Reportage
Amris Kontaktmann bleibt wegen Sozialbetrugs in Haft
Bilal B. wurde im November wegen Diebstahls mit Waffen verurteilt, kam aber auf Bewährung frei. Am Vorabend des Anschlags in Berlin traf er den Terroristen Anis Amri. Nun wurde er wegen Sozialbetrugs festgenommen.

Der Tunesier Bilal B. (26) wurde am Dienstag im Asylheim an der Motardstraße in Spandau bei einer Razzia gefasst. Dort lebte er seit September unter dem Namen Abu B. Laut Bundesanwaltschaft könnte er in den Terroranschlag vom Breitscheidplatz eingebunden gewesen sein oder zumindest von der Planung gewusst haben.
Bilal B. ist den Ermittlern wegen Kontakten zum Umfeld des Islamischen Staats bekannt. Im November 2015 wurde er schon einmal festgenommen. Damals bestand der Verdacht, dass er sich für einen Anschlag in Dortmund Sprengstoff und Waffenteile liefern ließ. Doch in der Kurier-Tasche fanden die Ermittler dann nur Honig.
Bilal B. wegen Diebstahls mit Waffen verurteilt
Dann klaute Bilal B. im Februar 2016 in einem Kaufhaus Kleidung. Dabei war er mit Pfefferspray und einer Nagelzange bewaffnet. Das Gericht verurteilte ihn am 24. November 2016 wegen Diebstahls mit Waffen zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe. Doch er bekam auf Bewährung frei.
Am Abend des 18. Dezember traf sich Bilal B. mit Anis Amri in einem Restaurant in Gesundbrunnen. „Sie haben dort gegessen und sich intensiv unterhalten“, sagte eine Sprecherin des Generalbundesanwalts. Einen Tag später fuhr Anis Amri einen Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche und tötete mindestens zwölf Menschen.
Deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass Bilal B. möglicherweise in den Terroranschlag eingebunden war oder zumindest von der Planung wusste. „Wir ermitteln wegen Beteiligung am Anschlagsgeschehen gegen den Verdächtigen“, sagte die Sprecherin. Doch die Beweise reichten für einen Haftbefehl nicht aus.
Festnahme am Mittwoch wegen Sozialbetrugs
Dennoch erließ die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Mittwoch einen Haftbefehl gegen den Tunesier. Grund dafür sind aber nicht seine Kontakte zum Umfeld des Islamischen Staats und zum Terroristen Anis Amri, sondern dass Bilal B. auch zu Unrecht Sozialleistungen bezogen haben soll.
Laut Bundesanwaltschaft soll sich Amri wenige Stunden vor dem Terroranschlag in der Fussilet-Moschee an der Perleberger Straße in Moabit aufgehalten haben. Dann erschoss er gegen 19:30 Uhr am Friedrich-Krause-Ufer den auf der Beifahrerseite des Lkw sitzenden polnischen Fahrer von der Fahrerseite aus.
Die Auswertung von Schmauchspuren und einer am Tatort sichergestellten Patronenhülse hat auch ergeben, dass es sich um dieselbe Waffe handelte, mit der Anis Amri in Italien auf die Polizisten schoss, bevor diese ihn töten konnten. Bei dem Anschlag war keine dritte Person in der Fahrerkabine.
Nach der Tat soll Anis Amri zum nahe gelegenen Bahnhof Zoo gegangen sein. Bilder einer Überwachungskamera sollen ihn zeigen, wie er den Zeigefinger in die Kamera hält. Dieser sogenannte Tauhid-Gruß wird von Kämpfer des Islamischen Staats verwendet. Tauhid heißt übersetzt „Glaube an die Einheit und Einzigkeit Gottes“.


