Reportage
Fast alle geschleusten Migranten verschwunden
In Brandenburg hatte die Polizei am Samstag einen Laster mit 50 Migranten im Laderaum gestoppt. Diese wurden in die Zentrale Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt gebracht. Nun sind 48 von ihnen spurlos verschwunden.

Am Samstag hatte die Polizei in einem gestoppten Schleuser-Lkw in Brandenburg 50 Migranten entdeckt. Diese wurden zunächst in die Zentrale Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt gebracht. Doch inzwischen sind alle bis auf zwei Personen verschwunden, so der Leiter der Einrichtung, Frank Nürnberger.
Bei der Überprüfung der Zimmer seien nur noch ein Erwachsener und ein Minderjähriger angetroffen worden, sagte Frank Nürnberger am Montag dem rbb. Die anderen seien vermutlich auf eigene Faust zu Verwandten oder Bekannten in Deutschland weitergereist. Vermutlich würden sie nun in anderen Bundesländern Asylanträge stellen.
Die 50 Männer, Frauen und Kinder waren auf der Autobahn 12 bei Müllrose (Oder-Spree) in einem Lkw entdeckt worden. Gegen den türkischen Lkw-Fahrer und einen weiteren Mann aus Syrien, der sich ebenfalls im Laderaum befand, ist inzwischen Haftbefehl wegen des Einschleusens von Ausländern erlassen worden.
Der festgenommene 26-jährige Syrer verfügt über einen rumänischen Flüchtlingsausweis. Bei seiner Befragung soll er widersprüchliche Angaben gemacht haben. Auch aufgrund weiterer Unstimmigkeiten gehen die ermittelnden Bundespolizisten davon aus, dass es sich bei dem Mann um einen weiteren Schleuser handelt.
Die Migranten gaben an, Iraker zu sein. Allerdings hatte keiner von ihnen einen Pass dabei. Nach eigenen Angaben handelte es sich um 33 Erwachsene und 17 Minderjährige. Acht der Minderjähren waren ohne Familienangehörige unterwegs, sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums.
Migranten aus Eisenhüttenstadt verschwunden
Die Migranten waren zunächst in die Zentrale Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt gebracht worden und stellten dort auch Asylanträge. Allerdings waren die meisten von ihnen bereits in Rumänien und Bulgarien registriert worden. Die Ausländerbehörde sollte deshalb eine Rückführung in diese Länder prüfen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.
Den gestoppten Lkw soll eine Schleuser-Gruppe auf den Weg gebracht haben. „Wir gehen davon aus, dass hinter der Schleusung eine Bandenstruktur steckt“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) am Montag. Man prüfe, ob es Zusammenhänge zu ähnlichen Einschleusungen in jüngerer Zeit im deutsch-polnischen Grenzgebiet gibt.
Die Bundespolizei registriert für das laufende Jahr eine Zunahme von Schleusungen an der deutsch-polnischen Grenze. Dies zeigt ein vertraulicher interner Lagebericht, der dem rbb vorliegt. Der am Wochenende gestoppte Laster sei bereits der siebte Lkw-Schleusungsfall, den die Bundespolizei in diesem Jahr registriert hat.
In den letzten Jahren waren in Brandenburg solche Fälle von Lkw-Schleusungen kaum aufgetaucht. So etwas gab es bisher vor allem im süddeutschen Raum. Doch seit die Balkan-Route de facto geschlossen ist, könnte sich eine neue Flüchtlingsroute über Bulgarien, Rumänien und Polen entwickeln haben.
Die Dunkelziffer dürfte angesichts des hohen Verkehrsaufkommens im Grenzgebiet sehr hoch sein. In Frankfurt/Oder fahren in der Spitze bis zu 16.000 Lkw täglich über die Grenze. Ob die Bundespolizei die Grenzgebiete zu Polen nach dem Vorfall häufiger kontrollieren wird, wollen die Beamten aus einsatztaktischen Gründen nicht sagen.


