Reportage
Die Grünen und der Tod bedrohen die CDU

Nach Ansicht der CSU ist die Schwesterpartei CDU zu weit nach links gerückt, wodurch rechts viel Platz für die AfD entstanden sei. Doch die Zahlen von Matthias Jung, Meinungsforscher aus Mannheim, zeigen ganz andere Ursachen für den derzeit schlechten Stand der Union beim Wähler.
Gefährlichster Gegner der CDU sind die Grünen
Der Meinungsforscher war am Sonntag nach Berlin gereist, um Angela Merkel und der Unionsführung eine wissenschaftliche Grundlage für die Strategiediskussion zu liefern. Er präsentierte die Zahlen zur Wählerwanderung.
Danach sind im März bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg über 100.000 ehemalige CDU-Wähler zu den Grünen gewechselt, berichtet die Welt. Unter den Abtrünnigen zu den Grünen waren vor allem über 60 Jahre alte ehemalige CDU-Wähler.
Schlechte Wahlergebnisse wegen Kritik an Merkel
Matthias Jung erklärte die schlechten Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg auch damit, dass sich die dortigen Landesverbände von Angela Merkels Flüchtlingspolitik distanziert hatten.
Diese Einschätzung wurde von einigen Landesverbänden zurückgewiesen. Nicht die alternativen zu Merkels Flüchtlingspolitik seien das Problem gewesen, sondern die Art und Weise, wie man in Berlin damit umgegangen sei, soll etwa Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gesagt haben.
Auch andere Landespolitiker sagten, es sei „nicht fair“, in diesem Zusammenhang die Schuld auf die Landesverbände abzuladen. Tatsächlich hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder den Vorschlag für Tageskontingente von Julia Klöckner in einem Fernsehinterview als überflüssig bezeichnet.
Größter Feind der CDU ist der Tod
Laut den Zahlen des Wahlforschers ist weder die neue rechte Konkurrenz von der AfD die größte Konkurrenz für die CDU, noch sind es die SPD oder die Grünen. An niemanden verliert die Union heute so viele Stammwähler wie an den Tod. In jeder Legislaturperiode stirbt eine Million Unionswähler
Matthias Jung empfahl den Unionsparteien vor allem wegen der Abwanderung zu den Grünen und wegen dem Ableben der Stammwähler, die Beibehaltung oder Verschärfung des Modernisierungskurses nach links. Die deutsche Gesellschaft und somit die potentiellen Wähler dächten viel progressiver als die CDU-Parteimitglieder.
Laut Wahlforscher Matthias Jung wurde die AfD bei den Landtagwahlen im März am stärksten von früheren Nichtwählern und dann von Ex-Wählern aller anderen Parteien gewählt worden. In Sachsen-Anhalt hätten vor allem ehemalige Rechts- und Linksradikale die AfD stark gemacht. Diese Wählerkreise seien für die CDU noch nie zu gewinnen gewesen.


