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Reportage

Pfarrer wirft AfD Missbrauch des Christentums vor

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Pfarrer Manfred Rekowski AfD Christentum
Laut Pfarrer Manfred Rekowski widerspricht die AfD-Ideologie dem christlichen Glauben. Denn Flüchtlinge seien auch Menschen. (Screenshot: YouTube)

Nach Ansicht des Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, missbraucht die AfD das Christentum, um ihre Ideologie zu rechtfertigen. Doch tatsächlich widerspreche die AfD-Ideologie dem biblischen Menschenbild.

Pfarrer Manfred Rekowski AfD Christentum
Laut Pfarrer Manfred Rekowski widerspricht die AfD-Ideologie dem christlichen Glauben. Denn Flüchtlinge seien auch Menschen. (Screenshot: YouTube)

Der leitende Geistliche der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Manfred Rekowski (58), wirft der Alternative für Deutschland (AfD) eine Instrumentalisierung des christlichen Glaubens vor.

Wenn die Partei in ihrem Programm die deutsche Leitkultur aus der religiösen Überlieferung des Christentums herleite, dann versuche sie, damit „auf abstruse Weise, die eigene Ideologie christlich zu begründen“, zitiert ihn die Welt.

Nach Ansicht des leitenden Theologen der zweitgrößten deutschen Landeskirche besteht die „Ideologie“ der AfD „aus einer Mischung von völkischem, nationalem Denken und dem, was man für abendländische Kultur hält, bis hin zum konservativen Familienbild der 50er-Jahre“.

Doch eine solche Ideologie hält Pfarrer Manfred Rekowski für unchristlich. „Im Widerspruch dazu steht das biblische Menschenbild, nach dem jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, natürlich auch der Flüchtling.“

Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ im Grundgesetz knüpfe an dieses jüdisch-christliche Menschenbild an. Es heiße dort wohlweislich nicht „Die Würde des Deutschen ist unantastbar“, so der rheinische Präses, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Wie kürzlich der SPD-Politiker Martin Schulz so vertritt auch Pfarrer Manfred Rekowski den Standpunkt, dass es im Hinblick auf die inhaltlichen Positionen rechtspopulistischer Parteien und ihrer Repräsentanten „vielfach nur klare Kante“ geben könne, „weil wir einen völligen Dissens haben“.

Das Parteiprogramm der AfD und deren Funktionäre müsse man aber von den Sympathisanten und potenziellen Wählern der Partei unterscheiden. „Ich glaube nicht, dass alle, die AfD wählen, rechtsextrem eingestellt sind“, so der Geistliche.

Er wolle deshalb noch besser verstehen, was der „Resonanzboden“ für die rechtspopulistische Haltung in Teilen der Bevölkerung sei. „Wir müssen uns mit diesen Menschen auseinandersetzen, die es ja auch bei uns in der Kirche gibt.“

Die Parteien müssten im Bundestags-Wahljahr 2017 „die Themen aufgreifen, die die Menschen wirklich bewegen, zum Beispiel die Frage sozialer Gerechtigkeit“. Sonst werde „den Bürgern der fatale Eindruck vermittelt, dass die Entscheidungsträger ihre Welt nicht mehr kennen und sie nicht verstehen“.

Kritisch äußerte sich Manfred Rekowski zu den AfD-Kandidaturen eines pensionierten Pfarrers und eines Presbyters (Kirchenvorsteher) der rheinischen Kirche bei den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen im kommenden Mai.

„Bei Äußerungen oder Handlungen, die in deutlichem Widerspruch zur christlichen Botschaft stehen, grenzen wir uns konsequent ab“, sagte der rheinische Präses. Dem Ruhestandspfarrer habe man bereits „in aller Deutlichkeit das Nötige mitgeteilt“.

Für mögliche disziplinarische Maßnahmen müsse man aber jeden Einzelfall prüfen. Im Jahr 2014 hatte die rheinische Kirche entschieden, dass Maria Demann wegen ihrer Kandidatur für die Partei „Pro NRW“ ihr Amt als Presbyterin (Kirchenvorsteherin) aufgeben musste.

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