Reportage
Unternehmen klagen über schlechte Uni-Absolventen
Bei einem Drittel der deutschen Unternehmen sagen die Personalchefs, dass sich die Ausbildung der eingestellten Uni-Absolventen in den letzten zehn Jahren verschlechtert hat. Betroffen sind vor allem Bachelor und Master.

Knapp jedes dritte Unternehmen in Deutschland ist der Ansicht, dass sich die Fähigkeiten von Hochschulabsolventen verschlechtert haben. Das geht aus einer Befragung des Münchener Ifo-Instituts im dritten Quartal 2016 hervor.
Das Institut befragte die Personalverantwortlichen von 1.000 Unternehmen in Deutschland, die in den letzten zehn Jahren Hochschulabgänger eingestellt haben. Sie hatten daher die Chance, die Absolventen im Arbeitsalltag kennenzulernen.
Unternehmen unzufrieden mit Uni-Absolventen
Von den Personalverantwortlichen sagten 32 Prozent, dass ihre Zufriedenheit mit der Ausbildung der jungen Mitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen ist. Weitere 43 Prozent konnten keine Veränderung erkennen.
Nur 2 Prozent der Personalverantwortlichen finden, dass sich die Ausbildung zum Besseren verändert hat, berichtet SPIEGEL ONLINE. Vor allem die Personalleiter großer Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zeigten sich unzufrieden.
Stärkere Unzufriedenheit bei Bachelor und Master
Die Unzufriedenheit im Hinblick auf die Ausbildung der neuen Mitarbeitern ist in jenen Betrieben besonders hoch, wo Bachelor und Master die häufigsten Abschlüsse der neu eingestellten Mitarbeiter sind.
Das sind die neuen Uni-Abschlüsse im Rahmen der Reformen Bologna-Prozess. Die neuen Abschlüsse sollen international eine bessere Vergleichbarkeit ermöglichen und stärker auf die berufliche Eignung abzielen.
Die befragten Personalchefs konnten ihre Angaben auf den Fragebögen auch kommentieren. Einige sagten, dass ihnen die Ausbildung an den Universitäten und Fachhochschulen heute zu verschult erscheint. Sie sehen bei den jungen Mitarbeitern Defizite bei
- der Selbstständigkeit,
- der Problemlösungskompetenz,
- dem Abstraktionsvermögen,
- der Fähigkeit zur Selbstreflexion,
- dem Grundlagenverständnis und
- der Allgemeinbildung.


