Reportage
Deutsche reich wie nie: Welche Fonds lieben die Deutschen?

Deutsche sind so reich wie nie. Das private Geldvermögen in Deutschland hat im zweiten Quartal einen neuen Höchststand erreicht. Es wuchs im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 0,8 Prozent auf 5,401 Billionen Euro. Das teilte gestern (19. Oktober 2016) die Bundesbank in Frankfurt am Main mit, wie auch die ARD-Tagesschau berichtete. Zum Geldvermögen gehören Bargeld, Wertpapiere, Bankeinlagen sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen. Als Grund für die positive Entwicklung wurden der robuste Arbeitsmarkt und die steigenden Reallöhne genannt.
Geldregen von Versicherungen
Bereits im vergangenen Jahr wurden abgelaufene Lebensversicherungen im Gesamtwert von 80 Milliarden Euro ausgezahlt, für 2016 rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) aus der Wilhelmstraße 43 in Berlin-Mitte mit einem noch höheren Volumen.
Als Grund nennt Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender des Münchener Maklerpools Jung, DMS & Cie. AG mit rund 17.500 Beratern und einem administrierten Fondvolumen von rund 4 Milliarden Euro: „Vor zwölf Jahren wurde beschlossen, dass Lebensversicherungen ihr Privileg der Steuerfreiheit verlieren. 2004 war also die letzte Gelegenheit, eine LV-Police abzuschließen und die Auszahlung zwölf Jahre späte steuerfrei zu kassieren. Das nutzten damals offensichtlich viele Menschen, denn laut Angaben des GDV wurden 2004 fast zwölf Millionen Neuverträge abgeschlossen – ein Zuwachs gegenüber 2003 um fast 40 Prozent. Ein Großteil dieser zwölf Millionen LV-Verträge mit einer versicherten Summe von 348 Milliarden Euro kommt also 2016 zur Auszahlung. Ein Jahr später sank die Zahl der Neuverträge wieder rapide ab.“
Doch wohin mit dem Geldsegen?
Die eher als börsenscheu geltenden Deutschen steckten erneut mehr in Aktien oder Investmentfonds. „Zur anhaltenden Präferenz für liquide und risikoarme Anlagen kam – wie bereits in den Vorquartalen – auch ein merkliches Engagement in Aktien und Anteilen an Investmentfonds hinzu“, erklärte die Bundesbank. Dies deute auf ein steigendes Renditebewusstsein hin.
Beliebt waren im zweiten Quartal den Angaben zufolge vor allem Renten- und Immobilienfonds. In Aktien investierten die Bundesbürger dagegen etwas weniger als in den Vorquartalen. Unter dem Strich steckten sie fünf Milliarden Euro in Aktien und sonstige Anteilsrechte vor allem inländischer Unternehmen.
Doch wie behält man den Überblick über sein Depot?
Der Maklerpool Jung, DMS & Cie. hat in diesem Jahr eine Smartphon-App „allesmeins“ entwickelt und herausgebracht, bei der jeder Smartphonebesitzer mit einer einzigen App über sein Fondsdepot stets auf dem Laufenden gehalten wird und sofort mit seinem Berater chatten oder mailen kann. Also eine App mit persönlicher Beratung. Dr. Grabmaier nennt das Beratermodell Advisor Tech und wird die App auch vom 25. bis 27. Oktober 2016 auf der DKM – der Fachmesse für die Finanz- und Versicherungswirtschaft – in Dortmund in Halle 3B am Stand C02 vorstellen. Dr. Grabmaier: „In Kürze werden auch Informationen über Investmentfonds via App zur Verfügung stehen. Dann können sich Berater und deren Kunden bequem und von überall aus per Handy über beispielsweise aktuelle Fondskurse informieren. Auch der Download von Fonds Factsheets ist möglich – hierzu nutzt allesmeins die Daten aus der gewohnten Plattform ATweb premium 2.0.“
Das Deutsche Institut für Service Qualität, die Goethe Universität Frankfurt und das DUB Unternehmermagazin haben dem Maklerpool für seine Finanzapp den Deutschen Kunden-Innovationspreis 2016 verliehen.
In einigen Medien wurde vor einem digitalen Vertrieb gewarnt. Er würde den Makler überflüssig machen und so zu einem Maklersterben führen – ausgelöst durch diverse Finanz- oder Versicherungs-Apps.
Dr. Grabmaier teilte dazu in der Oktober-Ausgabe 2016 des Beratermagazins Jung, DMS & Sie! mit: „Vieles davon ist auch wahr, denn die Knips, Clarks, GetSafes & Co. wildern bei der Suche nach neuen Einnahmequellen auch in Ihrem Kundenstamm. Dem setzen wir unsere Smartphone-App ‚allesmeins‘ entgegen, bei der Sie keine Maklermandate verlieren, sondern ganz im Gegenteil Ihre Bestandseinnahmen vervielfachen können. Sie können selbst ‚allesmeins‘ immer weiter verbessern – etwa mit der Möglichkeit, auch Investmentanlagen per App zu verwalten – und damit Kundenbindung und -zufriedenheit erhöhen.“
Die Jung, DMS & Cie. Group AG (JDC Group AG) entwickelt derzeit einen Robo-Advisor, mit dessen Beratung man einfach und kostengünstig in Indexfonds (ETF) investieren kann. Derzeit erfolgt der Fondsvertrieb neben den Verkäufern über die World of Finance. An der Börse werden solche Neuerungen honoriert. Der Aktienkurs der JDC Group AG hat sich seit anderthalb Jahren fast verdreifacht. Die Aktie wird heute an der Frankfurter Börse mit 6,20 Euro gehandelt, Tendenz steigend.
