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„Nur für Deutsche“: German Security soll 2 Syrer an Disko in Oranienburg abgewiesen haben

Von Thomas Breithaupt · · 7 Min. Lesezeit

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"Es ist nur für Deutsche", mit diesen Worten soll der Sicherheitsdienst der German Security zwei syrische Flüchtlinge, beide 36, von der Disko 80er Party im Oranienburger Oranienwerk abgewiesen haben (Foto: Onlineauftritt Orienwerk)
"Es ist nur für Deutsche", mit diesen Worten soll der Sicherheitsdienst der German Security zwei syrische Flüchtlinge, beide 36, von der Disko 80er Party im Oranienburger Oranienwerk abgewiesen haben (Foto: Onlineauftritt Orienwerk)
"Es ist nur für Deutsche", mit diesen Worten soll der Sicherheitsdienst der German Security zwei syrische Flüchtlinge, beide 36, von der Disko 80er Party im Oranienburger Oranienwerk abgewiesen haben (Foto: Onlineauftritt Orienwerk)
„Es ist nur für Deutsche“, mit diesen Worten soll der Sicherheitsdienst der German Security zwei syrische Flüchtlinge, beide 36, von der Disko „80er Party“ im Oranienburger Oranienwerk abgewiesen haben (Foto: Onlineauftritt Oranienwerk, Tanzsaal)

„Es ist nur für Deutsche offen“, seien die beiden Syrer Hani Ghathith und Mohamad Almasri (beide 36) aufgrund ihres Aussehens vom Sicherheispersonal der German Security aus Falkensee (Havelland) am vergangenen Samstagabend, dem 2. April 2016, gegen 20 Uhr an der Disko im Oranienwerk, einem ehemaligen Kaltwalzwerk in der Kremmener Straße 43 in Oranienburg, abgewiesen worden, erzählte Hani Ghathith der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) aus Potsdam.

„Sie wurden aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung abgewiesen“, sagt Elena Wiezorreck. Sie ist Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Oranienburg (Landkreis Oberhavel) und hat die beiden Geflüchteten zur Disko gefahren.

Sie hat nicht gewartet, weil sie davon ausging, dass sich die beiden Flüchtlinge, die in einer ehemaligen Kaserne der Nationalen Volksarmee der DDR im Oranienburger Ortsteil Lehnitz mit rund 200 anderen Flüchtlingen hinter dem S-Bahn-Bahndamm am Rand eines zehn Kilometer breiten Waldes (wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen) untergebracht sind, ein paar Stunden amüsieren würden. Angekündigt war DJ Moonlight, der eine 80er Party beschallen und auch die Hits von heute spielen sollte. Eintritt: 5 Euro.

Nach der Party-Ablehnung am Sonnabend hätten sie die am Einlass Wartenden noch nach der Bushaltestelle gefragt. Hani Ghathith sagte der MAZ: „Uns wurde gesagt: go home.“ Geht nach Hause. Nur ein Gast zeigte ihnen den Weg zur Haltestelle.

Der Bus zum S-Bahnhof Oranienburg fuhr aber nur alle Stunde und war gerade weg. Die Syrer gingen in ein benachbartes Restaurant. Hier setzten sie sich an den Tresen, bestellten Bier und erzählten von dem Vorfall. Patrick Neumann war mit seiner Frau ebenfalls zu Gast und bekam die Geschichte mit. „Alle, die zugehört haben, waren sprachlos“, sagte er der MAZ.

