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net berichtete, hatte die US Financial Group, in deren Namen Tabaczek tätig war, zwei Jahre zuvor mit dem Fußballverein FC Energie Cottbus e.V. einen Darlehensvertrag über 1,5 Millionen Euro abgeschlossen und noch einmal 2,2 Millionen Euro angeboten zu besorgen, wenn der Verein vorab 300.000 Euro zahle. Tabaczek soll das Vereinsgeld genommen haben, obwohl er gewusst habe, dass die von ihm vertretene US Financial Group überhaupt nicht solche Mittel aufbringen konnte.
Tabaczek focht das Urteil ein und zog bis vor den Bundesgerichtshof. Der BGH (5. Strafsenat in Leipzig) bestätigte am 27. November 2008 das Urteil aus Cottbus und auch die Cottbuser Urteilsbegründung, dass Tabaczek „in einer Scheinwelt lebend sich selbst als seriöser Finanzberater betrachtete“ (Az 5 StR 96/08).
Die von Tabaczek aufgebaute Scheinwelt brachte ihn schließlich noch während seiner Bewährungszeit im Dezember 2009 für mehr als zwei Jahre bis zum März 2011 in eine karge Zelle ins Untersuchungs-Gefängnis von Abu Dhabi.
Wie kam er in diese Gefängnis-Zelle in den Vereinigten Arabischen Emiraten hinein?
Tabaczek wurde in der Central Bank in Abu Dhabi beim Abschluss eines Investmentvertrages verhaftet. Hintergrund war eine mutmaßliche Betrugshandlung mit einem Vertrag über 7,2 Milliarden Euro zu Lasten von iranischen Staatsbürgern. Verhaftet wurde ebenfalls Heiko Ballhorn, der als Übersetzer tätig war (Rechtsanwalt Ballhorn aus München ist der Vater). Bei dieser mutmaßlichen Betrugshandlung trat Volker Tabaczek mit einer Eurofinance Europe Trade (EET) und einer Mount Whitney Management Corp. auf. Es ging um angebliche 72 Paletten Gold zu je 100 Millionen Euro Kapital, die von einem Dr. Iradi Hazrati von der Appex Austria aus Graz in Österreich und einem Alireza Rostami von der Firma Morteza Baniensan aus Shiraz im Iran auf eine neues joint venture im Rohstoffhandel übertragen werden sollten, bei der Volker Tabaczek Generalbevollmächtigter war. Nach der Verhaftung platzte der Deal. Die Vorwürfe wogen offenbar so schwer, dass ihn die Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate trotz Intervention des deutschen Außenministeriums in U-Haft behielten.
Und warum er überhaupt im Gefängnis saß, dafür präsentierte Tabaczek später in Deutschland folgende Legende. Tabaczek überzeugte in dieser Sache viele Gutgläubige mit der Beauptung, er hätte für die Deutsche Bank AG ein Rechtsgeschäft (ein Goldgeschäft) abwickeln sollen. Ihn habe der damalige Vorstandsvorsitzende Rolf Breuer „in die Pfanne gehauen“. Daher hätte er eine längere Zeit unschuldig im Gefängnis verbracht.
Das Berlin Journal bat Tabaczek vor wenigen Tagen um Antworten zu seinem Gefängnishaufenhalt: Sehr geehrter Herr Tabaczek, im Rahmen der Berichterstattung über Ihren Investmentvertrag im Zusammenhang mit Morteza Baniensan und Appex Austria vom 22. Oktober 2009 haben wir einige Fragen an Sie:
- Um welche Energierohstoffe handelte es sich, und wo sollten diese gekauft beziehungsweise verkauft werden? Welche Profite versprachen Sie sich von dem weltweiten Rohstoffhandel, und haben Sie besondere Referenzen, so dass dieser Rohstoffhandel besonders ertragreich sein sollte?
- Warum sollte Ihr eigenes Unternehmen, die MOUNT WHITNEY MANAGEMENT CORP., kein eigenes Kapital zu der Investition hinzusteuern?
- Ein Vorhaben derartiger Größe muss lange im Voraus geplant werden. Wann haben Sie mit Ihren Planungen begonnen, und warum wurde der Investment-Vertrag nicht abgeschlossen in Verbindung mit den renditestarken Rohstoffen?
- Weshalb wurde der Vertrag im weit entfernten Abu Dhabi abgeschlossen, und in welchem Zeitraum sollte das Projekt realisiert werden? Da die Partnerschaft keine zeitliche Begrenzung beinhaltete, muss sie auf ein konkretes Ziel abgestimmt worden sein. Welches finanzielle Ziel haben Sie sich gesetzt und versucht, durch den Rohstoffhandel zu erzielen?
- Haben Sie vergleichbare Projekte in den vergangenen Jahren mit der MOUNT WHITNEY MANAGEMENT CORP. begleitet?
- Haben Sie selbst den gesagten Betrag von 7,2 Milliarden Euro in Augenschein genommen?
- Ist ein ähnlicher Investmentdeal nach Ihrem Gefängnisaufenthalt zustande gekommen?
- Woher beziehen Ihre Kooperationspartner die Summe von 7,2 Milliarden Euro und können diese ohne Weiteres Ihnen zur Verfügung stellen?