Aber welche Fonds lieben die Deutschen am meisten?
Laut einer Umfrage von Fonds professionell unter den Finanzvertrieben Finanzadmin, Jung, DMS & Cie., Partner Bank, Privat Consult und Top Ten sowie den Fondsplattformen FFB, „die Plattform“ und Hello Bank haben sich folgende Verkaufsschlager im freien Fondsvertrieb im ersten Halbjahr 2016 gegen die Konkurrenz durchgesetzt:
Platz 1: Carmignac Patrimoine
Die Goldmedaille holt sich aktuell der Carmignac Patrimoine. Der Franzose schaffte es mit einem Nettomittelzufluss(NMZ)-Anteil von 12,86 Prozent auf den Siegerplatz. Er wird von Edouard Carmignac und Rose Ouahba gemanagt. Der Mischfonds, der nur in Big Caps investiert, schaffte in 27 Jahren seines Bestehens eine Performance von mehr als 733 Prozent plus. In diesem Jahr schaffte er eine durchschnittliche Monatsperformance von rund 2 Prozent plus.
Platz 2: Nordea 1 Stable Return EUR
Der Nordea 1 Stable Return EUR wurde jüngst für Neuanleger geschlossen. Mit einem NMZ-Anteil von 12,78 Prozent ist der knapp 20 Milliarden Euro schwere Fonds im Bestseller-Ranking auf Platz zwei zu finden. Er wird von Asbjørn Trolle Hansen gemanagt.
Platz 3: SemperReal Estate
Für den 570 Millionen Euro schweren SemperReal Estate ging es weiter nach oben: Dank eines NMZ-Anteils von 11,45 Prozent machte der Immobilienfonds gleich zehn Ränge gut. Fondsmanager bei de Semper Constantia ist Detlef Schumacher.
Platz 4: Dirk Müller Premium Aktien
Zu den Kassenschlagern zählt diesmal trotz aller Kritik auch der Dirk Müller Premium Aktien. Der NMZ-Anteil betrug bei der aktuellen Erhebung 11,13 Prozent, womit der Fonds sich den vierten Platz sichert. Fondsmanager ist Dirk Müller, Spitzname „Mister DAX“.
Platz 5: C-Quadrat Arts Total Return Balanced
Auch der C-Quadrat Arts Total Return Balanced musste einige Plätze abgeben. Der von Arts Asset Management verantwortete anleihenorientierte Mischfonds war im zweiten Halbjahr 2015 noch auf Platz drei zu entdecken. Manager: Leo Willert, Geschäftsführer von Arts Asset Management.
Platz 6: Ethna Aktiv
Zuletzt noch an der Spitze dieses Rankings zu finden, rutschte der Ethna Aktiv auf Platz sechs ab. Mit einem NMZ-Anteil von 8,74 Prozent schafft es der 8,43 Milliarden Euro schwere Mischfonds diesmal „nur“ auf Rang sechs. Ethenea-Fondsmanager: Luca Pesarini.
Platz 7: BGF World Mining Fund EUR II
Der BGF World Mining Fund EUR II findet sich mit einem NMZ-Anteil von 7,14 Prozent auf Rang sieben der absatzstärksten Investmentfonds wieder. Der Rohstofffonds von Blackrock eroberte damit von Platz 16 aus das Top-10-Ranking der Bestseller im Fondsvertrieb. Blackrock-Fondsmanager: Evy Hambro.
Platz 8: SL Index Fund (LUX) Income EUR
Der SL Index Fund (LUX) Income EUR rutschte hingegen von Platz vier auf Rang acht ab. Der NMZ-Anteil des 2008 lancierten Mischfonds machte im ersten Halbjahr 2016 6,97 Prozent aus. Im zweiten Semester 2015 waren es noch 9,32 Prozent. Swiss-Life-Fondsmanagerin: Tatjana Puhan.
Platz 9: Templeton Global Total Return
Gegenüber der letzten Erhebung im zweiten Semester 2015 kletterte der Templeton Global Total Return von Platz elf auf den neunten Rang. Der NMZ-Anteil stieg im Halbjahresvergleich von 3,74 auf 5,26 Prozent. Fondsmanager bei Franklin Templeton: Michael Hasenstab.
Platz 10: Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen
Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen schaffte es erstmals in die Liste der Bestseller im freien Fondsvertrieb. Der Anteil des von Shareholder Value gemanagten Europa-Aktienfonds an den Nettomittelzuflüssen (NMZ) der heimischen Fondsvertriebe betrug 5,10 Prozent. Fondsmanager: Frank Fischer, CIO von Shareholder Value.


