Reportage
Margot Honecker (89) starb in Chile an Krebs

Margot Honecker ist tot. Seit 1992 lebte die einstige DDR-Volksbildungsministerin und Witwe von Erich Honecker in Chile. Sie starb gestern im Alter von 89 Jahren in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus dem Kreis ihrer Familie erfuhr. Die Witwe von Erich Honecker, dem ehemaligen DDR-Partei- und Regierungschefs, erlag demnach einem Krebsleiden.
Die Trauerfeier findet heute um 15 Uhr deutscher Zeit auf dem Friedhof Parque del Recuerdo in der chilenischen Hauptstadt Santiago stattfinden. Ihr Leichnam soll anschließend am Montag eingeäschert werden statt.
Auch ihr 1994 im Alter von 81 Jahren in Santiago gestorbener Mann wurde in Chile eingeäschert und die Asche danach seiner Frau Margot übergeben. Erich Honecker starb an Leberkrebs.
Margot Honecker wurde am 17. April 1927 als Tochter eines Schusters und einer Matratzenfabrikarbeiterin in Halle an der Saale als Margot Feist geboren. Sie arbeitete vor ihrer politischen Karriere als Stenotypistin beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund FDGB, Landesvorstand Sachsen-Anhalt.
Die Arbeit brachte sie mit dem einstigen Dachdeckerlehrling und Sohn eines Bergarbeiters aus dem Saarland (Neunkirchen) Erich Honecker zusammen, der die Freie Deutsche Jugend FDJ mitbegründete und ihr Vorsitzender wurde. Honecker betrog mit Margot seine zweite Ehefrau Edith Baumann. Im Dezember 1952 brachte Margot Feist ihre Tochter Sonja zur Welt.
Der damalige SED-Generalsekretär Walter Ulbricht drängte auf eine Scheidung Honeckers. 1953 heirateten Margot und Erich Honecker.

1963 wurde Margot Honecker Ministerin für Volksbildung der DDR. Unter anderem war sie maßgeblich am Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem beteiligt.
1978 führte sie den Wehrunterricht mit Ausbildung an der Waffen und Wehrlagern für Schüler der 9. und 10. Klassen ein. Dabei setzte sie sich über den Widerstand der Kirchen und vieler Eltern hinweg.
Am 29. Januar 1990 morgens wurde Erich Honecker in der Charite verhaftet. 1991 flohen die Honeckers nach Moskau. Beide mussten aber noch im selben Jahr nach Deutschland zurückkehren, wo Erich Honecker der Prozess wegen der Mauertoten gemacht wurde. Das Verfahren wurde später eingestellt. Margot Honecker siedelte 1992 nach Chile über, wo bereits ihre Tochter wohnte. Ihr Mann folgte 1993.
Seit dessen Tod im Mai 1994 lebte Margot Honecker zurückgezogen am Rand von Santiago de Chile. Bei ihren seltenen Auftritten rechtfertigte sie stets die Politik des SED-Regimes.
Eigentlich lebte sie dort ein bisschen wie in der einstigen Bonzensiedlung Wandlitz bei Bernau. Das Gelände hat ebenfalls eine 2,30 Meter hohe Hecke. Nur, dass kein Wachregiment mehr zur Verfügung stand. BILD beschreibt das Leben in Santiago de Chile so: Es gab „nur einen kleinen runden Wachmann, der ‚Señora Margot‘ über die Straße half, wenn sie im orangefarbenen ‚Kia Picanto‘ zum Samstagskaffee zu Genossen geholt wurde. Oder wenn das Taxi kam, das sie in die ‚Clínica Las Condes‘ brachte, in der 1994 ihr Erich mit 81 an Leberkrebs starb. Früher hatte sie in Ostberlin ihr Regierungskrankenhaus. Nun hatte sie die teuerste Privatklinik Chiles.“
Sie konnte es sich leisten. Jeden Monat überwies der gehasste soziale Einheitsstaat Deutschland 1.600 Euro Rente. Viel Geld in Chile.
Über Erich und ihr altes Land wollte sie zuletzt nicht mehr reden.
Ein Nachbar sagte bei einem BILD-Besuch in 2014: „Sie ist gestraft: einsam in einem fremden Land.“
2015 lehnte sie ein ARD-Interview ab – wegen der Hetze, die die Medien verbreiten würden.