- Haben Sie sich beim Bundesministerium für Wirtschaft nach der Durchführbarkeit der Transaktion und des Investments erkundigt?
- War Ihnen bewusst, dass bei einem Investment derartiger Größe viele Staaten schnell beunruhigt werden könnten und sich einer unmittelbar bevorstehenden Wirtschaftskrise ausgesetzt sahen?
- Warum haben Sie sich mit Ihrem Vorhaben im Jahr 2009 nicht an die Öffentlichkeit gewandt?
- Hinter welchem Hintergrund haben Sie die Erträge und Honorare aufgeteilt?
- Warum war die Geheimhaltung des Vertrages ausdrücklich gewünscht, wie es dem Vertrag entnommen werden kann unter §10?
- Hatten Sie die Befürchtung, dass die deutsche Regierung Ihnen unterstellen könnte, den Terrorismus auf der arabischen Halbinsel durch die riesige Geldsumme zu unterstützen und dass Sie somit einen größeren Krieg auslösen könnten?
- War Ihnen bewusst, dass die Geheimhaltung von einem 7,2 Milliarden Euro Deal schnell einen Verdacht auf Kriminalität bei den Behörden auslösen kann?
Volker Tabaczek antwortete nicht.
Im März 2011 schoben die Scheichs den unliebsamen Deutschen einfach ab in seine Heimat. Abgemagert und ohne Zähne, aber mit einer neuen genialen Idee. Einem neuen Beutezug in Deutschland. Genug Zeit zum Nachdenken hatter er ja. Er dachte an die US-Firmen und was man alles damit machen kann…
Er behauptete einfach ein Bankgarantieprogramm mit Zinsen von 20 % und mehr im Monat. Sammelte Geld und ließ es sich in die USA überweisen.

Vier Jahre sind nach dieser Sache vergangen. Wir sind im Jahr 2015 angekommen und stehen nun zusammen mit Volker Tabaczek und seiner Frau am Nacktbadestrand von Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern. Volkers Haar ist dicht, die Zähne, die doch im Untersuchungsgefängnis in Abu Dhabi gelitten haben, sind wieder strahlend weiß. Die letzten Jahre waren gut. Die Mount Whitney Nummer hat geklappt. Millionen sind in den USA auf den Konten der Treuhandfirmen. Es ist Zeit für Zukunftspläne. Erst mal ein Sahnegrundstück direkt am Strand von Kühlungsborn kaufen, dann eine große Villa bauen. Deren Name: Villa Sofie; Namensträger ist seine Gattin, Sofie Schützeichel aus Gräbendorf bei Berlin.
Volker Tabaczek hatte von da an bis zum Ende 2015 drei wichtige Termine: Er hat in Nevada/ USA einen Diamanten-Handel gegründet (ein Treuhänder hat das für ihn getan) und schicke Prospekte drucken lassen. Ab 2016 soll angeblich in Diamanten investiert werden. Die Firma ist wieder eine Stiftung und heißt: On the Rockz Diamond Trust. Diese Gesellschaft soll eine typische Konstruktion des Volker Tabaczek sein. Es handelt sich um eine vermögenslose, treuhandgeführte Gesellschaft nach dem Recht des Staates Nevada/USA. Wirtschaftlich zuzurechnen ist diese ausschließlich Volker Tabaczek. In der eigenen Darstellung heißt es bereits jetzt: „On the rockz diamond trust profitiert von der Kernkompetenz seiner Akteure, hochpreisige Investment Diamanten, deren Preis weit unter dem sonst üblichen Endkundenpreis liegt…“
Eine Kompetenz des Volker Tabaczek oder besondere Handelsbeziehungen in Sachen Diamanten konnte weder von Zeugen noch durch Urkunden nachgewiesen werden. Das Projekt befindet sich in der Konzeptionsphase. Die Behauptung des Volker Tabaczek, er habe diesen Trust zusammen mit Ido Idzkovich gegründet, konnte nicht bestätigt werden. Dieser Herr soll laut Tabaczek ein berühmter Diamantenhändler sein. Ursprünglich sollte auch eine „Diamantenbank“ gegründet werden.
Zweiter wichtiger Termin im Jahr 2015: Jetzt noch schnell nach Hamburg zu einem renommierten Stadtplaner und für ein paar Euro Vorkasse eine fantastischen Zeichnung machen lassen. Eine Seebrücke Kühlungsborn für dutzende Millionen Euro lässt er zeichnen und planen.
Dritter Termin im selben Jahr: Und dann mit dem Porsche 911 zum Bürgermeister Rainer Karl nach Kühlungsborn fahren. Der Bürgermeister ist glücklich: Endlich passiert etwas. Ein Investor will Geld in die Hand nehmen und der Stadt helfen. Volker Tabaczek grinst: Mit der Empfehlung von Bürgermeister Karl in der Hand öffnen sich die Türen zu den Schönen und Reichen. Das Planungsverfahren dauert ja lange. Derweil kann Volker Tabaczek Investoren suchen für die Diamanten, die es wohl leider gar nicht gibt.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln – aber es ist schwierig. Wie Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, schon sagte: „Die Ermittlungen, die gestalten sich ziemlich aufwändig und ziemlich langwierig“.