Veranstalter der 80er Jahre Disko ist Frank Szymanek, Wirt der Gaststätte Südklause in der Johann-Strauß-Straße 4. Seine Küche sei „deutsch, gut bürgerlich, regional“, heißt es im Internet. Szymanek saß letzten Samstag persönlich an der Kasse. Er will von dem Vorfall nichts mitgekommen haben. Er habe nichts gegen Ausländer, in der Vergangenheit hat er auch Russen zu der Motto-Party reingelassen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so passiert ist“, sagte er auf MAZ-Nachfrage. Nach seiner Beobachtung hätte nicht ein Flüchtling seine Veranstaltung besucht. „Nur Stammpublikum.“ Es sei ein ruhiger normaler Abend gewesen. Auf weitere Nachfragen reagierte er ungehalten. „Mir ist das alles auch egal, ich will mit der ganzen Scheiße nichts zu tun haben, mein Stammpublikum im Restaurant regt das alles schon genug auf.“

Bislang fanden die Parties immer im Kulturhaus Friedrich Wolf  im Oranienburger Ortsteil Lehnitz statt. Dort in Lehnitz ist auch die verlassene Kaserne, in die die Flüchtlinge untergebracht wurden.

Szymanek veranstaltete die Disko in diesem Jahr nun erstmals in der Oranienburger Altstadt, mietete den Tanzsaal des Oranienwerks von Eigentümer Christoph Miethke,  Miethke Immobilien aus dem Ulanenweg 2 in Potsdam.

Manager des Oranienwerks ist Marco Bartsch. „Das entspricht ganz und gar nicht unserer Hausphilosophie“, sagte er. „Wir arbeiten immer gut mit Flüchtlingen zusammen und sind gegen jede Form von Radikalem.“ Mit der Südklause hat das Oranienwerk erstmalig zusammengearbeitet. „Das ist uns eine Lehre“, so Marco Bartsch.

Bereits am nächsten Tag zog er Konsequenzen.

Künftig müssen Veranstalter, die Räume des Hauses nutzen, einen Punkt der Hausordung extra unterschreiben. Das sagte Bartsch dem Oranienburger Generalanzeiger (OGA). In dem Passus sei festgehalten, dass das Oranienwerk ein offenes Haus für Besucher jedweder Herkunft ist und die Würde des Menschen zu achten ist. Er wolle auch nur noch mit ihm bereits bekannten Veranstaltern zusammenarbeiten, kündigte Bartsch an.

Marco Bartsch ließ offen, ob es wieder eine 80er-Jahre-Party von Frank Szymanek im Oranienwerk geben werde. Bartsch hat am Dienstag mit Szymanek über den Vorfall gesprochen. Er habe ihm nahegelegt, künftig eine andere Sicherheitsfirma zu beauftragen, sagte Bartsch. Eine Abweisung durch Türsteher habe es im Oranienwerk zuvor nicht gegeben. „Das bleibt hoffentlich ein einmaliger Vorgang“, so Bartsch.

Tatsächlich ist die Abweisung von Gästen wegen deren Herkunft eine Verletzung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, sagt Anne Brügmann von der Antidiskriminierungsstelle der Potsdamer Opferperspektive dem OGA. Sie rät dem Veranstalter zu einem Gespräch mit der Sicherheitsfirma über das Gleichbehandlungsgesetz. Die beiden abgewiesenen Gästen könnten gegen die Diskriminierung an der Tür klagen. „Es muss Druck ausgeübt werden, damit Firmen merken, dass wir uns so etwas nicht gefallen lassen“, fordert Brügmann. Veranstalter seien verpflichtet, einen diskriminierungsfreie Türpolitik durchzusetzen.

Das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Neuruppin, das auch für Oberhavel zuständig ist, berichtet, dass es bei Veranstaltungen vermehrt zur Abweisung ausländischer Besucher komme. Das betreffe nicht nur Partys und Tanzveranstaltungen, sondern zum Beispiel auch Fitnessstudios, so Anne Brügmann weiter.

German Security ist eine große Nummer in Berlin und Brandenburg

German Security-Geschäftsführer Christian Hecht legt wert auf Qualität. Seine Mitarbeiter müssen eine dreijährige IHK-Ausbildung absolvieren. German Security ist seit 17 Jahren im Einsatz und der einzige Wachdienst im Havelland mit Schusswaffenberechtigung.

