Reportage
So unterschiedlich wählen Ostberlin und Westberlin
Auch knapp 27 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sind die Unterschiede im Wahlverhalten zwischen den beiden einstigen Stadteilen enorm. Wir zeigen, welche Koalitionen nach aktuellen Wahlumfragen möglich wären.

Berlin Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wünscht sich eine rot-grüne Koalition. Doch die scheint laut aktuellen Umfragen nicht möglich. Nur wenn man die Linkspartei mit ins Boot holt, reichen die derzeitigen Zahlen. Eine solche rot-rot-grüne Koalition ist das erklärte Ziel des Berliner Linken-Chefs Klaus Lederer.
Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap gibt es in Berlin derzeit kein Zweierbündnis, das über eine Mehrheit verfügen würde. Es reicht weder für eine Fortsetzung von Rot-Schwarz noch für Rot-Grün noch für Rot-Rot noch für Schwarz-Grün, was derzeit sowieso niemand will.
Wahlumfragen deuten auf Rot-Grün-Rot
Politisch machbar wäre derzeit nur Rot-Grün-Rot, denkbar wäre möglicherweise noch eine Kenia-Koalition aus SPD, CDU und den Grünen. Allerdings haben Sozialdemokraten und Grüne gerade signalisiert, dass sie an einem Bündnis mit der CDU kein Interesse haben – es sei denn im Kampf gegen die Berliner AfD.
Wenn die Berlinwahl am 18. September so ausgeht, wie es Infratest derzeit prognostiziert, so wäre es für die Regierungsparteien SPD und CDU in Berlin das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 1946. Für die AfD wären die prognostizierten 15 Prozent allerdings ein deutlicher Zugewinn. Die junge Partei kann derzeit mit mehr als 20 Sitzen im Abgeordnetenhaus rechnen.

In Ostberlin reicht es für Rot-Rot
Auch knapp 27 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sind die Unterschiede im Wahlverhalten zwischen den beiden einstigen Stadteilen enorm. Im einstigen Ostberlin würde es rechnerisch für eine rot-rote Koalition reichen.
Hier wählt mehr als ein Viertel der Bürger die Linkspartei. Und auch die AfD erhält hier mit 18 Prozent einen deutlich höheren Stimmenanteil als in Westberlin. Dafür sind CDU, SPD, Grüne und FDP in Ostberlin schwächer als im Westen der Hauptstadt.


