Reportage
Für 300 Euro syrischen Pass in Athen

Die Bundespolizei weist zur Zeit an Bayerns Außengrenze 200 der täglich eintreffenden Flüchtlinge ab, weil sie aus Algerien, Pakistan, Iran, Philippinen, Bangladesch oder Marokko kommen, wo kein Bürgerkrieg herrscht.
Eine Lösung für Nichtkriegsflüchtlinge, die dennoch in Deutschland Asyl erhalten wollen, bieten Fälscherwerkstätten in Griechenlands Hauptstadt Athen.
Pakistaner treten dort als Fälscher und Hehler auf. Anlaufstelle für fast alle Flüchtlinge in Athen ist der Victoria Square, 50 Minuten mit der U-Bahn vom Athener Flugplatz entfernt.
Für 300 Euro bekommen die Flüchtlinge auf dem Victoria Square einen syrischen Pass. Entweder stammt der aus Diebesgut oder wurde in einem der vielen Fälscherwerkstätten hergestellt, die wie Pilze aus dem Boden gestampft sind.
Für 3.500 Euro versprechen die Hehler sogar einen Pass, der garantiert von keinem Gerät als solcher erkannt werden könnte. Es heißt, sie könnten von Saddams Regime selbst ausgestellt worden sein, der so seine Kriegskasse aufbessern wolle.
Athen gilt bei Flüchtlingen als sicher und hat das türkische Istanbul, in dem sich die IS-Terroristen von Paris mit syrischen Rakka-Pässen eingedeckt hatten, als Fälscher- und Handelshauptstadt für syrische Passe abgelöst. Pässe aus dem Bürgerkriegsland Syrien gelten inzwischen als Währung.
Die Flüchtlinge kommen mit Bussen nach Athen, viele hoffen auf einen gefälschten Pass. In einer Werkstatt werden pro Woche 250 Pässe gefälscht, berichtete ein pakistanischer Fälscher vor wenigen Tagen einem Redakteur von Report aus München.
Griechenland sucht die Mitverantwortung dafür in der Türkei. Der stellvertretende griechische Innenminister, Nikolaos Toskas, sagte den deutschen Fernsehreportern: „Es ist dringend nötig, endlich die Flüchtlingsströme aus der Türkei zu verringern. Auch die Rückführung der Menschen in ihre Herkunftsländer muss verbessert werden, damit der große Druck, den unser Land ausgesetzt ist, gemindert wird.“
Doch solange das nicht geschieht, wird das illegale Passgeschäft in Athen wohl weitergehen.


