Reportage
Merkels (CDU) „Wir schaffen das!“ stammt ursprünglich von Sigmar Gabriel (SPD)

Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (56, SPD) lässt zur Zeit kaum eine Gelegenheit aus, um mit dem Finger auf die CDU zu zeigen und immer wieder die unzureichende Umsetzung von Angela Merkels (62, CDU) Satz am 31. August 2015 auf der Bundespressekonferenz in Berlin zur Massenflucht „Wir schaffen das!“ zu kritisieren.
Dabei stammt der Satz von ihm selbst, Merkel hat ihn nur aufgegriffen. Gabriel hat gut eine Woche vor Merkel am 22. August 2015 in einem Video-Podcast zur Flüchtlingskrise verbreitet: „Ich bin sicher. Wir schaffen das!“
Gabriel fragte in dem Video: „Wenn Deutschland es nicht schafft, diesen Menschen eine neue Heimat zu geben, wer soll es dann eigentlich schaffen?“ Und gibt im selben Video folgende Antwort: „Frieden, Menschlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit, das zählt zu den europäischen Werte, jetzt müssen wir sie unter Beweis stellen. Ich bin sicher: Wir schaffen das.“
In dem Video lobt Gabriel die Arbeit der freiwilligen Helfer und der Behörden. Er beschwört die Kraft des Staates: „Wir sind ein starkes Land mit großer Mitmenschlichkeit. Ich finde, wir haben alles, was wir brauchen, um auch dieser großen Zahl an Menschen eine neue Heimat, eine sichere Heimat geben zu können; und übrigens ohne dass jemand, der bereits in Deutschland lebt, darunter leiden müsste.“
In dem selben Podcast verdammte er, wenn einer in dieser Sache mit dem Finger auf den anderen zeigt. Gabriel erklärt in dem fünfminütigen Podcast weiter: „Was wir nicht brauchen, sind politische Schuldzuweisungen oder Fingerzeigen von dem einen auf den anderen. Wir müssen das gemeinschaftlich machen und Mut machen, dass wir das hinkriegen.“
Aber genau die Schuldzuweisungen und mit dem Finger auf andere zeigen tut Gabriel nun laufend.
Im ZDF-Sommerinterview am vergangenen Wochenende kritisierte Gabriel die CDU mit den Worten: „Die Union hat die Herausforderungen unterschätzt, und wir haben immer gesagt, es ist undenkbar, dass wir in Deutschland jedes Jahr eine Million Menschen aufnehmen.“ Es reiche nicht, ständig zu sagen „Wir schaffen das“. Vielmehr müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, „dass wir es auch hinkriegen“ – das aber habe die CDU/CSU „immer blockiert“, behauptete Gabriel.
Im ARD-Sommerinterview am 7. August 2016 kritisierte der SPD-Chef die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin: „Es ist viel Zeit vergeudet worden, die wir hätten besser nutzen können. Denn einfach nur sagen ‚Wir schaffen das‘, reicht ja nicht. Man muss es auch machen.“
Im Interview mit der Funke-Mediengruppe sagte Gabriel vor wenigen Wochen: „Einfach mal sagen ‚Wir schaffen das‘, und dann die Sache einfach laufen lassen, ist ein großer Fehler gewesen.“


