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Birthler: „Im Osten zählt Sicherheit mehr als Freiheit“

Von Thomas Breithaupt · · 3 Min. Lesezeit

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Marianne Birthler Ostdeutsche Sicherheit Freiheit
„Abgrenzung und Fremdenhass sind zumeist Früchte von Angst, Unsicherheit und einem Mangel an Selbstbewusstsein. Kein Wunder also, dass sie im Osten ein größeres Problem darstellen“, sagt Marianne Birthler. (Screenshot: YouTube)

Die Ostdeutschen schätzen Sicherheit mehr als Freiheit, und Vielfalt nehmen sie als Bedrohung wahr, sagt die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Daher seien sie anfälliger für Populisten.

Marianne Birthler Ostdeutsche Sicherheit Freiheit
„Abgrenzung und Fremdenhass sind zumeist Früchte von Angst, Unsicherheit und einem Mangel an Selbstbewusstsein. Kein Wunder also, dass sie im Osten ein größeres Problem darstellen“, sagt Marianne Birthler. (Screenshot: YouTube)

Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, hat eine Erklärung dafür, warum die AfD in Ostdeutschland mehr Wähler findet als in Westdeutschland. Sie sieht im Osten des Landes einen stärkeren Wunsch nach Sicherheit.

„Im Osten verfangen populistische Parolen stärker, Sicherheit zählt mehr als Freiheit, Vielfalt wird als bedrohlich erlebt“, sagte Marianne Birthler im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung. Zwar gebe diese Wünsche im Westen Deutschlands auch, aber nicht so stark wie im Osten.

Das stärker Bedürfnis nach Sicherheit und die Angst vor Vielfalt hätten mit der ostdeutschen Geschichte zu tun. „Zum Beispiel ist das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, für Menschen mit dunkler Hautfarbe im Osten nach wie größer.“

Auf Nationalsozialismus und Krieg folgte eine neue Diktatur. Und die hinterließ natürlich Spuren. Menschen, die bis 1989 in der DDR lebten, kannten Demokratie und Freiheit allenfalls aus den Westmedien.

In der DDR waren Eigeninitiative und Anderssein verdächtig. Wer den von der SED propagierten Schein-Wahrheiten nicht glaubte, gegen den Strich dachte oder redete, wer einfach nur anders leben wollte als erlaubt, hatte mit Diskriminierungen oder Strafe zu rechnen.

Freies Denken, offene Rede, Toleranz – damit wird ein Mensch nicht geboren, dafür braucht es Ermutigung und Übung. Die Voraussetzungen dafür waren in der DDR denkbar schlecht.

Abgrenzung und Fremdenhass sind zumeist Früchte von Angst, Unsicherheit und einem Mangel an Selbstbewusstsein. Kein Wunder also, dass sie im Osten ein größeres Problem darstellen.

Die Ostdeutschen hätten die Westdeutschen schon immer als überheblich betrachtet. Doch laut Marianne Birthler hat „die weitverbreitete Abneigung gegen den Westen in letzter Zeit eine andere Richtung genommen“. Jetzt seien es vor allem Regierungen, Parlamente und Medien, die die Wut auf sich zögen. Das sei gefährlich.

Die Fähigkeit, auf „zivile Art mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen“, sei die Grundlage eines friedlichen Gemeinwesens. „Wenn Menschen dazu nicht in der Lage sind, schäumt diese unkontrollierte Wut hoch, die uns zu Recht abstößt und Sorgen bereitet. Das ist eine ganz traurige Art von sozialer und kultureller Verwahrlosung.“

Wenn Menschen Politiker heute als „Volksverräter“ beschimpften und Journalisten als „Lügenpresse“, dann ist das nach Ansicht von Marianne Birthler das Gegenteil von dem, was die DDR-Bürgerrechtsbewegung im Jahr 1989 mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ meinte.

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