Reportage
Kleingartenanlage will nicht noch mehr Migranten
Die Kolonie „Frieden“ in Mariendorf hat bereits einen Migrantenanteil von 25 Prozent. Mehr Migranten will der Kolonievorstand nicht aufnehmen. Doch nun wollen sich zwei Türken juristisch in die Kleingartenanlage hineinklagen.

Die Kolonie „Frieden“ an der Gottlieb-Dunkel-Straße in Mariendorf hat zwei türkische Familien aus Berlin Kreuzberg abgelehnt, die sich dort als Pächter beworben hatten. Der Grund ist, dass die Kleingärtner keine weiteren Migranten in ihrer Kleingartenanlage wollen. Doch die Türken wollen sich nun gerichtlich in die Kolonie einklagen.
Am Mittwoch sagte ein Mitglied des Kolonie-Vorstands, dass man den Anteil der Pächter nicht-deutscher Herkunft nicht erhöhen möchte. Dieser liege derzeit bei 25 Prozent. „Das soziale Gleichgewicht muss in der Waage liegen“, zitiert ihn der Tagesspiegel. Da bekomme er von den Nachbarn schon mal zu hören: „Setzt mir bloß keinen Türken rein!“
Beschwerden über Migranten-Pächter
Der Hauptgrund für den Pacht-Stopp für Migranten ist offenbar, dass die Kleingärtner nicht zu Fremden in der eigenen Kolonie werden wollen. Doch abgesehen davon gibt es laut einem Vorstandsmitglied manchmal auch Klagen über die Migranten, die schon jetzt in der Kolonie anwesend sind. Die Vorwürfe lauten, dass sie
- nicht am Vereinsleben teilnehmen,
- sich nicht an den Festen beteiligen,
- an (deutschen) Feiertagen Rasen mähen,
- entgegen der Satzung mit Holz grillen und
- während der Ruhezeiten Auto fahren.
Normalerweise gebe es keine kulturellen Probleme, sagt Norbert Gieseking, der seit 1979 beim Tempelhofer Bezirksverband der Kleingärtner arbeitet. Aus der Kolonie „Frieden“ sei ihm aber berichtet worden, dass Pächter mit Migrationshintergrund kritisiert hätten, wenn eine Nachbarin im Bikini herumläuft oder wenn Alkohol getrunken wird.
Kleingartenanlage unter Druck
Kerstin Kühn vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg nennt den Pacht-Stopp für Migranten eine „glasklare Diskriminierung“. Dass die Betroffenen noch immer keinen Garten haben, sei ein „Skandal“. Daher hat sie die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eingeschaltet.
Die SPD-Politikerin hat sich mit den abgelehnten Türken getroffen und Verständnis für diese gezeigt. Die Bezirksbürgermeisterin will erreichen, dass die türkischen Familien einen Garten bekommen.
Kerstin Kühn vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg fordert mehr Rechte für den Bezirk, damit dieser auf die Kleingartenvergabe Einfluss nehmen kann. Denn laut Gesetz müssten Kleingärten gemeinnützigen Zwecken dienen.
Die beiden türkischen Familien prüfen jetzt eine Klage, um in die Kleingartenanlage zu kommen. Noch ist unklar, ob sie gegen die Verantwortlichen in der Kolonie oder gegen den Bezirksverband klagen. Der Türken-Bund wird sie dabei unterstützen.


