Reportage
Linke bedrohen Lokalzeitung wegen Gesprächs mit AfD
Die Neuköllner Lokalzeitung „Kiez und Kneipe“ hatte einen AfD-Politiker zum Gespräch eingeladen. Doch nach massiven Gewaltdrohungen aus der linken Szene musste die Veranstaltungsreihe zur Bundestagswahl abgesagt werden.

Die kleine Neuköllner Lokalzeitung „Kiez und Kneipe“ hatte im Rahmen einer geplanten Veranstaltungsreihe zur Bundestagswahl auch einen AfD-Kandidaten eingeladen. Doch daraufhin wurde sie so massiv von Linksaktivisten bedroht, dass sie die komplette Veranstaltung absagen musste.
„Ich bin völlig entsetzt“, sagt der Gründer von „Kiez und Kneipe“, Peter Kaspar, der Welt. „Das geht in Richtung Erpressung.“ Und die Chefredakteurin des Lokalblatts, Petra Roß, berichtet: „Ich wurde am Telefon direkt körperlich bedroht, so in der Art: Pass auf, dass dir nicht mal beim Radfahren etwas passiert.“
Die Zeitung hatte zur Bundestagswahl 2017 geplant, alle Kandidaten des Wahlkreises einzeln in einer Kneipe zu einem Gespräch mit einem Neuköllner Bürger einzuladen. Für den 16. Mai war die Veranstaltung mit dem AfD-Kandidaten Andreas Wild geplant.
„Ausgewählt haben wir Parteien, die einen Sitz in der Bezirksverordnetenversammlung hatten“, sagt Chefredakteurin Petra Roß. Dem AfD-Kandidaten Andreas Wild habe man eine Neuköllner Gesprächspartnerin gesucht, „die wahrlich nicht auf den Mund gefallen ist“. Es hätte also eine sehr demokratische Veranstaltung werden können.
Doch dann erhielt die Lokalzeitung handfeste Drohungen aus der linken Szene, von linken Bündnissen und Gruppen. Auch dem Wirt der Kneipe, wo das Gespräch stattfinden sollte, legten die Linksaktivisten nahegelegt, sich zurückzuziehen.
Außerdem riefen Linksaktivisten die Werbepartner der Zeitung zum Boykott auf. „Ein Anzeigenkunde ist bereits abgesprungen und nannte diesen Aufruf als Begründung“, so die Chefredakteurin. Das Lokalblatt sah seine wirtschaftliche Existenz bedroht und musste daher die gesamte Veranstaltungsreihe sowie die geplante Sonderausgabe zur Bundestagswahl absagen.
Für Peter Kaspar, der das Lokalblatt im Jahr 2004 gründete, war der Vorfall eine Erpressung. Die Hälfte seiner Anzeigenkunden hätte er verlieren können, weil sie vielleicht selbst Angst gehabt hätten, dass ihnen etwas passiert. „Nun benehmen sich die Antifaschisten wie Faschisten.“