German Security aus Falkensee (dazu gehört auch die Frau in roter Hose) sorgten letztes Jahr für die Sicherheit von Dieter Bohlen bei der Eröffnung der Europazentrale der Berliner Modefirma Clinton (Camp David) in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin (Foto: Facebook German Security)
German Security aus Falkensee (dazu gehört auch die Frau in roter Hose) sorgten letztes Jahr für die Sicherheit von Dieter Bohlen bei der Eröffnung der Europazentrale der Berliner Modefirma Clinton (Camp David) in Dahlwitz-Hoppegarten bei Berlin (Foto: Facebook German Security)

Hechts Leute passten auf Dieter Bohlen (Deutschland sucht den Superstar, DSDS, auf RTL) auf, als der am 13. Juli 2017 als Markenbotschafter für die Berliner Herrenmodekollektion Camp David der Berliner Brüder Jürgen, Hans-Peter und Thomas Finkbeiner und deren Firma Clinton die neue Europazentrale an der Pferderennbahn in Dahlwitz-Hoppegarten vor den Toren Berlins mit einer Karaoke-Live-Casting-Show eröffnete.

German Security bewacht das Bezirksamt Berlin Spandau, die Capital Beachbar am Berliner Hauptbahnhof und die Beachbar Auqanario Sommerwelt am Potsdamer Platz, die Ostermärkte und Oktoberfeste am Alexanderplatz. Zum Schutz vor Einbrüchen fährt German Security Streife in Falkensee, Nauen, Hohen Neuendorf, Brieselang, Schönwalde-Glien, Wustermark und Oberkrämer. Für den deutschen Marktführer, die in Stockholm in Schweden ansässige Securitas AB, übernimmt German Security im Bereich Havelland Alarmfahrten.

Christian Hecht bestritt den Oranienburger Disko-Vorfall

Seine beiden Mitarbeiter könnten sich nicht erinnern, zwei syrische Besucher abgewiesen zu haben, sagte Hecht dem OGA. Der Geschäftsführer sagte auch, es habe bereits einmal einen ähnlichen Vorwurf gegen Mitarbeiter von ihm gegeben.

Das bestätigt auch das Mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus in Potsdam. Es habe in der Vergangenheit Hinweise gegeben, dass die Firma rechtsextreme Mitarbeiter beschäftige.

Gescheiterte Integration?

Für Hani und Mohamad war der Abend eine weitere Enttäuschung. „Wir versuchen, Kontakt zu den Oranienburgern aufzunehmen, aber werden meist abgelehnt“, so Hani. Andere Syrer aus ihrer Notunterkunft würden gar nicht mehr raus gehen. „Sie haben Angst vor Rechten“, erzählt der 36-Jährige. Mohamad fügt hinzu: „Wir sind sehr enttäuscht und hatten gehofft, hier besser aufgenommen zu werden.“

Für ihn und Hani scheitert der Integrationsgedanke – trotz guter Arbeit der Willkommensinitiative – an alltäglichen Diskriminierungen. „Wir spüren, dass wir in Oranienburg nicht willkommen sind“, sagt Hani.

Die Oranienburger Bürgerinitiave „Nein zum Heim in Oranienburg“, gemeint ist ein Flüchtlingsheim in der Ex-Karserne Lehnitz, gab der mutmaßlichen Abweisung der Syrer durch zwei Mitarbeiter von German Security auf Facebook Recht: „Grundsätzlich gilt bei Veranstaltungen aber auch das Hausrecht, entsprechend können Personen abgewiesen werden. Wir gehen mal davon aus, dass diese beiden Herren nach der Erfahrung der Türsteher nicht zur Ruhe der Veranstaltung beitragen und daher abgelehnt wurden.“

Die Oranienburber Bürgerinitiave „Willkommen in Oranienburg“ und das Netzwerk der christlichen Kirchen und Gemeinden in der Stadt Oranienburg laden Syrer und Deutsche am 11. April 2016 um 15 Uhr zu Kaffee und Keksen zum Kennenlernen ins Cafe International im Gemeindehaus der Herz-Jesu-Kirche in die Augustin-Sandtner-Straße 3 in Oranienburg ein. Eine Disko gibt es dort nicht.

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